Was Vanessa Gattung zur Kritik sagt  Megacool oder nur peinlich? Papenburgs Bürgermeisterin auf Social Media

Christian Belling
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Von Christian Belling
| 02.08.2025 11:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit Sonnenbrille und Skateboard erklärte hier Vanessa Gattung zu Beginn der Sommerferien den Kindern und Jugendlichen in ihrem Video auf Instagram, was sie in der schulfreien Zeit vor Ort alles unternehmen können. Foto: Stadt Papenburg
Mit Sonnenbrille und Skateboard erklärte hier Vanessa Gattung zu Beginn der Sommerferien den Kindern und Jugendlichen in ihrem Video auf Instagram, was sie in der schulfreien Zeit vor Ort alles unternehmen können. Foto: Stadt Papenburg
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Sie erregen Aufmerksamkeit, generieren Reichweite und polarisieren mitunter auch: Die Rede ist von Vanessa Gattungs Beiträgen in den sozialen Medien. Das sagt Papenburgs Bürgermeisterin dazu.

Papenburg - Sie tanzt freitags aus dem Rathaus ins Wochenende, springt zur Freibaderöffnung ins kühle Nass, erläutert, wie die Kläranlage funktioniert und gibt Kindern im Jugendslang und vom Skateboard fallend Tipps, was sie in den Sommerferien alles im Stadtgebiet unternehmen können: Wohl kein anderes Stadtoberhaupt im Emsland ist in den sozialen Medien so aktiv wie Papenburgs Bürgermeisterin Vanessa Gattung (SPD). Für ihre Videos auf Instagram und Facebook wird sie abgefeiert – bekommt aber auch Gegenwind. Was sie Kritikern sagt und warum sie die Plattformen im Internet nutzt.

Eines muss man Vanessa Gattung und dem Team der Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt Papenburg lassen: Sie wissen, die sozialen Medien zu nutzen und damit Reichweite zu generieren und Aufmerksamkeit zu erregen. Allein das Anfang Juli zu Beginn der Sommerferien gepostete Video, welches die Bürgermeisterin sportlich auf Bolz- und Bouleplätzen, dem Freibad, im Bike-Park oder auf der Skateranlage zeigt, erreichte auf Instagram bislang fast eine Viertelmillion Nutzer.

Neben Lob gibt es auch Kritik an Papenburgs Bürgermeisterin

„Wow. Lässigste Bürgermeisterin Deutschlands?“, steht unter anderem als Kommentar unter dem Video. Auch andere feiern die Verwaltungschefin für ihr Auftreten und fragen, was man tun muss, um bei dieser „coolen Stadtverwaltung“ arbeiten zu dürfen. Es gibt aber auch Kritik an Begriffen aus der Jugendsprache wie „slay“, „safe“ oder „no cap“. Auch dass Zuschauer mit „Atzinnen und Atzen“ angesprochen werden, gefällt nicht jedem.

Darauf angesprochen, reagiert Gattung entspannt. „Man muss sich das Video ja nicht ansehen und kann ganz einfach weiterscrollen“, gibt sie Kritikern mit auf den Weg. Doch ist ein so betont lässiges und teilweise auch polarisierendes Auftreten eines Stadtoberhaupts angemessen? „Auch wenn sich das Klischee noch hartnäckig hält: Verwaltungen sind längst nicht mehr spießig und müssen auch sehen, wie sie ihre Bürger erreichen“, erklärt die 35-Jährige.

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Mit klassischen Pressemitteilungen oder „Behördendeutsch“ dringe man insbesondere zur jungen Generation nicht mehr vor. „Und genau für die sind die zielgerichteten Videos auf Social Media gedacht.“ Die Verwaltung überlege sich im Vorfeld, welches Thema man auf welcher Plattform am besten spielen kann, um die Zielgruppe zu erreichen. „Offline bekommt man den Nachwuchs kaum noch“, stellt Gattung fest.

Junge Generation, aber auch Neubürger und Fachkräfte sollen angesprochen werden

Doch nicht nur die junge Generation soll mit den Beiträgen angesprochen werden. „Es geht auch um unser Image und das Stadtmarketing“, so die Verwaltungschefin. Neubürger oder Fachkräfte sollen mit den Online-Aktivitäten ebenfalls auf Papenburg aufmerksam werden.

Sich selbst bezeichnet die 35-Jährige als neue Generation von Bürgermeistern, die mit Social Media groß geworden ist – und auch damit umgehen kann. „Ich finde es wichtig, auch dort präsent zu sein, um der AfD nicht das Feld zu überlassen.“

„Wichtig ist es, authentisch zu bleiben “

Dass Gattung die sozialen Medien zu nutzen weiß, bewies sie bereits 2021 im Bürgermeisterwahlkampf. „Wichtig ist es, authentisch zu bleiben und sich in den Beiträgen selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Eine Portion Selbstironie gehört auch dazu.“

Gerne dürfen Beiträge der Verwaltung aber auch provokativ sein. So stellte die Stadt Mitte Juli ein Video mit dem Titel „Die Stadt ist faul“ auf ihre Instagramseite. „Ein Satz, den wir oft hören – aber der mit der Realität wenig zu tun hat“, heißt es dort seitens der Verwaltung weiter. Der Inhalt des Beitrags bricht eine Lanze für die Kollegen des Bauhofs, die „tagtäglich mit viel Einsatz für uns unterwegs sind. Nicht laut. Nicht überall gleichzeitig. Aber stetig.“ Gattung zufolge geht es bei den Beiträgen auch darum, den Spieß mal umzudrehen. „Wir haben viel zu bieten. Auch wenn vieles oft negativ dargestellt wird.“

Zuspruch von Bürgermeisterkollegen und vom eigenen Rathausteam

Von Bürgermeisterkollegen bekomme sie viel Zuspruch für die Aktivitäten im Internet. „Das eine oder andere haben sich so manche auch schon von uns abgeguckt“, so Gattung. Auch aus der eigenen Verwaltungsmannschaft würden immer häufiger Ideen kommen, um Inhalte aus den jeweiligen Fachbereichen digital aufzubereiten. „Wir zerren natürlich niemanden vor die Kamera. Wer da aber Lust drauf hat, wird auch in ein Video eingebunden“, erklärt die Bürgermeisterin.

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