Hannover  Leere Ausbildungsplätze: Die Jugend ist zu nichts mehr zu gebrauchen... oder?

Jonas E. Koch
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Von Jonas E. Koch
| 01.08.2025 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Qualität von Azubis nimmt immer weiter ab, warnen Arbeitgeber. Foto: IMAGO / Zoonar
Die Qualität von Azubis nimmt immer weiter ab, warnen Arbeitgeber. Foto: IMAGO / Zoonar
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Bewerber auf Ausbildungsplätze sind immer unqualifizierter, schimpfen Arbeitgeber. Aber vielleicht sind die Arbeitgeber auch selbst schuld?

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“ Diesen Satz kennt wahrscheinlich jeder Auszubildende. In vielen Betrieben symbolisiert die Phrase eine Grundeinstellung: Wer neu anfängt, soll erstmal bescheiden und genügsam mitarbeiten.

Dabei können sich Betriebe diese Einstellung eigentlich längst nicht mehr leisten. Kein Wunder, dass im vergangenen Jahr jeder zweite Ausbildungsplatz unbesetzt blieb – während einige Unternehmen sich vor Bewerbungen kaum retten können, erhält laut IHK jedes dritte Unternehmen keine einzige.

Was viele Personaler verwundern mag, ist leicht zu erklären: Die Zeiten haben sich geändert, aber viele Unternehmen nicht. Auch Auszubildende sind ein Markt; der durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Arbeitgeber spüren das bereits: 49 Prozent der Betriebe haben nicht einmal ein schriftlich definiertes Anforderungsprofil für Bewerbungen. Wer sich trotzdem bewirbt, erhält oft keine Antwort: 60 Prozent der Bewerber haben vom Wunsch-Arbeitgeber nie wieder etwas gehört.

Viele Auszubildende in der Industrie oder dem Handwerk könnten ganze Bücher darüber schreiben, wie sie ausgenutzt werden, in welch herablassenden Ton mit ihnen gesprochen wird, wie sie mental kaum gefordert werden, statt wirklich einen Beruf erlernen zu dürfen.

Arbeitgeber monieren schon seit Langem, dass die Zuverlässigkeit und Leistungsbereitschaft der Auszubildenden immer weiter sinken. Aber: Wer wie der Großteil der Betriebe nur knapp fünf Euro die Stunde zahlt, darf keine Höchstleistungen erwarten. Auch nicht von Auszubildenden. Während die Lebenshaltungskosten immer weiter steigen, liegt die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr gerade mal bei 3,93 Euro pro Stunde. Zum Vergleich: Der Mindestlohn für ungelernte Tätigkeiten liegt bei 12,82 Euro. Wen soll das in der Ausbildung motivieren?

Es mag sein, dass Auszubildende immer schlechter in Mathematik sind. Hier müssen die Schulen und die Politik nacharbeiten. Aber wie leistungsbereit der Nachwuchs ist, haben die Betriebe selbst in der Hand. Und der ein oder andere Betrieb sollte vielleicht mal seine Ansprüche und Ausbildungsmethoden überprüfen.

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