Düsseldorf/Peking  Mediamarkt wird chinesisch: Online-Riese JD.com übernimmt Mehrheit

Frank Meßing
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Von Frank Meßing
| 31.07.2025 17:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Elektronikkette Media Markt und Saturn wird durch den chinesischen Elektronikhändler JD.com übernommen Foto: dpa/Armin Weigel
Die Elektronikkette Media Markt und Saturn wird durch den chinesischen Elektronikhändler JD.com übernommen Foto: dpa/Armin Weigel
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Der chinesische Online-Händler JD.com soll den MediaMarkt-Saturn-Mutterkonzern Ceconomy mit dem Kauf von 57,4 Prozent übernehmen. Die Übernahme steht jedoch noch unter Vorbehalt kartellrechtlicher und politischer Genehmigungen.

Lange war darüber spekuliert worden, jetzt steht es fest: Europas führende Elektronikkette Mediamarkt und Saturn bekommt einen neuen Eigentümer. Der chinesische Online-Riese JD.com mit einem Jahresumsatz von zuletzt 147 Milliarden Euro gab in der Nacht zum Donnerstag, 31. Juli, bekannt, dass ihm schon vor Abgabe eines öffentlichen Übernahmeangebots 57,4 Prozent der Aktien des MediaMarkt-Saturn-Mutterkonzerns Ceconomy sicher seien. Auf den Giganten aus Peking warten allerdings noch kartellrechtliche und politische Hürden.

Kai-Ulrich Deissner ist ein nüchterner Manager, der gerade erst seit Mai an der Spitze von Ceconomy steht. Nach der kurzen Nacht, in der er den Durchbruch in den Verhandlungen mit JD.com verkündet hatte, wird er am Morgen danach emotional. „Das ist ein so wichtiger Moment für uns“, sagt der Vorstandsvorsitzende. „Wir sind davon überzeugt, mit dieser Partnerschaft unsere Wachstumsstrategie noch schneller umzusetzen. Sie wird uns erlauben, unsere Position zu stärken.“

Mit 50.000 Beschäftigten, 1030 Filialen und einem großen Marktplatz hat sich Ceconomy in 13 Ländern eine führende Position im Handel mit elektronischen Produkten erarbeitet. 22 Milliarden Euro Umsatz und zehn Quartale Wachstum in Folge – aber Deissner will noch mehr. „Stillstand ist keine Option. Wir wollen den Wandel von Handel in Europa gestalten und anführen. JD.com ist dafür der richtige Partner zur richtigen Zeit“, zeigt sich der Ceconomy-Chef kämpferisch.

In seinen Filialen will er rasch von dem technologischen Vorsprung des chinesischen Megakonzerns profitieren. „JD.com hat eine einzigartige Einzelhandelserfahrung, 95 Prozent der Artikel werden am selben oder am nächsten Tag ausgeliefert. Das ist weltweit einzigartig“, schwärmt Diessner. Er betont, dass Ceconomy ein eigenständiges Unternehmen bleibe und die Mitarbeitenden zumindest in den nächsten drei Jahren „keine betriebsbedingten Kündigungen“ zu befürchten hätten.

Auch Sandy Xu, Chefin von JD.com, versucht zu beruhigen. „Die Marktführerschaft, die starken Kundenbeziehungen und das Wachstum von Ceconomy sind beeindruckend. Wir sind fest entschlossen, in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die einzigartige Kultur des Unternehmens zu investieren, um auf diesem Erfolg aufzubauen“, sagt sie. „Unser Ziel ist es, die Plattform von Ceconomy in Europa weiter auszubauen.“

Die Gewerkschaft Verdi formulierte am Donnerstag bereits konkrete Forderungen zu Mitbestimmung und Tarifbindung an die möglichen neuen Eigentümer in China. „JD.com muss klar sein: Gegen die Beschäftigten kann sich der Konzern für die Zukunft nicht gut aufstellen. Deshalb müssen neben dem Erhalt der Filialen und des stationären Handels auch ein tragfähiges Zukunftskonzept entwickelt und Investitionen zugesagt werden“, erklärt Corinna Groß, Verdi-Bundesfachgruppenleiterin für den Einzelhandel.

„JD.com muss langfristig soziale Verantwortung für die Beschäftigten und die Sicherung der Arbeitsplätze in Deutschland mit übernehmen und sich unseren Forderungen als Gewerkschaft stellen.“

Vor einer erfolgreichen Übernahme muss JD.com allerdings noch zahlreiche Hürden nehmen. Die EU-Kommission muss eine kartellrechtliche Würdigung abgeben und die Bundesregierung die außenwirtschaftliche Freigabe erteilen. Die Chinesen unterbreiten den bisherigen Anteilseignern von Ceconomy einen Angebotspreis von 4,60 Euro je Aktie in bar. Das entspreche einer Prämie von 42,6 Prozent des Durchschnittskurses der vergangenen drei Monate.

Die größten Anteilseigner scheinen das Angebot zu unterstützen. Die Stiftung Convergenta der Gründerfamilie Kellerhals soll einer Mitteilung zufolge nach dem öffentlichen Übernahmeangebot 25,35 Prozent an Mediamarkt und Saturn halten. Convergenta und JD.com haben überdies eine Aktionärsvereinbarung über die künftige strategische Ausrichtung des Unternehmens unterzeichnet und wollen ihre unternehmerischen Kräfte bündeln.

Aber auch das Duisburger Familienunternehmen Haniel, die Familie des Metro-Gründers Beisheim und der Mobilfunkanbieter Freenet haben laut Mitteilung Zusagen an JD.com für 32 Prozent der Aktien abgegeben. Wie sich die Duisburger Handelsfamilie Schmidt-Ruthenbeck, die hinter der Meridian-Stiftung steht, verhält, blieb zunächst unklar.

Ceconomy-Chef Deissner rechnet damit, dass der Abschluss der Übernahme, also das Closing, in der ersten Jahreshälfte 2026 erfolgen könnte. Ein „Großteil der Aktionäre“ unterstütze das Angebot von JD.com. Auch Vorstand und Aufsichtsrat hätten sich dazu bekannt.

JD.com mit einem Jahresumsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 sieht sich als „ein weltweit führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit einer Lieferkette als Kernstück und Chinas größter Einzelhändler nach Umsatz“. Seit mehr als zehn Jahren ist das Unternehmen an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert.

Auf dem Heimatmarkt kämpft der Konzern mit Sitz in Peking mit einem intensiven Wettbewerb. Konkurrenten wie Alibaba und Pinduoduo setzen JD.com unter Druck. Zuletzt ist JD.com auch in den chinesischen Markt für Essenslieferungen vorgedrungen – und hat damit ein weiteres umkämpftes Feld betreten.

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