Berlin/Kiel  Bund friert Zuschuss für Deutschlandticket ein – kostet es bald 70 Euro?

Henning Baethge
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Von Henning Baethge
| 31.07.2025 06:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wie lange kostet es noch 58 Euro? Das Deutschlandticket für den öffentlichen Nahverkehr. Foto: Julian Stratenschulte
Wie lange kostet es noch 58 Euro? Das Deutschlandticket für den öffentlichen Nahverkehr. Foto: Julian Stratenschulte
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Die Bundesregierung will den Preis des Deutschlandtickets bis 2029 stabil halten – aber trotz steigender Kosten der Verkehrsbetriebe keine höheren Zuschüsse zahlen. Droht nun ein Preis von 70 Euro?

Das Deutschland-Ticket für den bundesweiten öffentlichen Nahverkehr droht 2026 deutlich teurer zu werden. Zwar hat die schwarz-rote Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag zugesagt, den Preis bis 2029 stabil bei derzeit 58 Euro zu halten. Doch trotz Kostensteigerungen bei den Verkehrsunternehmen will sie im nächsten Jahr nur genauso viel Geld zur Finanzierung des Tickets bereitstellen wie in diesem. Das geht aus dem Entwurf für eine Änderung des Regionalisierungsgesetzes hervor.

Demnach wird der Bund in 2026 abermals einen Zuschuss von 1,5 Milliarden Euro für das Deutschlandticket zahlen. Die Länder steuern zusammen ebenso viel bei. Mit den Zuschüssen sollen Einnahmeausfälle der Bahn- und Busbetriebe ausgeglichen werden – denn deren frühere Monatskarten waren oft deutlich teurer als das Deutschlandticket.

In der Branche rechnet man nun damit, dass statt dieser 3,0 Milliarden Euro von Bund und Ländern nächstes Jahr mindestens 3,7 Milliarden zum Ausgleich der Einnahmeausfälle nötig werden. Grund dafür sind vor allem höhere Personalkosten. Ohne eine Anhebung des Bundeszuschusses müsste also entweder jedes Land mehr zahlen – oder der Preis des Deutschlandtickets kräftig steigen.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen lehnt eine Erhöhung des Landesbetrags ab. „Sollte der Bund seine Zahlung bei 1,5 Milliarden Euro deckeln, bedeutet das, dass wir uns für eine ausreichende Erhöhung des Preises des Deutschlandtickets einsetzen müssten“, sagt der CDU-Politiker unserer Redaktion.

Einen Betrag nennt er nicht, sondern verweist darauf, dass die Länder gerade eine einheitliche Stellungnahme zum Gesetzentwurf der Koalition abstimmen würden. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hatte kürzlich mal von bis zu 70 Euro gesprochen.

Madsens bayrischer Amtskollege Christian Bernreiter, Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, prescht derweil schon mal mit Kritik an Schwarz-Rot vor. „Der Entwurf zur Änderung des Regionalisierungsgesetzes entspricht in keinster Weise unseren Vorstellungen, denn er verkennt die Realität“, wettert der CSU-Politiker. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil lasse die Verkehrsunternehmen „sehenden Auges in eine Unterfinanzierung laufen“.

Außerdem moniert Bernreiter, dass die Finanzierung des Deutschlandtickets wieder nur für ein Jahr geregelt werden soll und auch keine Nachschusspflicht enthalten ist, falls das Geld nicht reicht. Das Deutschlandticket gibt es seit Mai 2023. Es ermöglicht bundesweit Fahrten im öffentlichen Regional- und Nahverkehr. Die Zahl der Nutzer lag im Januar bei 13,4 Millionen Menschen.

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