Elmshorn Futterhaus hält 23 Bürohunde: Welche Regeln braucht es, damit das gut geht?
Der Tierbedarfshändler Futterhaus setzt auf klare Regeln für Bürohunde: 23 Vierbeiner dürfen erst nach bestandener Prüfung mit ins Büro, Hundetrainerin und Hundebeauftragte sorgen für ein gutes Miteinander. Welche Regeln gelten am Arbeitsplatz?
Hubert und Benni haben es sich in ihren Hundebetten im Büro gemütlich gemacht. Während ihre Frauchen an ihren Computern ihre Arbeit machen, dösen die beiden Hunde vor sich hin. Hubert und Benni sind Bürohunde in der Zentrale des Tierbedarf-Fachhändlers Futterhaus in Elmshorn (Schleswig-Holstein). Sogar geprüfte Bürohunde.
„Für das gute Miteinander von Mensch und Tier haben wir klare Rahmenbedingungen geschaffen und uns Unterstützung durch Hundetrainer gesichert“, erklärt Ricarda Gürne. Die Pressereferentin beim Futterhaus ist auch die Besitzerin des kleinen, weiß gelockten Cavapoos Benni.
In den meisten Unternehmen sind Bürohunde entweder verboten oder es gibt keine klaren Regeln. „Bei uns war das früher auch so“, berichtet Nadine Giese-Schulz, Leiterin der Unternehmenskommunikation beim Futterhaus. „Bürohunde durften nur in Einzelfällen und in Absprache mit dem Vorgesetzten mitgebracht werden. Aber das hat nicht gut funktioniert.“
Das Unternehmen sei in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen, die Mitarbeiterzahl in der Zentrale habe sich verfünffacht. Und immer mehr Hundebesitzer hätten sich gewünscht, ihren Hund mit ins Büro zu bringen. Derzeit kommen 23 Bürohunde auf 260 Mitarbeiter. Giese-Schulz: „Vor ungefähr drei Jahren war klar: Wir brauchen klare Rahmenbedingungen für Bürohunde.“
Bevor Benni in das Viererbüro im zweiten Stock einziehen durfte, wurde er von der Hamburger Hundetrainerin Annett Reinhold geprüft. Die achtet vor allem darauf, dass Mensch und Tier eine gute Bindung haben. Benni musste auf einem Spaziergang und im Büro zeigen, dass er die Grundkommandos kennt, ruhig liegen bleiben kann, es aber auch toleriert, wenn Gürne den Raum verlässt. „Im Aufenthaltsbereich, in der Küche und bei Meetings sind Hunde nicht erlaubt“, erklärt Gürne. „Wenn ich dorthin gehe, bitte ich eine Kollegin, auf Benni zu achten. Dafür hat jeder Hund einen eigenen Paten.“
Außerdem musste Benni beweisen, dass er sich fremden Menschen und Hunden gegenüber aufgeschlossen und freundlich zeigt. Aggressive Tiere oder auch Hütehunde, die es als ihre Aufgabe sehen, ihre „Herde“ zu bewachen und Fremde zu vertreiben, sind als Bürohunde eher ungeeignet. Auch läufige Hündinnen dürfen nicht ins Büro kommen. Und bei zwei Hunden pro Büroraum ist beim Futterhaus die Maximalzahl erreicht. „Sonst würde es hier schnell ungemütlich werden“, sagt Gürne. Nach bestandener Prüfung hat Benni vom Unternehmen ein eigenes Hundebett und einen eigenen Futternapf bekommen. Und an der Bürotür hängt seitdem ein Schild: „Bürohund bei der Arbeit.“
Auch heute ist Hundetrainerin Reinhold beim Futterhaus zu Gast. Diesmal geht es aber nicht um eine Prüfung, sondern um Spaß für die Bürohunde und ihre Besitzer. Reinhold hat auf einer kleinen Wiese hinter dem Parkplatz einen Agility-Parcours aufgebaut. Die Hunde müssen im Slalom neben ihren Besitzern herlaufen, durch einen Tunnel rennen und über eine Stange springen. Elf Hunde nehmen teil, vom winzigen Zwergspitz bis zum großen Berner Sennenhund.
Die meisten kennen sich schon von gemeinsamen Spaziergängen in der Mittagspause und Begegnungen im Büro. „Hier soll niemand zu etwas gezwungen werden“, sagt Reinhold, als Cavapoo Benni um den Tunnel herumläuft und der erst ein halbes Jahr alte Australian Shepherd Liv vor dem abschließenden Sprung durch einen Reifen lieber wieder zu den anderen Hunden läuft. „Das hier soll schließlich Spaß machen.“
Reinhold weiß, dass Bürohunde grundsätzlich etwas sehr Schönes sind. „Es gibt Studien dazu, dass Hunde mehr Ruhe an den Arbeitsplatz bringen und die Leute entspannen“, sagt sie. Aber: Gegenseitige Rücksichtnahme sei die Voraussetzung für ein gutes Miteinander.
Die Hunde müssten darauf trainiert sein, dass sie Menschen nicht anbellen, anlecken oder anspringen. Und die Kollegen müssten wissen, dass ein Bürohund die meiste Zeit über in Ruhe gelassen werden sollte. „Streicheln und Spielen geht nur nach Absprache mit dem Besitzer“, mahnt Reinhold.
Aber natürlich mögen nicht alle Menschen Hunde. Selbst, wenn diese gut erzogen sind. Im Futterhaus gibt es deshalb mit Michaela Roloff eine Hundebeauftragte, die dafür sorgt, dass auf Kollegen Rücksicht genommen wird, die Angst vor Hunden haben, Allergien aufweisen oder keinen Umgang mit den Tieren haben. Die Bedürfnisse der zweibeinigen Kollegen gehen vor. Bevor ein neuer Bürohund einzieht, müssen alle Mitarbeiter in diesem Büro unterschreiben, dass sie einverstanden sind.
Gürne hat bisher aber eher die Erfahrung gemacht, dass sich ihre Kollegen über Benni freuen. „Es kommt immer wieder mal vor, dass eine Kollegin nach einem stressigen Meeting vorbeikommt und fragt, ob sie Benni zur Entspannung streicheln dürfe“, erzählt Gürne. „Außerdem kommt man über die Hunde sofort ins Gespräch. Die sind echte Eisbrecher.“