Berlin Altersarmut: Immer mehr Menschen sind auf Sozialhilfe angewiesen
In Deutschland können hunderttausende Senioren nicht von ihrer Rente leben. Die Konsequenz: Noch nie waren so viele auf Grundsicherung im Alter angewiesen wie heute.
Wer im Alter von seiner Rente nicht leben kann, wird in Deutschland vom Staat unterstützt. Die sogenannte Grundsicherung im Alter sieht monatlich 563 Euro für Alleinstehende vor, für Paare liegt der Betrag bei 506 Euro pro Person. Auch die Kosten für Miete und Heizung werden in angemessener Höhe übernommen. Gleichwohl sind immer mehr Menschen auf die Leistung angewiesen.
Im März 2025 erhielten 742.000 Senioren zusätzlich zur Rente Sozialhilfe, so viele wie nie zuvor. Seit Jahren ist der Trend eindeutig: Im Vergleich zu 2020 ist die Zahl der Bedürftigen um 178.000 gestiegen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung hervor, angefragt hatte der sozialpolitische Sprecher der AfD, René Springer. Die Daten liegen unserer Redaktion vor.
Wenig überraschend: Besonders interessierte sich die Rechtsaußenpartei für die Aufschlüsselung nach Staatsangehörigkeit. Demnach sind unter den Leistungsempfängern knapp 480.000 Deutsche, das entspricht 65 Prozent. Etwa 263.000 ausländische Rentner erhalten ebenfalls Grundsicherung, also 35 Prozent.
Auffällig ist der Anstieg hilfsbedürftiger Senioren aus der Ukraine: Ihre Zahl hat sich seit 2020 verfünffacht und liegt mittlerweile bei fast 98.000. Eine wenig verwunderliche Entwicklung. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor über drei Jahren hat Deutschland 1,2 Millionen ukrainische Geflüchtete aufgenommen. Sie müssen keinen Asylantrag stellen und können automatisch Sozialleistungen wie das Bürgergeld oder eben die Grundsicherung im Alter beantragen.
Für Geflüchtete aus anderen Drittstaaten gelten strengere Regeln: Sozialhilfe können sie erst nach einer Anerkennung des Asylantrags beziehen. Für abgelehnte Asylsuchende oder subsidiär Schutzberechtigte besteht ein Anspruch erst nach 36 Monaten.
Nach Regierungsangaben kommen etwa 35.000 hilfsbedürftige Rentner aus den acht wichtigsten Herkunftsländern, wie Afghanistan, Eritrea und Syrien. In absoluten Zahlen bedeutet das ein Anstieg von rund 11.000 Leistungsempfängern aus den entsprechenden Ländern gegenüber 2020. Man muss aber festhalten: In diesem Zeitraum haben insgesamt mehr als eine Million Menschen hierzulande ein Asylgesuch gestellt.
AfD-Mann Springer warnt vor einer Überlastung des Sozialsystems: „Die ungesteuerte Zuwanderung schlägt sich nicht nur beim Bürgergeld nieder, sondern zunehmend auch in der Grundsicherung im Alter.“ Sollte die Wirtschaft weiter schwächeln und die Arbeitslosigkeit zunehmen, drohe eine „Zerstörung des Sozialstaats“. Der Politiker fordert eine „Kehrtwende in der Migrationspolitik“. Die Lösung aus seiner Sicht: die „Armutsmigration“ müsse gestoppt werden.
Dem widerspricht die sozialpolitische Sprecherin der SPD im Bundestag, Annika Klose: „Wer behauptet, dass Zuwanderung das zentrale Problem bei der Grundsicherung im Alter sei, lenkt bewusst vom eigentlichen Kern des Problems ab“, sagt sie. Niedrige Löhne und daraus resultierend niedrige Renten. Was laut der Sozialdemokraten helfen würde: „Starke Renten, tarifgebundene Arbeit und eine soziale Absicherung, die niemanden im Alter im Stich lässt. Unabhängig von Herkunft oder Pass.“