Kosten Leeraner träumen von eigenem Freibad – wie realistisch ist das?
Beim Heimatcheck Ostfriesland haben sich viele für Leer ein Freibad gewünscht. Wir schlüsseln auf: Wie steht es um das bestehende Bad, ist ein weiteres überhaupt realisierbar?
Leer - Sommer, Sonne, Schwimmen und das am liebsten in einem Freibad in der Stadt Leer – das ist ein Wunsch, der beim Heimatcheck immer wieder geäußert wurde. Bei der Umfrage der Zeitungen Ostfrieslands hatten rund 14.600 Menschen aus der Region teilgenommen. Es ging um alles von Lebensqualität über Sicherheit, ÖPNV, Sauberkeit oder Vereinsleben. Außerdem konnte man zum Abschluss noch ganz frei schreiben, was einem auf der Seele brennt: Hier kam ein Freibad in Leer bei vielen auf. Häufig in Kombination mit anderen Wünschen. Auch wenn das bestehende Hallenbad Plytje das ganze Jahr über geöffnet ist und im Sommer die Faltelemente öffnen kann, um ein „Freibadambiente“ zu schaffen, wie die Verantwortlichen schreiben, bleibt der Wunsch bei vielen bestehen.
„Wir brauchen ein Freibad und eine Sauna“, schrieb ein Leser schlicht und ergreifend. „Die Stadt Leer sollte versuchen, attraktiver für alleinerziehende, Familien, Kinder und Jugendliche zu werden. Bezahlbarer Wohnraum außerhalb der „Brennpunkte“, Freizeitmöglichkeiten gerade ab Teenageralter. Ein Badesee oder ein Freibad sollte in Leer erreichbar sein, ohne dass man aufs Auto zurückgreifen muss oder fast eine Stunde mit dem Rad fahren muss“, heißt es von einem weiteren. „Es fehlt ein guter Wasserspielplatz in der Innenstadt“, erklärt ein Leser. „Und ganz wichtig: Wir brauchen wieder ein Freibad!“ Das Hallenbad Plytje wird in den Freitext-Antworten lobend erwähnt. Ein Manko, das einige sehen: das Bad sei oft voll. Die Frage nach einem Freibad ist sicherlich eine finanzielle.
Was kostet das Plytje in Leer?
Die Leeraner Badbetriebs GmbH betreibt das Plytje. Sie ist eine 100-prozentige Tochter der Stadt. Jedes Jahr muss ein Defizit ausgeglichen werden und das ist normal. Bäder sind ein Zuschussgeschäft: Die Gesellschaft stelle Wasserflächen unter anderem für Schulen und Vereine zur Verfügung und betreibe das Hallenbad komplett – dabei werde man von der Finanzierung durch die Stadt Leer abhängig sein, erklärt Anja Buse, Diplom-Kauffrau und Geschäftsführerin der Leeraner Badebetriebs GmbH. Denn die Eintrittspreise sollten für die Bürger bezahlbar bleiben. „Ziel des Unternehmens ist es, das Defizit, welches sich zwangsläufig in diesem Geschäftsfeld ergibt, so gering wie möglich zu halten.“
Im vergangenen Jahr lag das Defizit bei 1,42 Millionen Euro – und damit unter dem Defizit, das man eingeplant hatte, heißt es weiter. Aber: „Es liegt leicht über dem Durchschnitt der letzten 3 Jahre.“
Was bietet das Plytje?
Das Plytje biete neben dem öffentlichen Badebetrieb ein breites Kursangebot. Dabei sei es in 2024 an 351 Tagen geöffnet gewesen, heißt es in der Mitteilung. Die Besucherzahlen konnten in 2024 zum Vorjahr um 13 Prozent erhöht werden, man geht in den nächsten Jahren von keinen großen Steigerungen bei den Eintritten aus.
„Die Nachfrage nach Seepferdchen-Kursen ist auch bei uns bereits leicht rückläufig“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Wir und umliegende Bäder und Vereine machen zunehmend auf freie Plätze aufmerksam.“ Nun biete man auch vorbereitende Kurse auf das Seepferdchen und darauf aufbauende Kurse verstärkt an.
Werden die Kosten steigen?
Vermutlich. „Das Plytje ist nun bereits sechs Jahre alt und der Zahn der Zeit beginnt nun am Bad zu nagen“, schreibt Buse. Es sei mit hohen Reparaturkosten zu rechnen, wenn das Bad weiter in einem einwandfreien Zustand bleiben soll, da erste Verschleißteile ersetzt werden müssten. „Wohin sich die Energiekosten entwickeln werden, ist schwer einschätzbar“, so Buse weiter. Die Personal- und Personalnebenkosten würden zweifelsfrei steigen. „Die Schwimmbäder haben hohe Technikanforderungen, hohe Hygienestandards und beträchtliche Energiekosten.“
Ist es das alles wert: Wie wichtig ist ein Bad für eine Stadt?
„Das Plytje als Bad hat eine sehr große Bedeutung für die Stadt Leer“, sagt Stadtsprecherin Karen Radtke. Die Teilnehmenden der Umfrage sahen das auch so, wünschten sich sogar ein weiteres Bad. Damit sind die Leeraner nicht allein. „Über 80 Prozent der Bevölkerung halten Schwimmbäder für unverzichtbar“, schreibt beispielsweise der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB). „Schwimmen ist nach Radfahren und Laufen die beliebteste Sportart.“
Dem Erhalt der vielfältigen Bäderkultur in Deutschland müsse dringend mehr Aufmerksamkeit zuteilwerden. „Ein Thema, dass in der Bevölkerung einen so hohen Stellenwert hat, braucht vor allem Know-how, kreative Gestaltungsspielräume und natürlich finanzielle Mittel. So bitter das auch sein mag: Bäder rechnen sich nicht, sie kosten“, so der DStGB. Und: „Freibäder gehören zu den teuersten öffentlichen Infrastrukturen.“ Es mag auch daran liegen, dass die Stadt Leer den Wunsch nach einem Freibad nicht für realisierbar hält. Es sei auch nicht durchkalkuliert worden, wie teuer dies wäre. Das gleiche gilt für eine Badestelle oder Ähnliches, wie Radtke auf Nachfrage mitteilt. Das einzige Freibad im Landkreis Leer bleibt wohl auf absehbare Zeit das Friesenbad in Weener.