Berlin  Zwei Prozent auf Nutella in der Penny-App: Warum ich mich ver-App-elt fühle

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 16.07.2025 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Im Streit um die Penny-App hat der Verbraucherzentrale einen juristischen Sieg errungen. Foto: IMAGO / Rene Traut
Im Streit um die Penny-App hat der Verbraucherzentrale einen juristischen Sieg errungen. Foto: IMAGO / Rene Traut
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Lidl hat schon eingelenkt. Nun unterliegt Penny im Rechtsstreit um Rabatte in der Kunden-App. Warum das nicht nur juristisch mehr als berechtigt ist.

Die Verbraucherzentrale klagt sich einmal quer durch Deutschlands Supermarkt-Apps. Und auf jeden einzelnen Erfolg sollte man mit einem Prosecco aus dem Sonderangebot anstoßen. Denn offenbar verstoßen die Apps nicht nur reihenweise gegen die Regeln. Sie sind auch schlicht und einfach eine Last.

Rechtlich angreifbar sind sie vor allem wegen Tricksereien mit den Rabatten. Lidl etwa hatte sein mariniertes Lamm mit dem günstigen Preis für App-Nutzer beworben. Was Kunden ohne App zahlen, blieb im Prospekt aber unklar. Penny wiederum hatte seine Rabatte an der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers bemessen – statt wie vorgeschrieben am niedrigsten eigenen Preis der letzten 30 Tage.

Aber selbst wo alles sauber läuft, fühlt man sich von all den Apps: ver-App-elt. Die von Penny beispielsweise hält gerade einen Coupon für Schokoaufstrich bereit: Es winken zwei Prozent! Beim aktuellen Nutella-Kurs sind das exakt 7,58 Cent. Vielleicht rundet Penny ja großzügig auf und zieht volle 8 Cent ab. Vielleicht gibt’s den Rabatt aber auch gar nicht. Es sind nämlich nicht alle Coupons kombinierbar. Womöglich lohnt der 16-Cent-Coupon auf Bio-Müllsäcke sich am Ende mehr.

Selbst wenn die Rabatte üppiger ausfallen, bleibt das Sparen mit Kunden-Apps grauenhaft unübersichtlich. Schon in seiner Werbung für die Anwendung überfordert der Discounter die Verbraucher mit einem Sammelsurium aus „supergünstigen App-Preisen, exklusiven Coupons, wiederkehrenden Superspartagen, wechselnden Sparaktionen, dem Rabattsammler“ - und das alles nur bei Penny. Wer das vor dem Einkauf alles abgleicht, hat zu viel freie Zeit.

Und das Schlimmste: Man hat nicht mal das Gefühl, dass man auch spart. Die Botschaft der Apps ist viel eher ein diffuser Druck: Wer nicht mitmacht, zahlt drauf. Irgendwo müssen die Rabatte schließlich wieder reingeholt werden. Wo einer weniger zahlt, zahlt der andere mehr.

Kunden sind nicht doof. Sie verstehen, dass Supermärkte Geld verdienen wollen. Dass die Apps Datenkraken und Werbeschleudern sind. Dass die nächste Stufe im Rabattsammler nur davon abhalten soll, zur billigeren Konkurrenz zu gehen. Und jedem ist klar, dass man vor allem dann spart, wenn man die blinkenden Apps ignoriert und die getrockneten Salatkräuter auch dann nicht kauft, wenn sie um sensationelle 46 Prozent reduziert sind.

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