Kritik Viele Anwohner lehnen Pläne für den Alten Hafen in Weener ab
Viele Anwohner lehnen die geplante Umgestaltung des Alten Hafens von Weener ab. Besonders die neue Verkehrsführung sorgt für Diskussionen und Sorgen um den beliebten Treffpunkt.
Weener - Der Alte Hafen ist ein Publikumsmagnet in Weener. Einheimische, Tagesgäste und Touristen sind gleichermaßen fasziniert von seinen Traditionsschiffen und den historischen Altstadthäusern. In puncto Aufenthaltsqualität ist dort aber noch jede Menge Luft nach oben. Der Hafen soll attraktiver werden, nicht nur für Besucher, sondern auch für Anwohner. Daher hatte die Stadt Weener zu einem städtebaulichen Wettbewerb aufgerufen, um Impulse für eine neue Gestaltung zu bekommen. Bei den Anliegern stößt ein Großteil der Architekten-Ideen allerdings auf Kritik.
Die Interessengemeinschaft Hafenentwicklung Weener hatte in der vergangenen Woche Interessierte eingeladen, um auszuloten, was die Anwohner von den Ergebnissen des städtebaulichen Wettbewerbs halten. Rund 30 Teilnehmer waren zu der Veranstaltung im „Hafen 55“ gekommen.
Wie kommt die Einbahnstraßenregelung an?
Die geplante Verkehrsführung ist der Punkt, der den Anwohnern am meisten aufstößt. Um mehr Platz für Flanier- und Aufenthaltsflächen zu gewinnen, soll die Fahrbahnbreite der Straße Am Hafen (vom Hafenkopf aus gesehen links) verringert werden. Der Wendehammer soll verschwinden, stattdessen ist von der Norderstraße bis zur Straße zum Schöpfwerk eine Einbahnstraßenregelung vorgesehen. „Wenn der Verkehr durch den Biergarten fährt, kann der Hafen 55 dicht machen“, kritisierte Anwohnerin Lisa Röttger die geplante Verkehrsführung, „die Leute wollen sich doch nicht beim Essen von den Autofahrern auf die Teller gucken lassen.“
Die Weeneranerin Stephanie Raab ist ebenfalls gegen eine Einbahnstraßenregelung. Sie fürchtet, dass Autofahrer einfach nur ihre Runde am Hafen drehen, ohne auszusteigen. „Solch ein Durchgangsverkehr wäre störend für die Gäste im Hafen 55 und für die Anwohner.“ Monika Zargus plädiert dafür, die Autos komplett aus der Straße zu verbannen. „Dadurch würde man mehr Platz erhalten, um eine noch größere Fläche mit Sitzmöglichkeiten, Bäumen und Beeten nett gestalten zu können.“
Was würde die neue Verkehrsführung für den Hafen 55 bedeuten?
„Wenn durch eine 3,50 Meter breite Fahrbahn 200 bis 250 Quadratmeter Außenfläche wegfallen, kann der Biergarten nicht weiterexistieren“, sagte Hilmar Bockhacker, der mit seiner Frau Catharina den „Hafen 55“ betreibt. „Wir leben von der Außengastronomie und brauchen den Platz.“ Ans Aufgeben denke er nicht. „Es geht mir um konstruktive Kompromisse, mit denen allen geholfen ist“, so Bockhacker. Er sei nicht generell gegen eine Einbahnstraßenregelung. Gut vorstellen könne er sich beispielsweise eine Lösung mit versenkbaren Pollern oder Schranken, die Anwohnern bei Bedarf die Durchfahrt ermöglichen würden. Sein Alternativ-Vorschlag: Im Bereich der Sanitäranlagen könnte ein Abzweigungsweg Richtung Pannenborgstraße angelegt werden, so dass der Hafen 55-Betrieb vom Einbahnstraßenverkehr überhaupt nicht tangiert würde.
Kritik an der Parkplatzsituation
Die Parkplätze am Hafenkopf sollen nach Vorstellung der Architekten verschwinden, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Die Fläche soll mit Bäumen, einem Wasserspiel und Sitzmöglichkeiten attraktiv gestaltet werden und zum Verweilen einladen. Die Mauern sollen abgebaut werden und den Blick auf den Hafen freigeben. Von einer Treppe aus können Besucher den Blick auf die Traditionsschiffe genießen und die Beine ins Wasser baumeln lassen, so die Vorstellung der Architekten. Einige Anwohner befürchten allerdings, dass sich dadurch auf dem neuen Hafenkopfplatz „ein Nachtleben“ entwickeln und zu Müll- und Lärmbelästigung führen könnte.
Einige Anwohner wollen auf die Parkplätze nicht verzichten. „Es geht nicht darum, ein paar Schritte zu laufen, aber es muss für uns eine gute Alternative in der Nähe geben“, machte die Anwohnerin Heike Döbber deutlich. Touristen wären nach Auffassung von Catharina Bockhacker durchaus bereit, einige Meter zu Fuß zu den Parkplätzen zurückzulegen. „In Ditzum und in Greetsiel liegen die Parkplätze auch außerhalb des Ortskerns.“ Eine Vorgabe der Stadt muss bei der Gestaltung aber auf jeden Falle berücksichtigt werden: Durch die Neugestaltung des Hafenkopfs dürfen Veranstaltungen wie Weinfest, Vatertagskonzert und Weihnachtsmarkt nicht eingeschränkt werden.
Gibt es auch positive Eindrücke?
Gut angekommen ist bei den Teilnehmern des Diskussionsabends der schwimmende Ponton im Hafen. „Wenn von dort aus kleine Boote für Hafenrundfahrten ablegen könnten, wäre das optimal“, so Hilmar Bockhacker.