Madrid  Für wen ist Mallorca eigentlich da? Wieso hier etwas ins Rutschen geraten ist

Ralph Schulze
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Von Ralph Schulze
| 16.07.2025 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Strandpromenade Arenal auf Mallorca ist Ende Juni gerammelt voll. Die Mallorquiner sind zunehmend genervt von Touristen. Foto: dpa/Clara Margais
Die Strandpromenade Arenal auf Mallorca ist Ende Juni gerammelt voll. Die Mallorquiner sind zunehmend genervt von Touristen. Foto: dpa/Clara Margais
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Mallorca ist der Inbegriff mediterraner Urlaubsidylle und Sehnsuchtsziel für Millionen. Doch die Stimmung bei Einheimischen auf der meistbesuchten Ferieninsel Europas kippt. Wo bleibt die Politik?

Wer dieser Tage durch die Inselhauptstadt Palma schlendert, vorbei an überfüllten Stränden, Graffiti mit „Tourists go home“ oder „Mallorca ist nicht zu verkaufen“, der spürt: Hier ist etwas ins Rutschen geraten.

Mallorcas Tourismusboom, der lange Zeit als Erfolgsgeschichte galt, entwickelt sich zum sozialen Sprengstoff. Über 13 Millionen Urlauber zählte Mallorca im vergangenen Jahr, viele davon aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Diese Zahl könnte 2025 erneut übertroffen werden.

Doch während die touristischen Einnahmen Rekorde brechen, wird das Leben für viele Mallorquiner zur Zumutung. Wohnraum wird zum Luxusgut, der Verkehr kollabiert, das Grundwasser wird knapp.

Längst geht es in der öffentlichen Debatte nicht mehr nur um Partyexzesse am „Ballermann“-Strand Playa de Palma. Es geht um die grundsätzliche Frage: Für wen ist diese Insel eigentlich noch da? Für ihre Bewohner – oder für die Ferienindustrie?

Zehntausende gehen auf die Straße, fordern Obergrenzen für den Tourismus, Regulierung, Respekt. Auf Transparenten stehen Sätze wie: „Euer Luxus ist unser Elend“ oder „Flüge für 19 Euro, Mieten für 1900 Euro“. Das ist keine Touristenfeindlichkeit – das ist ein Hilferuf.

Und ja, es stimmt: In manchen Orten kippt inzwischen die Stimmung. Ausfälle sind zu verurteilen. Doch sie sind auch ein Zeichen dafür, wie groß die Wut geworden ist. Was diesen Ärger antreibt, ist weniger ein Hass auf Fremde, sondern die Erfahrung, selbst fremd geworden zu sein auf der eigenen Insel.

Es ist etwas aus dem Lot geraten, wenn ganze Viertel in Palma oder andernorts fast ausschließlich aus Ferienapartments bestehen und Einheimische in Zelten und Autos schlafen müssen, weil sie sich keine Wohnung mehr leisten können, während immer mehr ausländische Investoren Zweitwohnsitze erwerben und diese dann monatelang leer stehen lassen.

Die Legalisierung zehntausender illegal gebauter Häuser auf dem Land, von denen viele als Touristenunterkünfte dienen, hat sogar die Hoteliers gegen die konservative Inselregierung aufgebracht.

Dabei gäbe es durchaus Wege zu einer nachhaltigen Balance: weniger Betten, strengere Regeln für Ferienvermietung, Beschränkung von Immobilienkäufen durch Nicht-Residenten, mehr Küsten-, Natur- und Klimaschutz. Was fehlt, ist der politische Wille.

Natürlich lebt Mallorca vom Tourismus. Aber es lebt eben auch von den Menschen, die hier zu Hause sind und den Feriengästen als Kellner, Zimmermädchen oder Souvenirverkäufer zu Diensten sind.

Wenn die Einheimischen keine Perspektive mehr sehen, kippt die Gastfreundschaft. Und mit ihr bröckelt das Fundament, auf dem Mallorcas Ruf als Reiseziel ruht. Die Mallorquiner rufen inzwischen: „Genug ist genug.“ Es wird Zeit, dass man ihnen zuhört und entsprechend handelt.

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