Digitalgerät in Hesel Neue Regelung für Passfotos – so läuft es
Die Meldeämter nehmen nur noch digitale Fotos an, die zertifiziert sind. Was ist dabei zu beachten? Im Rathaus Hesel steht jetzt ein Automat zur Verfügung. Wir haben ihn ausprobiert.
Leer - Die Urlaubszeit hat begonnen und viele checken vor Reiseantritt ihre Papiere. Wem erst jetzt auffällt, dass sein Ausweis oder Reisepass abgelaufen ist, hat nur noch wenig Hoffnung, vor Reiseantritt ein neues Dokument zu erhalten. Aber die freie Zeit kann natürlich genutzt werden, einen Termin im Bürgerbüro abzumachen und den Ausweis zu beantragen. Seit Mai 2025 gilt dabei eine neue Regelung für Passbilder: Sie werden nur noch in digitaler Form akzeptiert.
Mit dem Bildstreifen aus einem Fotoautomaten kann man also nichts mehr anfangen. Die Samtgemeinde Hesel hat nun einen Fotoautomaten vorgestellt, der von der Bundesdruckerei geliefert wird und mit dem die Bilder direkt im Rathaus gemacht werden können. Saskia Desenz, Sachgebietsleiterin für Meldeamt und Bürgerbüro, und ihre Kollegin Frauke Freitag haben uns das Gerät vorgeführt. Es steht in einem Büro gleich neben dem Empfang im Rathaus in Hesel.
Der Automat führt durchs Programm
Es ähnelt auf den ersten Blick einem Röntgengerät: Auf einer Säule ist oben die Kameraeinheit, direkt vor einem befindet sich ein Display, auf dem man durch ein Menü tippen kann. Desenz und Freitag starten das Gerät vom Schreibtisch aus. Nun bin ich an der Reihe, ich soll mich gerade vor dem Fotoautomaten aufstellen und das Programm starten. Die Kamera fährt nun von selbst auf die richtige Höhe und fordert mich auf, mein Spiegelbild zu prüfen.
Haare dürfen nicht das Gesicht verdecken (das kann bei meinen kurzen Haaren nicht passieren), der Mund soll geschlossen bleiben (ich reiße mich zusammen) und ich habe keinen Hut auf. Weil ich mich beim Gespräch mit den beiden Frauen umgedreht habe, werde ich aufgefordert, wieder die richtige Position einzunehmen. „Jetzt wird das Foto aufgenommen“, sagt Frauke Freitag. Tatsächlich erscheint wieder mein Bild vor mir, aber rund um mein Gesicht tauchen graue Markierungen auf und ich soll nach rechts und nach links schauen.
Hier steht wirklich ein Mensch
Das verstehe ich erst nicht. „Sie müssen den Kopf so weit nach links bewegen, bis die Markierungen grün werden“, erklärt Saskia Desenz. Aha, das klappt. Als nächstes erscheint ein gelber Punkt in Höhe meiner Stirn, ich werde aufgefordert, ihm mit den Augen zu folgen. Werde ich jetzt hypnotisiert? Nein, es hat einen anderen Zweck, erklärt Desenz: „Damit erkennt das Gerät, dass wirklich eine Person vor der Kamera steht und nicht etwa ein Modell oder ein Bild.“ Also ein wenig wie die Abfrage auf manchen Internetseiten: „Bist du ein Mensch?“
Das alles dient der Sicherheit bei der Bildübermittlung. Fehler oder Manipulationen sollen ausgeschlossen werden. Auf dem Display vor mir erscheinen jetzt zwei Variationen des Passbildes, der Hintergrund verschwindet wie von Zauberhand. Zurück bleibt mein Gesicht, ich schaue ein wenig grimmig und die Brille sitzt schief. Man könnte abbrechen und von vorne beginnen, aber es ist ja ohnehin nur ein Versuch. Ich entscheide mich für die bessere Variante, drücke darauf. Nun werden noch die Fingerabdrücke der beiden Zeigefinger eingelesen, was ziemlich lange dauert. Dann ist alles fertig.
Es wird ein aktuelles Bild verlangt
Frauke Freitag zeigt mir jetzt, welche Schritte sie noch am Bildschirm machen muss, damit das Foto in die Cloud der Bundesdruckerei hochgeladen werden kann, wo es im Meldeamt bei der Antragsbearbeitung abgerufen werden kann. Der Automat steht seit gut einer Woche im Bürgerbüro, er funktioniere gut, sagt Desenz. In Hesel gibt es keinen Fotografen, bei dem man Fotos machen lassen könnte. „Das Foto für einen neuen Ausweis darf höchstens ein halbes Jahr alt sein“, sagt Frauke Freitag. Bisher habe sie deshalb viele, die einen Termin im Bürgerbüro hatten, mit dem mitgebrachten Bild wieder wegschicken müssen.
„Das gab oft Diskussionen“, bestätigt Desenz. Mit dem neuen Automaten gebe es das nun nicht mehr. Die Benutzung kostet eine Gebühr von sechs Euro, allerdings stehe das Bild nur für das Meldeamt zur Verfügung – ein privater Download ist nicht möglich. „Für Säuglinge und Kleinkinder ist das Gerät nicht geeignet“, sagt Freitag, vor allem, weil sie nicht in der Lage seien, dem gelben Punkt zu folgen. „In dem Fall muss man dann doch einen Fotografen aufsuchen.“ Einwohner der Samtgemeinde Hesel, die das Foto mit dem Automaten aufnehmen lassen wollen, können dazu einen Termin online oder telefonisch unter 04950/392211 oder -2212 buchen.
Die Stadt Leer benutzt Handgeräte
Nicht alle Bürgerbüros verfügen über einen solchen Automaten. Bei der Stadt Leer beispielsweise werden mehrere mobile Handgeräte genutzt. „Dabei handelt es sich um umgebaute und zertifizierte Smartphones, die qualitativ hochwertige biometrische Passbilder erstellen“, so Pressesprecherin Karen Radtke. Zwar gibt es diverse Apps für Smartphones, mit denen man selbst biometrische Porträts machen könnte – aber akzeptiert werden diese in den Bürgerbüros nicht mehr.
Die Gemeinde Uplengen nutzt bereits eine Fotostation von der Bundesdruckerei. Diese Station können die Bürgerinnen und Bürger nach Angabenn von Fachbereichsleiter Wilfried Diener eigenständig bedienen. Die Nutzung kostet eine Gebühr von sechs Euro. Zudem sei bereits seit dem 11. April 2025 ein mobiles Smartphone eines dänischen Herstellers im Einsatz. Die Bilder fließen direkt in das Antragsverfahren ein. „In der Regel nutzen die Bürgerinnen und Bürger zunächst die stationäre Fotostation“, so Diener. In Remels gibt es aber auch eine Fotografin, die digitale Passbilder macht. Diener gibt den Hinweis, dass die bei der Gemeinde aufgenommenen Bilder ausschließlich für die Dokumentenanträge benutzt werden können. Soll ein Porträt auch bei anderen Behörden verwendet werden, könnten die Fotografen aber einen entsprechenden Code erzeugen.
Für den Fotografen Nael Naguib bringt die neue Regelung nur wenig Veränderungen mit sich. Er betreibt ein Fotostudio in der Brunnenstraße in Leer, unweit des Rathauses. Fotografen, die digitale Passfotos erstellen möchten, müssen diese in eine zertifizierte, sichere Cloud hochladen. Digitale Passfotos gehören schon länger zu Naguibs Angebot. Neu ist jedoch, dass er nun seine eigenen Ausweisdaten mit in die Cloud hochladen muss. „So können die Behörden erkennen, dass ich das Foto gemacht habe“, sagt Naguib.
Bei jedem Upload müssen alle zertifizierten Fotografen ihre Identität mithilfe des Ausweises bestätigen, um die Echtheit der Aufnahme zu gewährleisten und Manipulationen auszuschließen. Seit etwa einem Jahr hat der Leeraner Fotograf das System bei sich integriert, es gebe damit keine Probleme. Die Nachfrage nach Passbildern sei eigentlich ähnlich wie vorher. „Bei den Geräten der Bürgerbüros ist es manchmal schwierig, wenn kleine Kinder fotografiert werden sollen“, sagt der Fotograf. Die Eltern suchen in solchen Fällen ein Fotostudio auf, wo die Umgebung ruhiger ist als im Rathaus.
Der Ausweis kommt nicht schneller
Als Alternative gibt es Drogeriemärkte, zum Beispiel DM, die ein zertifiziertes Gerät im Betrieb haben. Dort werden die Bilder hochgeladen und verifiziert, der Kunde erhält genauso wie bei registrierten Fotografen einen Ausdruck des Bildes und einen Data-Matrix-Code, der im Meldeamt eingelesen wird. Dieser QR-Code ist sechs Monate lang gültig. „Für uns entfällt das Scannen eines Papierbildes“, sagt Saskia Desenz. Allerdings: Den neuen Ausweis oder Pass erhält man trotzdem nicht schneller als sonst. Zwei bis sechs Wochen dauert es normalerweise.