Untersuchung im Kreis Leer  So gut sind Kinder vor Masern und Polio geschützt

Vera Vogt
|
Von Vera Vogt
| 07.07.2025 08:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit Fieber im Bett: Vor einigen Krankheiten können Impfungen schützen. Symbolfoto: Pixabay
Mit Fieber im Bett: Vor einigen Krankheiten können Impfungen schützen. Symbolfoto: Pixabay
Artikel teilen:

Während Polio-Viren im Abwasser Experten aufhorchen lassen, kann man nach Angaben einer Ärztin im Kreis Leer „superstolz“ sein. Wie sind die Zahlen hier?

Leer - „Superstolz“: Die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen im Landkreis Leer haben Amtsärztin Heike de Vries und Diplom-Sozialwirt Nils-Ole Hohmann im Ausschuss für Arbeit, Soziales und Gesundheit in Leer vorgestellt. Die Impfquote der Kinder war dabei ein Grund zur Freude, wie die beiden Fachleute erläuterten.

Viren im Abwasser – Wie gut ist der Impfschutz im Kreis Leer bei Polio?

Rund 95 Prozent der Kinder im Landkreis Leer hätten die empfohlenen Impfungen erhalten. Eine sehr gute Quote, sagt die Ärztin. Die Impfungen umfassen: Polio (Kinderlähmung), Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Keuchhusten, Hepatitis B und Hib (Haemophilus influenzae Typ B). „Aktuell gibt es in Sachen Polio neue Entwicklungen“, sagt sie. „Es wird im Abwasser nachgewiesen.“ Erst kürzlich hieß es nach weiteren Nachweisen von Polioviren, dass es das Robert Koch-Institut (RKI) für „zunehmend wahrscheinlicher“ halte, dass das Virus bereits zwischen Menschen in Deutschland übertragen wird. Wie zum Beispiel die Deutsche Presseagentur berichtete. Ein genauer Wert für die Zahl infizierter Menschen lasse sich nicht angeben, teilte das Institut mit. Nachgewiesen wurde eine Übertragung demnach hierzulande bisher nicht, auch Erkrankungen seien bisher nicht gemeldet.

Ein Impfbuch mit markierten Feldern Diphtherie (l-r), Tetanus (Wundstarrkrampf), Pertussis (Keuchhusten), Polio und Masern liegt auf einem Tisch. Foto: Daniel Karmann/dpa
Ein Impfbuch mit markierten Feldern Diphtherie (l-r), Tetanus (Wundstarrkrampf), Pertussis (Keuchhusten), Polio und Masern liegt auf einem Tisch. Foto: Daniel Karmann/dpa

Nicht oder nicht vollständig geimpfte Menschen können nach RKI-Angaben in seltenen Fällen an Kinderlähmung erkranken. „Jeder in Deutschland sollte eine Polio-Impfung haben“, betonte RKI-Präsident Lars Schaade. RKI-Angaben zufolge sind nur etwa 21 Prozent der Einjährigen in Deutschland vollständig gegen Polio geimpft – obwohl die Grundimmunisierung bis zum Alter von zwölf Monaten abgeschlossen sein sollte. Nur 77 Prozent der Kinder hätten demnach im Alter von zwei Jahren den vollständigen Impfschutz.

Masern und Co. – Wie steht es um den Schutz?

Gegen Masern (Pflicht)/Mumps/Röteln waren rund 97 Prozent der Kinder im Kreis Leer geimpft, „es gab eine sehr hohe Bereitschaft, die Impfhefte zu zeigen. Wir haben also eine Top-Datenqualität“, sagte de Vries. Auf die Impfquoten könne man stolz sein, so die Ärztin. „Damit liegen wir über den Zahlen in Niedersachsen und im Bereich Weser-Ems.“

Insgesamt sind im Kreis Leer von August 2022 bis Juli 2023 bei den Schuleingangsuntersuchungen 2019 Kinder untersucht worden (Erst- und Zweituntersuchungen und „Kann“-Kinder inklusive). Nach der Definition des Niedersächsisches Landesgesundheitsamts sind wegen ihres Alters einige Kinder nicht in die Statistik eingeflossen (1785 flossen ein). Die erhobenen Daten zeigen: Die Herdenimmunität ist sicher, so de Vries. Besonders wichtig, denn so seien auch jüngere Kinder, die noch nicht geimpft werden könnten oder deren Gesundheit eine Impfung nicht zuließe, geschützt. „So lassen sich auch Infektionsketten gut unterbrechen“, sagt sie.

Ein Arzt untersucht in einer Kinderklinik ein Kind. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Ein Arzt untersucht in einer Kinderklinik ein Kind. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Masern-Impfung ist seit 2020 Pflicht für alle, die nach 1970 geboren sind und unter anderem in einer Kita, Schule oder einer ähnlichen Einrichtung betreut werden, in einem Kinderheim oder einer Gemeinschaftsunterkunft leben oder in einer Praxis oder einem Krankenhaus arbeiten.

Kann man nicht einfach auch krank werden für eine Immunisierung?

Einmal geht es bei Impfungen auch um den Schutz für die Menschen, die selbst nicht geimpft werden können, wie auch Amtsärztin de Vries erläuterte. Gerade im Kindesalter. So schreibt auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, dass Keuchhusten zum Beispiel bei sehr jungen Säuglingen zu schwerer Atemnot führen könne. „Die Impfung von Eltern und Kontaktpersonen gibt dem Säugling den bestmöglichen Schutz, bevor die eigene Grundimmunisierung abgeschlossen ist (‚Kokonstrategie‘).“

Generell ist es laut Institut aber schon so: „Das kindliche Immunsystem wird sowohl durch die Erkrankung als auch die Impfung trainiert. Beide Male muss es aktiv werden, um Schutz aufzubauen.“ Aber: „Eine Impfung bietet die Möglichkeit, das Immunsystem an einem ungefährlichen Gegner zu trainieren. Infektionen dagegen können Kinder in ihrer Entwicklung zurückwerfen und gesundheitliche Komplikationen bis hin zu Todesfällen verursachen. Genau das lässt sich mit Impfungen vermeiden.“ Löse zum Beispiel eine Infektion mit Meningokokken eine Hirnhautentzündung oder eine Blutvergiftung aus, so sterbe auch heute noch etwa jedes zehnte Kind daran.

Schwere Nebenwirkungen der Masern-Impfung seien sehr selten, vor allem im Vergleich zu den Schäden durch Masern, schreibt etwa die Bundesärztekammer. „Etwa 100 von 100.000 Erkrankten sterben an Masern, etwa 3000 bekommen eine Lungenentzündung. Schwere Nebenwirkungen der Impfung betreffen etwa zwei von 100.000 Geimpften.“ Während es keine gezielte Behandlung der hochansteckenden Krankheit gebe, könnten ernste Folge-Erkrankungen besonders bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten.

Ähnliche Artikel