Freibad am Langholter Meer  Das Freibad wurde nach der Modernisierung der Stolz der Gemeinden

| | 03.07.2025 16:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Viel Los war auch an diesem Tag im Jahr 1974.
Viel Los war auch an diesem Tag im Jahr 1974.
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Das Freibad am Langholter Meer war einst der ganze Stolz von Ostrhauderfehn und Rhauderfehn. Wie es in den 1970er Jahren zum Vorzeigeprojekt wurde.

Langholt - Es war der Stolz der Gemeinden Ostrhauderfehn und Rhauderfehn. Und an jenem 4. Mai 1975 war der Stolz besonders groß. Mehr als 400.000 Mark wurden in den vergangenen Monaten in das Freibad am Langholter Meer gesteckt - und die Neuerungen waren offensichtlich. Vor 50 Jahren - kurz nach der Gebietsreform mit der Gründung der beiden Gemeinden - wurde das Freibad aufwendig modernisiert.

Ehrengäste und Bürger besuchen das modernisierte Freibad

Das Freibad war im Sommer – das Bild stammt aus dem Jahr 1966 – bei warmen Temperaturen gut besucht. Fotos: GA-Archiv
Das Freibad war im Sommer – das Bild stammt aus dem Jahr 1966 – bei warmen Temperaturen gut besucht. Fotos: GA-Archiv

Zahlreiche Ehrengäste und Bürger waren an jenem Sonntag in das Freibad gekommen, um sich ein Bild davon zu machen. So viel Geld wie in jener Zeit hatten die Gemeinden des Schwimmbadverbandes nicht mal für den Bau der Anlage in den Jahren 1957 bis 1959 in die Hand genommen. Damals war die Rede von 300.000 Mark. Der Auftrag zum Bau des Bades an die Firma Schumacher aus Leer vergeben. „Die sogenannte Mammuthaut, mit der das Becken ausgekleidet werden soll, wird für 11.000 Mark von der Bäderbau-Gesellschaft in Trier geliefert“, schrieb der GA. Die Mammuthaut wird auch als Elefantenhaut bezeichnet. Dabei handelte es sich um eine dicke geschlossene Farbschicht.

Erdgas-Heizung und technische Neuerungen begeistern Besucher

Prunkstück des groß modernisierten Bades war die neue Erdgas-Heizung. Die war, wie am Tag nach der Neueröffnung in der Zeitung zu lesen war, mit einem Filter- und Umwälzsystem ausgestattet. Innerhalb von fünf Stunden sollte das gesamte Wasser gereinigt sein. Die Heizung war auch erforderlich, um Gäste über den ganzen Sommer in das nicht mehr ganz so kühle Nass zu locken. Oft fielen die Temperaturen deutlich unter 20 Grad. Ein Beispiel: Bei der Eröffnung am 30. Mai 1959 war das Wasser nur 14 Grad kalt. Nun konnte es auf 23 Grad angeheizt werden. Allein die Heizung hat 114.000 DM gekostet. Und die war dem Schwimmbadverband um Vorsitzenden Hermann Schier so wichtig, dass im Sommer 1974 - jenem, in dem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft zu Hause gewann – dass sogar eine Verschiebung des Eröffnungstermins diskutiert wurde.

Erdgas als neue Energiequelle in der Region

Die Rutsche kam erst im Sommer 1986 ins Freibad.
Die Rutsche kam erst im Sommer 1986 ins Freibad.
Erdgas war damals noch relativ neu in der Region. Erst fünf Jahre zuvor - im Sommer 1969 - wurde erstmals ein Gebäude in der Region mit Erdgas beheizt. Dabei handelte es sich um das Opti-Werk an der 1. Südwieke in Westrhauderfehn. „Dass Westrhauderfehn als relativ kleine Gemeinde nun schon vor vielen anderen größeren Städten einen Erdgasanschluss erhalte, verdanke es vor allen Dingen dem Opti-Werk“, hieß es damals in dieser Zeitung. Bürgermeister Johannes Block zündete das mit bunten Bändern geschmückte Abfackelrohr an. Dies erinnerte ein wenig an einen Richtkranz. Ganz unbekannt schien die Technik aber nicht mehr zu sein. Zwar dauerte es, bis Erdgas-Heizungen das Oberledingerland erreichten. Premiere hatte die Technik 1959 nur eine knappe Autostunde entfernt. Oldenburg war die erste Stadt in Deutschland, die auf Erdgas umstellte.

Neue Attraktionen und Infrastruktur für Badegäste

Doch die etwa 350 Badegäste im Mai 1975 freuten sich nicht nur über die angenehme Wassertemperatur. Seit dem vergangenen Jahr wurde vieles runderneuert - und das fiel Besuchern direkt ins Auge. Sobald sie vom Leda-Jümme-Weg auf die kleine Straße Richtung Freibad abbogen, war der neue Parkplatz zu sehen. Dort war Platz für bis zu 100 Autos. Der Eingangsbereich mit Kiosk und Kassenhäuschen war ebenfalls neu. Und bevor die Besucher Richtung Umkleidekabinen und Liegewiese gingen, war auf der linken Seite die neue Minigolf-Anlage zu sehen. Insgesamt gab es 18 Bahnen und die Anlage hatte nun Turnier-Qualität. Eröffnet wurde sie mit einem Duell der beiden Bürgermeister Erhard Borde (Rhauderfehn) und Jan Zuidema (Ostrhauderfehn). Dieser Wettstreit ging übrigens unentschieden aus.

Neue Attraktionen und Infrastruktur für Badegäste

Die Rutsche kam erst im Sommer 1986 ins Freibad.
Die Rutsche kam erst im Sommer 1986 ins Freibad.

Die Heizung war an jenem Eröffnungstag des Jahres 1975 auch bitter nötig. Wie in der Zeitung zu lesen war, zogen am Nachmittag dunkle Wolken auf. Dennoch sollen die überwiegend jugendlichen Badegäste das warme Wasser genossen haben. Und wie sich zwischen den Zeilen lesen lies, war auch die „Elefantenhaut“ aus den Anfangstagen verschwunden. Denn damals bei der Eröffnung 1959 gab es noch keinen gefliesten Boden. Der weiche Belag wurde als „Elefantenhaut“ bezeichnet. Nun war von „kristallklarem Wasser“ die Rede.

Konkurrenz und neue Begehrlichkeiten entstehen

Und vielleicht wurden schon in jenem Sommer in dem so viel Geld in das Freibad investiert wurde, Begehrlichkeiten geweckt, die zu dessen Ende führten. Denn die Gemeinde Barßel plante ein Hallenbad zu bauen. Baubeginn war im Mai 1975.

Diskussionen um ein Hallenbad und Standortgutachten

Und spätestens ab 1979 wurde über das Fehntjer Hallenbad diskutiert. Damals wollte die Gemeinde Rhauderfehn ein Standortgutachten für den Bau eines Hallenbades in Auftrag geben. Ostrhauderfehns damaliger Bürgermeister Jan Zuidema erklärte, dass der einzige für seine Gemeinde in Frage kommende Standort neben dem Freibad sei. Alle anderen Standorte seien indiskutabel. Und so gab es das Freibad noch rund 30 weitere Jahre.

Land unter im Januar 2012, große Teile des Freibad-Areals standen unter Wasser. Archivbild: Ole Cordsen
Land unter im Januar 2012, große Teile des Freibad-Areals standen unter Wasser. Archivbild: Ole Cordsen

Es wurde sogar weiter investiert: Für Kinder gab es 1986 eine spektakuläre Neuerung: die Rutsche. Sie war extra für die jüngsten Badegäste angeschafft worden und etwa 6,5 Meter lang. Gekostet hat sie übrigens 18.000 Mark: Hermann Schier, Vorsteher des Zweckverbandes, erklärte, dass auch nach größeren Rutschen geschaut worden sei. Aber die seien für das kleine Freibad am Langholter Meer zu groß gewesen. Schier kündigte weitere Neuerungen an: ein Wasserfall, ein Wasserspeier und eine Gegenströmungsanlage.

Das überraschende und schleichende Ende des Freibads

Eine der letzten Aufnahmen aus dem Inneren des Freibades.
Eine der letzten Aufnahmen aus dem Inneren des Freibades.
Das Ende kam überraschend und schleichend. Im Sommer 2009 ahnte wohl noch keiner, dass es der letzte im Freibad sein sollte. Die Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag liefen auf Hochtouren. Erst im nächsten Frühjahr wurde es holprig. Es wurden einige Mängel festgestellt. „Ich werde mich in den verbleibenden sechs Wochen bis zur geplanten Saisoneröffnung in Hannover schlaumachen, ob ich das Risiko tragen kann, den Freibadbetrieb ohne vorherige umfassende Sanierungsarbeiten zuzulassen“, erklärte Bürgermeister Heinz Freese am 26. März 2010 auf Anfrage dieser Zeitung. Es folgte eine monatelange Diskussion, die schließlich zum Ende des Bades führte. Dabei kam immer wieder der Wunsch nach einem Hallenbad auf. Das Freibad wurde nie wieder geöffnet. Und selten war man so stolz auf das Bad, wie in jenem Sommer 1975.

Freibad-Trauer. BIld: radtke
Freibad-Trauer. BIld: radtke

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