Hamburg  Deutschlands oberster Bademeister nach Randale: „Auch unter den Deutschen gibt es schwarze Schafe“

Ankea Janßen
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Von Ankea Janßen
| 04.07.2025 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In einigen Freibädern gehört Security-Personal mittlerweile zum festen Bestandteil. Foto: dpa/Andreas Arnold
In einigen Freibädern gehört Security-Personal mittlerweile zum festen Bestandteil. Foto: dpa/Andreas Arnold
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In der diesjährigen Freibad-Saison ist es zu ersten Ausschreitungen und mutmaßlichen sexuellen Übergriffen gekommen. Grund zur Sorge? Im Interview spricht Deutschlands oberster Bademeister Peter Harzheim über die Probleme seiner Branche.

Schlägereien, sexuelle Übergriffe, Angriffe auf das Personal: Immer wieder kommt es Freibädern in Deutschland zu Tumulten. Ist der Besuch noch sicher? Einer, der es wissen muss, ist Peter Harzheim. Er ist Präsident des Verbands Deutscher Schwimmmeister (BDS e.V.) und damit Deutschlands oberster Bademeister, hat selbst über 45 Jahre am Beckenrand gestanden. Warum es für ihn trotz der Probleme weiterhin der schönste Beruf der Welt ist, erzählt er hier.

Frage: Herr Harzheim, zuletzt standen Freibäder wieder negativ in den Schlagzeilen: In Berlin musste eine Hundertschaft anrücken, in Hannover wurde ein Rettungsschwimmer bedroht und verletzt und in Hessen meldeten mehrere Mädchen sexuelle Übergriffe. Wie steht es um die Sicherheitslage Deutschlands Bäder?

Antwort: Aus Sicht unseres Verbandes ist die Sicherheitslage grundsätzlich in Ordnung. Die Kollegen in den Bädern haben die Situation vor Ort zu 95 Prozent im Griff und Sicherheitsmaßnahmen wie Security-Personal ergriffen. Ausfälle gibt es immer mal – es gab sie auch schon immer. Der Großteil der Bäder ist aber sicher und kann guten Gewissens besucht werden.

Frage: Welche konkreten Maßnahmen werden derzeit ergriffen, um Freibäder sicherer zu machen?

Antwort: Security vor Ort ist eine Maßnahme. Sobald etwas vorfällt, sollten sich die Gäste außerdem immer beim Schwimmmeister melden, der dann aktiv wird. So ist es bei sexuellen Übergriffen wichtig, die Opfer sofort aus der Situation herauszuholen, an einen sicheren Ort zu bringen und die Polizei zu rufen. Es werden zudem von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen und auch von unserem Bundesverband in den einzelnen Landesverbänden Deeskalationstrainings angeboten, in denen die Kollegen nochmal geschult und unterstützt werden. Zudem sind Überprüfungen an den Kassen möglich. Die interne Kommunikation muss gut laufen.

Frage: Inwiefern?

Antwort: Das Personal an der Kasse kennt seine Klientel und auch die Zeiten, an denen überwiegend Jugendliche, Familien oder Senioren im Freibad sind. Es ist möglich, gewisse Vorwarnungen an den Schwimmmeister weiterzugeben, also zu sagen „Hör mal, da ist jetzt eine Gruppe, die ist jetzt gut gelaunt, aber schon mal negativ aufgefallen.” Auch der Schwimmmeister kann einschätzen, welches Potenzial seine Badegäste haben.

Frage: Was ist noch wichtig?

Antwort: Dass gut ausgebildete Fachkräfte eingestellt werden, die für Aufsicht verantwortlich sind. Leider wird aufgrund des Fachkräftemangels immer häufiger auf Leute zurückgegriffen, die lediglich eine kombinierte Rettungsübung absolvieren mussten und die werden dann auf die Leute losgelassen. Da sage ich ganz klar: Davon unbedingt Abstand nehmen.

Frage: Genaue Zahlen zu Vorfällen in den Freibädern und den jeweiligen Tätern gibt es keine. Erkennen Sie irgendwelche Muster?

Antwort: Ich möchte nicht von irgendwelchen Mustern sprechen. Es gibt bei den Vorfällen eine gewisse Klientel, die momentan prozentual einen höheren Anteil hat – aber das können und sollten wir in den Griff bekommen. Auch unter den Deutschen gibt es schwarze Schafe und die gilt es herauszufiltern. 

Frage: In vielen Bädern und Freibädern mangelt es an Bademeistern. Und es gibt kaum Nachwuchs, weil sich kaum noch jemand bewirbt. Wie kann der Beruf wieder attraktiver werden?

Antwort: Das Bild des Bademeisters beziehungsweise Schwimmmeisters muss wieder positiver dargestellt werden. Die Negativmeldungen suggerieren, dass es hauptsächlich ein Beruf ist, bei dem man mit Gewalt und Randale zu tun hat. Dabei handelt es sich um eine Tätigkeit mit so vielen schönen Seiten. Man arbeitet mit Menschen zusammen und sieht so viele leuchtende Augen. Der Beruf des Schwimmmeisters ist vielfältig und jeder kann seine Affinitäten ausleben.

Frage: Um mehr für die Sicherheit der Badegäste zu tun, wird mittlerweile auch auf Künstliche Intelligenz gesetzt. Kameras analysieren die Bewegungen im Wasser und senden Warnungen an die Bademeister. Eine gute Sache?

Antwort: Sie ist eine gute Unterstützung des Fachpersonals, darf aber nicht als Ersatz gesehen werden. Denn: Von einer Künstlichen Intelligenz wird niemand wiederbelebt. Sie kann aber von Vorteil sein, denn gerade bei besonders hohen Temperaturen sind die Freibäder sehr voll und kein Schwimmmeister kann alles gleichzeitig im Auge behalten.

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