Abfall im Stadtgebiet Weener kämpft mit illegaler Müllentsorgung
Fleischreste voller Maden, Windeln und tote Tiere landen in den 195 Abfalleimern der Stadt Weener. Dort wird größenteils privater Hausmüll entsorgt. Die Stadt will das Problem jetzt angehen.
Weener - Hinni Siemens ist beim Bauhof der Stadt Weener für das Leeren der öffentlichen Mülleimer zuständig. Und mit dieser Aufgabe hat er eigentlich auch kein Problem. Was ihn allerdings richtig auf die Palme bringt, ist der Inhalt der Mülleimer. „80 Prozent davon sind Hausmüll“, machte er in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung seinem Ärger Luft.
Jeden Tag kommt nach seinen Worten ein ganzer Pritschenwagen voller Müllsäcke zusammen. „Fleischabfälle, Windeln, Flaschen, ein totes Kaninchen“, zählt Siemens auf, was er so alles in den Mülleimern findet. Im Sommer sei es besonders schlimm. „Da krabbeln einem dann die Maden aus den Fleischresten entgegen.“ Bei diesem Anblick hätten sich einige seiner Kollegen schon übergeben müssen. „Ich bin inzwischen abgehärtet.“ Für seinen Ärger gilt das nicht. „Ich lade jeden gerne ein, mal einen Tag mitzufahren, um zu sehen, was hier los ist.“
Hausbewohner sortieren Müll nicht richtig
Und es gibt noch ein weiteres Problem: In vielen Wohnblocks werde der Müll nicht korrekt sortiert. Auch in den gelben Säcken landen Dinge, die dort nicht reingehören. Wenn durch die transparente Folie von außen erkennbar ist, dass der Müll falsch sortiert ist, kennzeichnet die Müllabfuhr die Säcke mit einem orangefarbenen Aufkleber und lässt sie am Straßenrand liegen. Die Mühe, die Säcke wieder mit ins Haus zu nehmen und den Abfall korrekt zu sortieren, macht sich nach Erfahrung von Hinni Siemens aber fast niemand. Die Folge: Die Säcke bleiben an der Straße liegen, oftmals so lange, bis Siemens oder seine Kollegen vom Bauhof sie abholen. „Ich finde, die Leute müssten dafür zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie ihren Hausabfall nicht richtig sortieren oder in den städtischen Mülleimern entsorgen“, sagt der Bauhofmitarbeiter.
Bürgermeister Heiko Abbas ist sich der Problematik bewusst. „Wenn vor einem Haus mit 20 Mietern ein gelber Sack mit Schlachtabfällen entdeckt wird, ist nicht rauszufinden, wer das war.“ Allerdings sei die Stadt auch in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass keine Ratten angelockt werden oder andere Gefahren entstehen. Grünen-Ratsherr Hannes Mörtel machte noch auf ein anderes Problem aufmerksam. „Wenn gelbe Säcke bei Sturm weggeweht werden und kaputt gehen, verteilt sich der Müll in der Landschaft.“
Stadt will 58 neue Mülleimer aufstellen
Eigentlich ging es in der Sitzung um die Anschaffung neuer Mülleimer im Stadtgebiet. Die Anregung dazu hatte der Jugendrat gegeben. Die Stadt hatte daraufhin eine Bestandsaufnahme gemacht und mögliche zusätzliche Standorte vorgeschlagen. 195 Mülleimer gibt es jetzt schon in Weener und den Ortsteilen, 58 neue sollen hinzukommen, insbesondere an beliebten Spazier- und Radwegen.
Im Haushalt sind 72.000 Euro dafür eingeplant. Inbegriffen ist auch die Beschaffung von 32 Spendeboxen für Hundekotbeutel. Laut Abbas wird hierfür auch mehr Personal benötigt, mindestens eine 20-Stunden-Kraft, wenn nicht sogar eine Vollzeitstelle. Um den Personaleinsatz besser steuern zu können, sollen die Mülleimer mit Sensoren ausgestattet werden, die anzeigen, wann die Mülleimer voll sind und geleert werden müssen.“ Zunächst sollen zehn Sensoren im Wert von 150 bis 200 Euro gekauft werden, um sie zu testen.
Mehr Mülleimer, mehr illegaler Hausmüll
Durch die Ausführungen von Bauhofmitarbeiter Hinni Siemens kamen bei einigen Ratsmitgliedern Zweifel auf, ob das Aufstellen zusätzlicher Mülleimer der richtige Weg ist. „Man kann auch zu viele Mülleimer aufstellen“, sagte SPD-Fraktionschef Helmut Geuken, „sonst entsorgen noch mehr Leute dort ihren Hausmüll.“
Die Vorsitzende der CDU-Fraktion, Hildegard Hinderks, findet es wichtig, die Bevölkerung immer wieder darauf hinzuweisen, wie der Müll korrekt entsorgt wird. Laut Abbas sind Hauseigentümer verpflichtet, ihre Mieter über die korrekte Müllentsorgung zu informieren. Gerade bei Familien mit Migrationshintergrund sei das nicht immer erfolgreich.
Eine Entscheidung für die geplanten neuen Mülleimer wurde vertagt. Das Thema soll in den Fraktionen diskutiert werden. Ein endgültiger Beschluss soll nach der Sommerpause fallen.