Bei der Polizei Emden Jugendliche stellen sich nach CSD-Attacke
Nach dem brutalen Angriff auf zwei Teilnehmer des CSD haben sich jetzt drei Jugendliche bei der Polizei in Emden gestellt. Der Staatsschutz ermittelt weiter wegen gefährlicher Körperverletzung.
Emden - Der Fahndungsdruck war jetzt wohl doch zu groß geworden: Vier Tage nach dem brutalen Angriff auf zwei Teilnehmer der CSD-Veranstaltung in Emden haben sich die jugendlichen Täter selbst gestellt. Sie meldeten sich noch am Mittwoch, 18. Juni 2025, beim Polizeikommissariat Emden, wo sie vom Staatsschutz in Empfang genommen wurden.
Kurz zuvor noch hatte der ermittelnde Staatsschützer, Kriminalhauptkommissar Sven Nordmann „vorsichtig optimistisch“ gegenüber den Medien geäußert, die Täter schon bald ausfindig zu machen. Er hatte dafür gute Gründe: Es kursiert ein Video in den sozialen Netzwerken, das auch die Polizei bei ihren Ermittlungen genau analysiert. „Darauf sind einige Personen deutlich zu sehen, sie sind gut wiederzuerkennen“, hatte Nordmann gegenüber dieser Zeitung gesagt. Ermittelt werde unter anderem auch gegen den Filmer. Denn die Verbreitung solcher Videos unterliege auch der Strafbarkeit.
Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung
Jetzt sind drei der mutmaßlichen Täter der Polizei namentlich bekannt, wie Sprecherin Ina Reuwsaat mitteilte. Zum Alter der drei macht die Polizei keine konkreten Angaben, da es sich um Jugendliche handelt. In diesem Fall gehe man immer vorsichtiger vor, so Reuwsaat. Ob die Jugendlichen schon vorher polizeibekannt beziehungsweise auffällig geworden sind, dazu konnte sie keine Angaben machen. Fest steht: „Gegen die drei Jugendlichen läuft jetzt ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung.“
Der Zusatz „gefährlich“ komme immer zum Tragen, wenn eine körperliche Auseinandersetzung über den normalen Faustschlag hinausgeht, erläuterte Reuwsaat. Fußtritte etwa gegen Menschen, die am Boden liegen. Genau das ist in dem Video deutlich zu sehen. „Im Rahmen der weiteren Vernehmungen wird sich herausstellen, wer welchen Beitrag dazu geleistet hat“, sagte Reuwsaat. Zusätzlich zur Ermittlung wegen gefährlicher Körperverletzung sei ein Strafverfahren eingeleitet worden wegen des Filmens und Verbreitens dieser Tat. Ob einer der drei Jugendlichen selbst besagtes Video gedreht hat, sei noch nicht geklärt.
Auch weitere Demo attackiert?
In den andauernden Ermittlungen müsse die Polizei nun weitere Zeugenaussagen mit den Videosequenzen und den Tataussagen der drei Jugendlichen abgleichen. Dann werde die Staatsanwaltschaft entscheiden, in welcher Form Anklage gegen die drei und möglicherweise weitere Beteiligte erhoben wird. Das, so hatte bereits Nordmann erklärt, sei nicht zuletzt auch vom Alter und der „geistiger Reife“ der mutmaßlichen Täter abhängig.
Bei der Attacke hatte eines der beiden Opfer, ein 31-jähriger, in der „Puppy-“Szene als „Alptraum-Panda“ bekannter Hamburger, einen Cut am Auge davongetragen, der im Emder Krankenhaus genäht werden musste. Sein Nasenbein war angebrochen. Sein 29-jähriger Verlobter hatte ebenfalls Schläge und Tritte abbekommen. Beide klagten gegenüber dieser Zeitung darüber hinaus über starke Schmerzen durch Prellungen an Rippen und anderen Knochen. Die medizinischen Atteste würden noch in die Ermittlungen einfließen, hatte Nordmann erklärt.
Außerdem ermittelt die Polizei laut Reuwsaat noch in dem Fall, bei dem nur einen Tag nach dem CSD, am Sonntag, 15. Juni 2025, eine weitere Demonstrationsveranstaltung von Jugendlichen gestört worden war. Auf etwa 16 Jahre und jünger waren die männlichen Jugendlichen geschätzt worden, die teilweise vermummt gewesen seien und die etwa 30 Teilnehmer der Kundgebung für Demokratie und Gewaltenteilung angepöbelt hatten. Einer von ihnen habe Demo-Teilnehmer geschubst und angerempelt, hatte die Organisatorin geschildert. Eine Antifa-Fahne sei zerbrochen, eine andere gestohlen worden. Ob es sich bei diesen Jugendlichen um dieselben wie bei dem Angriff gegen die beiden CSD-Teilnehmer handelt, sei „noch nicht weit genug ermittelt“, so Reuwsaat.