Julius-Club im Kreis Leer Die Jugend liest nicht mehr – weit gefehlt
In den Bibliotheken von Weener, Bunde, Leer, Hesel und Westoverledingen warten spannende Bücher, und abwechslungsreiche Aktionen. Der Julius-Club soll weitere Schüler zum Lesen animieren.
Weener/Bunde/Leer/Hesel/Westoverledingen - Lesen ist ein wichtiger Grundstock, wenn es um Bildung geht. Aber auch wenn es darum geht, die Fantasie anzuregen und in spannende Geschichten einzutauchen. „Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen, und laufen. Doch erst, wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat“, sagte einst die US-amerikanische Film- und Bühnenschauspielerin Helen Hayes.
Den Spaß am Lesen soll in Niedersachsen der Julius-Club („Jugend liest und schreibt“) fördern, der es Jugendlichen während des Sommers ermöglicht, acht Wochen lang spannende Bücher bei ihrer Bibliothek auszuleihen und jede Menge anderes zu erleben. Denn jede der teilnehmenden Bibliotheken bietet während dieser Zeit ein abwechslungsreiches Programm an, das weit mehr bietet, als die Nase in Bücher zu stecken. Der offizielle Startschuss der Aktionswochen, die sich an Schüler der Klassen fünf bis acht richten, ist am Freitag, 20. Juni 2025, doch manche der Bibliotheken weichen davon ab.
Das Buch behauptet sich bei Jugendlichen
„Bei uns sind die ersten Anmeldungen schon eingetrudelt“, berichtete Sarah Möhlmann, Leiterin der Stadtbücherei in Weener. Die am Julius-Club teilnehmenden Büchereien im Landkreis Leer hatten zu einem Gespräch in die neuen Räume, die die Stadt Weener ihrem Büchertempel spendiert hat, geladen. Fünf sind es insgesamt: Neben der Stadtbücherei Weener sind das die Mediothek Bunde, die Stadtbibliothek Leer, die Gemeindebücherei Hesel und die neue Bücherei im „Kleinen Campus“ in Westoverledingen.
„Wir versuchen, alle Schüler dieser Jahrgänge anzusprechen“, sagte Möhlmann. Nicht nur die Kinder, die jeden Abend damit aufwachsen, dass Eltern ihnen vorlesen. Hauptzielgruppe seien dabei die Jahrgangsstufen 5 und 6. „Das sind die lesestärksten Jahrgänge“, sagte Constanze Harms von der Gemeindebücherei in Hesel. In den darauf folgenden Jahrgängen nehme das Interesse am Lesen ab. Doch trotz vielfältiger Alternativen wie Smartphone und Spielkonsole behaupte sich das Buch weiterhin stark im Ringen um die Aufmerksamkeit der Jugendlichen.
Mädchen lesen mehr als die Jungs
„Die JIM-Studie zeigt, dass 37 Prozent der Jugendlichen regelmäßig Bücher lesen, unabhängig von vorgegebener Schullektüre“, sagte Sabine Laudin-Fokken, Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek der Stadt Leer. Das sei ein leichter Anstieg gegenüber 2023 (35 Prozent). Dabei betrage die durchschnittliche Lesedauer werktags 61 Minuten, wobei Mädchen länger lesen würden als Jungen (70 gegenüber 53 Minuten). Die repräsentative Studie, die jährlich vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest erhoben wird, bildet das Medienverhalten der Jugendlichen in Deutschland ab.
Lesen ist damit weiterhin eine beliebte Freizeitaktivität bei den Jugendlichen. Neben den 37 Prozent der Befragten, die regelmäßig zu einem Buch greifen, liest etwa ein Fünftel einmal pro Woche oder einmal alle zwei Wochen. Weitere 26 Prozent schlagen einmal im Monat oder seltener ein Buch auf. Der Anteil der Jugendlichen, die keine gedruckten Bücher lesen, liegt bei 16 Prozent, so weitere Ergebnisse der aktuellen JIM-Studie. Auch zwischen den Schulformen gibt es Unterschiede: Schüler am Gymnasium lesen werktags 64 Minuten, Schüler der Haupt- oder Realschule 56 Minuten.
Von Laser-Tag bis zur Comic-Werkstatt
Beim Julius-Club stehe die Leseförderung im Vordergrund, sagte Andreas Heinl, Regionaldirektor der VGH-Versicherung in Emden. Der Julius-Club ist ein Projekt der VGH-Stiftung und der Büchereizentrale Niedersachsen. Das Projekt soll neben Lesespaß auch Ausdrucksfähigkeit und Textverständnis stärken. 100 verschiedene aktuelle Neuerscheinungen stehen für die Teilnehmer dieser kostenlosen Aktionswochen bereit. Die Bandbreite ist enorm. Neben Romanen und Sachbüchern gibt es auch Bücher von bekannten Youtubern oder Comics und Mangas. Auch Bücher in leichter Sprache finden sich im Angebot. „Fantasy und Pferde sind gern gelesene Bücher“, weiß Laudin-Fokken.
Wer mindestens zwei Bücher liest und anschließend bewertet, erhält ein Julius-Club-Diplom, wer fünf Bücher schafft, das Viellese-Diplom. Doch viel wichtiger ist den Bücherei-Chefinnen, dass die Jugendlichen überhaupt an Bücher herangeführt werden – und das Erlebnis in der Bücherei. Denn neben dem Lesen werden von den einzelnen Büchereien in Eigenregie gemeinsame Veranstaltungen angeboten. Das geht von Zauberstäben wie bei Harry Potter schnitzen über Laser-Tag oder Sportangebote bis hin zum Bemalen von Leinwänden, Gaming-Nachmittagen oder einer digitalen Comic-Werkstatt. Was genau die einzelnen Büchereien alles im Programm haben, lässt sich am besten bei einem Besuch erkunden. Die Auftaktveranstaltungen sind am 18. Juni, 16 Uhr, in Hesel, am 19. Juni, 16 Uhr, in Leer sowie um 17 Uhr in Bunde und am 20. Juni, um 11 Uhr, in Westoverledingen und um 15 Uhr in Weener. Bereits vorher können sich Interessenten im Internet unter www.julius-club.de beim Julius-Club anmelden.