USA  Trotz Schlammschlacht: Darum brauchen Trump und Musk einander

Bernhard Brockhaus
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Von Bernhard Brockhaus
| 12.06.2025 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Im Wahlkampf schien noch die Sonne über der Männerfreundschaft zwischen Trump und Musk. Wenige Monate später ist das Verhältnis zerrüttet. Foto: AFP / JIM WATSON
Im Wahlkampf schien noch die Sonne über der Männerfreundschaft zwischen Trump und Musk. Wenige Monate später ist das Verhältnis zerrüttet. Foto: AFP / JIM WATSON
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Die öffentliche Schlammschlacht zwischen US-Präsident Donald Trump und Elon Musk war so heftig wie erwartbar. Doch der mächtigste und der reichste Mann der Welt werden sich zusammenraufen müssen. Denn Trump braucht Musk – und umgekehrt.

Die Meinungen gehen auseinander: Während Donald Trump seit Wochen für „dickes, schönes Gesetz“, wirbt, bezeichnet sein ehemaliger bester Freund Elon Musk das Steuerpaket als „widerliche Abscheulichkeit“.

Damit war der Ton gesetzt für das öffentliche Zerwürfnis zwischen Trump und Musk. Der Streit kam allerdings kaum überraschend. Beide sind nicht als Charaktere bekannt, die gerne einen Teil des Rampenlichts abgeben. Doch Trump und Musk sollten sich zusammenraufen. Denn der US-Präsident braucht den reichsten Mann der Welt ebenso wie umgekehrt. Den Anfang hat Musk nun gemacht, indem er sich teilweise beim Präsidenten entschuldigt hat.

Musks Image als genialer Unternehmer hat spätestens seit seiner 250 Millionen Euro teuren Unterstützung für Trump im Wahlkampf gelitten. Die Kurse des E-Auto-Herstellers Tesla sind auf Talfahrt. Nicht zuletzt das teilweise erratische Vorgehen von Musks Burokratie-Abbau-Gremium DOGE hat ihn erheblich Sympathiepunkte gekostet.

Umso wichtiger für Musk werden daher andere Flaggschiffe aus seinem Firmenkosmos, allen voran das Raumfahrtunternehmen SpaceX, das Aufträge und Subventionen in Milliardenhöhe vom Staat bekommt. Insbesondere die US-Raumfahrtbehörde NASA und das Militär sind auf SpaceX und damit auf Musk angewiesen, um Satelliten ins All zu bringen.

Fast folgerichtig wurde das Raumfahrtunternehmen zum Faustpfand im Kampf zwischen Trump und Musk. Sollte Trump tatsächlich Aufträge an Musks Herzensprojekt SpaceX zurückfahren, würde ihn das empfindlich treffen.

Ein abtrünniger Musk könnte aber umgekehrt für Trump gefährlich werden. Denn die Kritik an der im „big beautiful bill“ geplanten Neuverschuldung lässt sich nicht als woker Gegenwind vermeintlich kommunistischer Demokraten wegwischen. Konservative Fiskalpolitik ohne hohe Schulden ist vielmehr eine identitätsstiftende Position der Republikaner der Prä-Trump-Ära gewesen – und für viele Amerikaner wahlentscheidend. Das weiß auch Trump.

Bis zu den Zwischenwahlen im Repräsentantenhaus 2026 werden die US-Bürger die Auswirkungen seiner Wirtschafts- und Zollpolitik im eigenen Portemonnaie zu spüren bekommen. Derzeit scheint Trump am längeren Hebel zu sitzen, wie jüngster Rückzieher Musks zeigt. Jedoch könnt ein Musk, hinter dem sich unzufriedene Wähler versammeln oder der gar demokratische Kandidaten durch Wahlkampfspenden unterstützt, in Zukunft das Zünglein an der Waage sein.

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