LMB Kunststofftechnik Leeraner Unternehmen meldet Insolvenz an
In zahlreichen Autos stecken Kunststoffteile aus Leer-Loga. Produziert werden sie von LMB Kunststofftechnik. Doch das Unternehmen ist in finanzielle Schieflage geraten. Das sind die Hintergründe.
Leer - Im vergangenen Jahr feierte die LMB Kunststofftechnik GmbH (LMBK) in Loga ihr 40-jähriges Bestehen. Der kunststoffverarbeitende Betrieb hat sich auf die Produktion von Spritzgussteilen spezialisiert. Dabei wird Kunststoff durch Hitze verflüssigt und dann unter Druck in eine Form – das sogenannte Werkzeug – gespritzt. Anschließend wird das Material wieder fest und kann aus der Maschine genommen werden. Jetzt hat das Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt.
Am 29. Mai 2025 ordnete das Amtsgericht Leer die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Gesellschaft an. Das Gericht bestellte den Sanierungsexperten Dr. Christian Kaufmann von der Pluta Rechtsanwalts GmbH zum vorläufigen Insolvenzverwalter, heißt es in einer Pressemitteilung. Er prüfe in dieser Funktion derzeit die finanzielle Lage der Kunststoffspritzerei und starte einen strukturierten Investorenprozess.
Überwiegend im Automobilbereich tätig
„Der Kunststoffspritzguss macht etwa 80 Prozent unseres Umsatzes aus“, hatte der damalige Geschäftsführer Anton Abel bei einem Besuch dieser Zeitung gesagt. Allerdings verfüge man auch über einen Werkzeugbau sowohl für den internen Gebrauch als auch für externe Kunden. Insgesamt verfüge das Unternehmen über 20 Spritzgussmaschinen, die unterschiedlich große Teile produzieren können.
Überwiegend sei das Unternehmen für den Automobilbereich tätig. „Dieser macht rund 50 Prozent aus“, sagte Abel. Die Teile gingen in diverse Werke auf der ganzen Welt. LMBK liefere dabei einzelne Komponenten an den direkten Zulieferer der Automobilkonzerne. Dort würden die Teile dann weiterarbeitet.
1984 von Wilhelm Buse gegründet
„60 Prozent der Marken weltweit bekommen Teile von uns“, schätzte Abel. In den letzten beiden Jahren habe man einen extremen Rückgang der Nachfrage im Automobilbereich gemerkt. „Wir konnten bislang aber um Kurzarbeit rumkommen“, betonte Abel – fügte aber an: „Wir wollen den Automobilanteil deutlich senken.“ Ohne gehe es zwar nicht, aber zu viel sei auch nicht gut. Zu 95 Prozent würden Teile für den Tankbereich produziert. Die Spritzgussteile kommen auch in der Elektro-, Wind- und Medizintechnik zum Einsatz.
Gegründet wurde LMB Kunststofftechnik 1984 von Wilhelm Buse. Dieser hatte zehn Jahre zuvor bereits Logaer Maschinenbau gegründet. Anfangs sei es eine Ausbildungswerkstatt gewesen. Dann seien Stanzwerkzeuge, später Spritzwerkzeuge und schließlich der Spritzguss hinzugekommen, so Abel. Man habe für den Automobilbereich, aber auch für Leuchten- und Aquarienhersteller produziert. Wilhelm Buse vererbte LMB Kunststofftechnik schließlich an seine Tochter Maren Schön. Logaer Maschinenbau ging hingegen an seinen Sohn Heinz Buse. Seit der Gründung sei LMB Kunststofftechnik gewachsen. Mittlerweile verfüge das Unternehmen an der Buschfenne über eine Hallenfläche von insgesamt 5600 Quadratmeter.
Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld
„Der Geschäftsbetrieb des Unternehmens läuft uneingeschränkt weiter, bestehende Aufträge werden wie gewohnt bearbeitet“, heißt es in der aktuellen Mitteilung. Die Löhne und Gehälter der 44 Beschäftigten seien über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit für insgesamt drei Monate gesichert. Die Verantwortlichen informierten die Mitarbeiter Anfang der Woche bei einer Versammlung über den aktuellen Stand. Dr. Christian Kaufmann von der Pluta Rechtsanwalts GmbH führe zusammen mit der Geschäftsführung derzeit konstruktive Gespräche mit Geschäftspartnern, „um die Fortführung des Geschäftsbetriebs zu ermöglichen“, wie es in der Mitteilung heißt.
In enger Zusammenarbeit mit den Transaktionsexperten von Go & Company aus Frankfurt am Main und der Geschäftsführung leite Kaufmann zudem aktuell einen „strukturierten Investorenprozess“ ein. Dieser habe zum Ziel, einen Investor zu finden. „Die Lage des Unternehmens, das über erfahrene Fachkräfte und innovative Lösungen verfügt, bietet eine vielversprechende Basis für interessierte Investoren“, heißt es weiter. Man werde in den kommenden Wochen Gespräche mit potenziellen Investoren führen. „Ich bin optimistisch, dass wir eine gute Lösung finden werden, um die Kontinuität des Geschäfts zu gewährleisten“, erklärt Kaufmann.
Rückläufige Umsätze bei gleichzeitig hohen Kosten
Grund für die Antragstellung des Kunststoffunternehmens sind der Mitteilung zufolge Liquiditätsschwierigkeiten, unter anderem bedingt durch rückläufige Umsätze bei gleichzeitig hohen Kosten. Die Geschäftsführung von LMB Kunststofftechnik äußert sich zuversichtlich, den Betrieb zu erhalten. „Die aktuelle Situation ist nicht leicht und die Antragstellung war leider unumgänglich“, wird Inhaberin und Geschäftsführerin Maren Schön zitiert. „In diesen herausfordernden Zeiten konzentrieren wir uns darauf, den richtigen Partner zu finden, um unsere Geschäftstätigkeit auch in Zukunft zu sichern. Unsere Mitarbeiter sind motiviert und wir bedanken uns bei unseren Geschäftspartnern für die Unterstützung in dieser Phase.“ Das Ziel aller Beteiligten bleibe die Fortführung der Produktion und die Weiterentwicklung als zuverlässiger Partner in der Kunststofftechnik.