Osnabrück  Illegaler Handel mit Hunden und Katzen: EU-Vorschlag bleibt zahnlos

Finja Jaquet
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Von Finja Jaquet
| 06.06.2025 05:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der illegale Handel mit Hunden und Katzen boomt - fast immer zum großen Leid der Tiere. Warum die anvisierten Pläne der EU keine Wirkung zeigen werden. Foto: imago-images/ Russian Look
Der illegale Handel mit Hunden und Katzen boomt - fast immer zum großen Leid der Tiere. Warum die anvisierten Pläne der EU keine Wirkung zeigen werden. Foto: imago-images/ Russian Look
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Die Europäische Union will gegen den illegalen Handel mit Hunden und Katzen vorgehen. Eine Entwicklung, die zu begrüßen ist - doch die geplante Umsetzung erfordert illusorische Verwaltungslasten und bleibt somit mangelhaft.

Aufklärungskampagnen und Auflagen von Online-Plattform fruchten kaum – der illegale Handel mit Haustieren in Deutschland und der EU floriert. Letztere treibt nun eine neue Initiative voran: Der Landwirtschaftsausschuss der EU sprach sich für neue Vorschriften zum Schutz und zur Rückverfolgbarkeit von Hunden und Katzen aus. Das Ziel: qualvolle Zuchtpraktiken zu unterbinden und alle gehandelten Tiere mittels eines Mikrochips rückverfolgbar machen. . 

Eine Entwicklung, die grundsätzlich zu begrüßen ist, schließlich wird der Markt seit Jahren mit Hundewelpen und Katzenbabys aus dubiosen Zuchten überschwemmt. 

Schätzungsweise 1,3 Milliarden Euro Umsatz generiert allein der generelle Handel mit Hunden und Katzen jährlich in der EU. Schätzungen, die den illegalen Handel betreffen, sind angesichts der hohen Dunkelziffer kaum möglich.  

Es ist also absolut richtig und notwendig, dass die EU dies mehr regulieren will - doch zuallererst bedeuten die Vorschläge eines: mehr Bürokratie. So sollen nach der Idee der EU-Kommission einheitliche Zuchtregeln vorgegeben werden, die beispielsweise den Missbrauch von Tieren als „Gebärmaschinen“ verhindern und ein Mindest- und ein Höchstalter zur Zucht vorschreiben. Allerdings sollen die neuen Regeln nur für Zuchtbetriebe ab einer gewissen Größe gelten. Tierschutzvereine sehen dadurch Schlupflöcher für den illegalen Handel.

Die gebe es auch bei der anvisierten Chip-Pflicht für Haustiere: Alle Hunde und Katzen, die in der EU gehandelt werden, müssen den Plänen nach mit einem Mikrochip versehen und in nationalen Datenbanken registriert werden. Ungechippte Tiere könnten jedoch weiterhin privat oder anonym online den Besitzer wechseln. 

Denn wer soll alle Tiere und Betriebe überprüfen? In Ländern wie Rumänien und Ungarn, die für die sogenannten Welpenfabriken und Qualzuchten bekannt sind, gibt es bereits heute Gesetze, die diese Praktiken unterbinden sollten - anscheinend ohne Erfolg. Wer weiterhin mit einem Transporter voller Hundewelpen einreisen und sie online verkaufen will, der müsste schon an der Grenze erwischt werden, damit es Konsequenzen gibt. 

Der EU-Vorschlag ist somit in erster Linie ein Symbol des guten Willens. Verlässliche Verbesserungen für die eigentlichen Leidensträger, die Tiere und Betreiber überfüllter Tierheime, bringt er nicht.

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