Studium und Berufseinstieg  So startet eine neue Generation Hebammen in Papenburg

Gerd Schade
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Von Gerd Schade
| 01.06.2025 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums gehören Emma Wolters (vorne) und Michaela Schepers (links) zum 15-köpfigen Team um Anne Gerdes, Leitende Hebamme im Marien-Hospital in Papenburg. Foto: Marien-Hospital
Nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums gehören Emma Wolters (vorne) und Michaela Schepers (links) zum 15-köpfigen Team um Anne Gerdes, Leitende Hebamme im Marien-Hospital in Papenburg. Foto: Marien-Hospital
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Mit dem dualen Bachelorstudium beginnt für Hebammen wie Emma Wolters und Michaela Schepers in Papenburg eine neue Ära. Sie berichten von Herausforderungen und ihren Zukunftsplänen im Marien-Hospital.

Papenburg - Die Akademisierung ihres Berufes sorgte für viel Kritik – auch in den eigenen Reihen. Seit 2023 kann in Deutschland keine schulische Ausbildung zur Hebamme mehr angefangen werden. Stattdessen geht es nur noch über Bachelorstudiengänge in den Job. So gesehen gehören Emma Wolters und Michaela Schepers vom Marien-Hospital in Papenburg zu einer neuen Generation von Hebammen: an der Hochschule theoretisch und praxisnah im Kreißsaal ausgebildet. Nach Angaben des Krankenhauses haben beide das duale Bachelorstudium Hebammenwissenschaften erfolgreich abgeschlossen. In einer Pressemitteilung des Hospitals geben sie Einblicke in ihre persönlichen Erlebnisse, Herausforderungen und Zukunftspläne.

Schepers und Wolters unterstreichen, wie wichtig eine individuell abgestimmte Betreuung in der Geburtshilfe sei. „Gute Hebammenarbeit bedeutet für mich, Frauen in ihrer Selbstbestimmung zu stärken und ihre Bedürfnisse stets in den Mittelpunkt zu stellen“, erklärt Schepers.

Die Mutter bemuttern

Wolters geht es nach eigenem Bekunden vor allem um eine einfühlsame, respektvolle Begleitung. Die englischsprachige Formulierung „Mothering the mother“, also das „Bemuttern der Mutter“, bringe diesen Anspruch treffend auf den Punkt.

Wie es in der Mitteilung weiter heißt, hätten die beiden jungen Hebammen im Verlauf des Studiums vielseitige Kompetenzen entwickelt, auf die sie stolz seien. „Ob unter der Geburt, bei Aufklärungen oder in kritischen Momenten – eine klare, offene Sprache ist essenziell, um Vertrauen zu schaffen“, hebt Wolters die Bedeutung der Kommunikation hervor.

Dabei komme es neben der Zusammenarbeit im Team besonders auf die „interkulturelle Sensibilität“ an. Denn Geburtshilfe spiegele kulturelle Vielfalt wider. „Es ist wichtig, darauf Rücksicht zu nehmen“, betont Schepers in diesem Zusammenhang.

Neugeborene heißt Emma – wie ihre Hebamme

Als besondere Erfahrung schildert sie das Begleiten ihrer ersten Wassergeburt. Dabei gab es für sie aktiv offenbar nicht allzu viel zu tun. Schließlich habe die Mutter ihr Kind nahezu selbstständig zur Welt gebracht. Wolters berichtet indes von einem sehr persönlichen Moment: „Ich habe eine Frau betreut, die kein Deutsch sprach. Nach der Geburt zeigte sie auf Nachfrage, wie ihre Tochter heißen soll, auf mein Namensschild – ihre Tochter trägt jetzt meinen Namen.“ Überdies zeigten kleine Gesten wie ein handgeschriebener Dankesbrief einer Mutter, wie prägend die gemeinsame Zeit für beide Seiten sein kann.

Und doch verhehlen die beiden Hebammen nicht, dass das duale Studium auch von Herausforderungen geprägt gewesen sei. „Die zeitliche Belastung war hoch. In den Semesterferien haben wir ganz normal in der Klinik gearbeitet“, betont Schepers. Wolters zufolge war es besonders schwierig, während der Praxisphasen Hausarbeiten zu schreiben. „Aber durch den starken Zusammenhalt in unserer Kursgruppe konnten wir vieles gemeinsam bewältigen.“ Was ihre berufliche Zukunft angeht, haben beide laut der Mitteilung klare Vorstellungen. Schepers möchte zunächst ihre klinische Erfahrung vertiefen. Wolters strebt derweil langfristig eine Rolle in der Praxisanleitung sowie im außerklinischen Bereich an.

Neue berufliche Perspektiven

In der Tat eröffnen sich nach Auffassung des Marien-Hospitals durch das wissenschaftliche Fundament und den akademischen Grad (Bachelor of Science) für Hebammen neue berufliche Perspektiven. Darüber hinaus werde das Ansehen der Berufsgruppe in der Öffentlichkeit gesteigert.

Das sieht auch Anne Gerdes, Leitende Hebamme im Papenburger Krankenhaus, so. „Der Beruf der Hebamme hat längst nichts mehr mit der Vorstellung einer ,Kräuterhexe„ zu tun, sondern basiert auf fundierter Wissenschaft und moderner medizinischer Ausbildung“, stellt Gerdes fest. Überdies gelte Hebamme als eigenständiger Beruf und nicht als Assistenz eines Arztes, was Gerdes zufolge „als Irrglaube noch oft weit verbreitet ist“.

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