Zum Tod des Ehrenbürgermeisters Günther Boekhoff prägte die Stadt Leer wie kein Zweiter
Fast 30 Jahre lang war Günther Boekhoff Bürgermeister von Leer, erst ehrenamtlich, später hauptamtlich. In seiner Amtszeit hat er viel erreicht. Jetzt ist er gestorben. Eine Würdigung seines Lebens.
Leer - „So einen Bürgermeister haben wir noch nie gehabt und so einen werden wir auch nie wieder bekommen“: Das ist die einhellige Meinung in der Leeraner Stadtpolitik über Günther Boekhoff, sagen Weggefährten. Der gebürtige Leeraner habe die Entwicklung von Leer von 1973 bis 1996 als ehrenamtlicher und anschließend bis 2001 als hauptamtlicher Bürgermeister – damals mit absoluter Mehrheit ins Amt gewählt – wie kein Zweiter geprägt, schreibt die Stadtverwaltung. Am Sonntag, 25. Mai 2025, ist Günther Boekhoff gestorben. Er wurde 87 Jahre alt.
„Er war ein sehr ausgleichender Mensch“, sagt Wilhelm Mohr. Er war lange Zeit Stellvertreter Boekhoffs sowie Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat. „Es war ein ausgesprochen gutes Verhältnis zwischen uns.“ Im Stadtrat habe Boekhoff immer versucht, die einzelnen Gruppierungen zusammenzubringen. „Das ist ihm eigentlich immer gelungen“, sagt Mohr. „Wir haben als Fraktionsvorsitzende häufig mit ihm zusammengesessen.“ Boekhoff sei dann derjenige gewesen, der positiv Einfluss auf die Fraktionen genommen habe. „Es gab eigentlich kaum Kritik an seiner Amtsführung“, betont Mohr.
„Bei Günther Boekhoff ging es immer um die Stadt und nicht um die Partei“
Das kann der Christdemokrat Walter Düngemann bestätigen. Als er in den Stadtrat kam, sei wenige Wochen später Günther Boekhoff zum Bürgermeister gewählt worden. Mehr als 20 Jahre lang war Düngemann Fraktionsvorsitzender der CDU. „Bei Günther Boekhoff ging es immer um die Stadt und nicht um die Partei“, sagt der Leeraner. „Es lief hervorragend.“ Boekhoff sei es nicht darum gegangen, dass die SPD vorne sein müsse. „Es ging ihm um die Sache.“ Als Bürgermeister habe er vieles in der Stadt vorangebracht und umgesetzt. „Ich wüsste keinen Bereich, den er nicht vorangebracht hat“, betont Düngemann. Dabei habe er immer versucht, einen Konsens zu finden. „Er war ein sehr guter Bürgermeister und auch ein guter Mensch“, sagt der Christdemokrat.
Gerwin Gräfe, der viele Jahre für die Ostfriesen-Zeitung die Leeraner Stadtpolitik begleitet hatte, nennt Boekhoff „die Inkarnation des Leeraner Bürgermeisters“. Den Sozialdemokraten kenne jeder, obwohl es schon mehrere Nachfolger gegeben habe. „Günther Boekhoff hat in erster Linie überparteilich agiert“, sagt auch Gräfe. „Das konnte er sehr, sehr gut.“ Boekhoff sei zudem ein begnadeter Redner gewesen. „Er konnte ohne Manuskript reden und war dabei sehr ausgleichend. Er hatte ein Gefühl für die Zuhörer – wie man die Leute behandeln muss.“ Boekhoff sei sowohl in der Politik als auch in der Verwaltung unumstritten gewesen. „Die haben ihn alle bewundert“, sagt Gräfe. Boekhoff sei zudem immer sehr gut gekleidet gewesen, erinnert er sich.
„Mit seinem Tod verlieren wir einen herausragenden, über die Parteigrenzen hinweg hochangesehenen Politiker“
Bevor Boekhoff in die Politik ging, machte er eine kaufmännische Ausbildung bei Waterborg & van Cammenga in der Mühlenstraße und wurde Angestellter bei der Landeszentralbank. 1968 wurde er erstmals für die SPD in den Stadtrat gewählt, fünf Jahre später wurde er zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt. „Mit seinem Tod verlieren wir einen herausragenden, über die Parteigrenzen hinweg hochangesehenen Politiker, der sich jahrzehntelang in besonderem Maße mit Herz, Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein um seine Heimatstadt verdient gemacht hat“, sagt Bürgermeister Claus-Peter Horst.
Boekhoff habe die Stadt durch wirtschaftlich schwierige Zeiten mit hoher Arbeitslosigkeit geführt und einen großen Anteil am Aufschwung, der Leer zu der Stadt hat werden lassen, die sie heute ist. In seinen Amtszeiten habe Leer auch städtebaulich große Fortschritte gemacht, nicht nur durch neue Gewerbe- und Wohngebiete. Boekhoff war es auch, der die Weichen für die wichtige Bebauung der Nesse-Halbinsel stellte. Mit seinem politischen Einfluss sei es ihm gelungen, regelmäßig, millionenschwere Fördermittel für die Stadt Leer einzuwerben.
Mitglied des Landtags und des Kreistags
Während seiner Amtszeit als Bürgermeister hatte der Sozialdemokrat von 1976 bis 1996 zudem als Mitglied des Kreistages in Leer und von 1982 bis 1994 als Mitglied des Niedersächsischen Landtags politisch gewirkt. Von 1982 bis 2017 war Boekhoff zudem Aufsichtsratsvorsitzender des Leeraner Bauvereins. Maßgeblich mitbestimmt hat er darüber hinaus die Geschicke der EWE. Boekhoff gehörte dem Aufsichtsrat des Konzerns 32 Jahre lang an, von 1988 bis 2012 als Vorsitzender. In dieser Zeit habe er das Unternehmen maßgeblich geprägt und verantwortungsvoll zahlreiche strategische Weichenstellungen begleitet. „Günther Boekhoff hat die kommunale Verankerung zu einer tragenden Säule der Unternehmensidentität gemacht“, sagt Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG. „Sein Wirken hat EWE nicht nur wirtschaftlich gestärkt, sondern die Bedeutung des Unternehmens für die Region nachhaltig gefestigt.“
Um sein Lebenswerk und seine Verdienste zu würdigen, hatte der Leeraner Stadtrat Günther Boekhoff bereits 2001 das Ehrenbürgerrecht und darüber hinaus den Titel Ehrenbürgermeister verliehen. Auch in der Zeit danach war Boekhoff in besonderem Maße an den kommunalpolitischen Geschehnissen in der Stadt interessiert. Bis zuletzt konnte er immer wieder als Ehrengast zu Veranstaltungen der Stadt begrüßt werden, zuletzt unter anderem im März zum 100. Geburtstag von Ehrenbürger Albrecht Weinberg im Rathausfestsaal.
Boekhoff war ein leidenschaftlicher Werder-Fan
„Er war ein fröhlicher Mensch“, sagt Wilhelm Mohr über den Privatmenschen Günther Boekhoff. „Er war immer zu Späßen aufgelegt.“ Gemeinsam mit den Ehefrauen hätten sie Reisen unternommen. „Wir haben viel privat zusammen gemacht.“ Dazu zählen auch einige Besuche im Weserstadion in Bremen. Günther Boekhoff war leidenschaftlicher Werder-Fan.
Günther Boekhoff hinterlässt seine Frau Hannah, seine drei Kinder sowie Enkel und Urenkel. Die Trauerfeier findet im Familien- und Freundeskreis statt.
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version hieß es, dass Günther Boekhoff bei Wübbens in der Rathausstraße gelernt hatte. Richtig ist aber, dass er bei Waterborg & van Cammenga seine Ausbildung gemacht hatte. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.