Ärger am Kanal Pause auf Baustelle in Warsingsfehn – was ist los?
Auf der Brückenbaustelle am Sauteler Kanal herrscht Ruhe. Der Landkreis Leer sagt, dass es unerwartet Probleme gab. Wird die Brücke jetzt später fertig?
Moormerland - Seit Anfang April ist die Königsstraße in Warsingsfehn gesperrt, weil dort die Brücke über den Sauteler Kanal saniert wird. Weder Autofahrer noch Radfahrer oder Fußgänger können dort auf die andere Seite kommen. Ein Ärgernis für viele, die nun einen Umweg zur Arbeit oder zur Schule machen müssen. Noch ärgerlicher ist für einen Anwohner, dass auf der Brücke derzeit überhaupt nicht gearbeitet wird.
Zuletzt habe die ausführende Firma sogar noch Baumaschinen dort weggeholt. „So werden die nie fertig“, merkt der Mann beim Anruf in unserer Redaktion an. auf unsere Nachfrage bestätigt der Landkreis Leer, der für die Baumaßnahme verantwortlich ist, dass auf der Baustelle gerade Pause ist.
Gibt es für die Pause auf der Baustelle eine Erklärung?
Die Antwort von Landkreisssprecher Philipp Koenen: „Ja. Nachdem die vorhandenen Deckschichten abgetragen worden waren, mussten wir feststellen, dass der Beton im Bereich der Bewehrung nicht mehr die erforderliche Festigkeit aufweist.“ Deshalb müsse die mangelhafte Betonschicht zunächst entfernt werden. Dies erfolge mittels Höchstdruckwasserstrahlen (HDW). Koenen erläutert: „Das ist ein Verfahren, das von einer Spezialfirma ausgeführt wird. Diese Firma wird von dem Unternehmen beauftragt, das die Bauarbeiten an der Brücke ausführt.“
Wann geht es weiter?
Derzeit müssen die Bauarbeiten pausieren, aber sie sollen laut dem Sprecher „so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden“. Die Angebote für die zusätzliche Leistung sowie entsprechende Terminangaben würden derzeit vom Auftragnehmer (Bauunternehmen) eingeholt. Ein konkreter Termin, zu dem die Arbeiten an der Brücke fortgesetzt werden, könne genannt werden, wenn die Angebote vorliegen und die Spezialfirma beauftragt wird.
Landkreissprecher Philipp Koenen betont, dass die Arbeiten trotz der Schwierigkeiten weiterhin gut im Zeitplan lägen: „Sollte es zu keinen weiteren Mängeln am Bestand kommen, kann die Vollsperrung wie geplant spätestens am 6. Oktober aufgehoben werden.“ Die Bauzeiten beim Bauen im Bestand, gerade beim Brückenbau, seien schlecht vorherzusagen. Von daher sei der Fertigstellungstermin entsprechend gewählt worden.
Was wird an der Brücke gemacht?
An der Brücke muss einiges erneuert werden. „Die Sanierungsarbeiten an der Brücke umfassen den Abriss und Neubau der Betonkappen, die Erneuerung des Abdichtungssystems sowie des Asphalts auf dem Überbau“, teilte der Kreis Leer vor Beginn der Sanierung mit. „Zudem wird das östliche Geländer erneuert und die Betonabplatzungen am Stahlbetonträger werden saniert.“ Mit den Bauarbeiten beauftragt sei die Firma Hermann Jansen Straßen- und Tiefbau aus Aschendorf. „Die Investition beläuft sich auf rund 505.000 Euro.“
Was hat das für Folgen?
Über die Auswirkungen haben sich viele Einwohner direkt nach Beginn der Arbeiten beschwert. Das hat vor allem mit der ausgeschilderten Umleitung zu tun. Diese führt weiträumig durch die Friesenstraße, Dr.-Warsing-Straße und Hemme-Janssen-Straße ins Zentrum und zurück. Für eine Strecke, die sonst einen halben Kilometer lang ist, müssen nun etwa anderthalb Kilometer eingeplant werden.
Weil die Gemeinde Moormerland gleichzeitig die Fußgänger-/Radfahrerbrücke in Höhe der Ilmenaustraße austauscht, muss man mit dem Fahrrad über die Emsstraße, Mainstraße, Zum Garrelsmeer, die Leinerstraße, die Mühlenstraße und die Rudolf-Eucken-Straße fahren. Direkt am Kanal führt die Umleitung über die Quade-Foelke-Straße und die Gödeke-Michael-Straße. Manche motorisierten Verkehrsteilnehmer versuchten ebenfalls, auf Teilen dieser Wege zu fahren.
Gemeinde hat Abkürzungen blockiert
Weil sich Anlieger der Emsstraße und der Dollartstraße beklagten, dass sogar schwere Fahrzeuge dort langfuhren, hat die Gemeinde diese gesperrt, nur Anlieger können weiterhin zu ihren Häusern kommen. Kritik gab es aber auch, weil Radfahrer auf dem Weg ins Zentrum, zum Beispiel zur IGS, von der Leinestraße kommend auf der falschen Seite auf dem Gehweg fahren – aus Bequemlichkeit, um nicht zweimal die Straßenseite wechseln zu müssen.
Gerade morgens und mittags kommt es zu teilweise gefährlichen Situationen. Bei der Gemeinde kennt man diese Gefahrenpunkte und plant, die Radfahrer mit Hinweisen und Piktogrammen auf die richtige Fahrbahnseite zu bringen. Sie sollen eigentlich auf der Straße fahren, denn die Gehwege sind nur mit „Radfahrer frei“ markiert: Das bedeutet, Radfahrer sind geduldet, müssen aber Schrittgeschwindigkeit einhalten. Eine Regel, an die sich kaum jemand hält.