Osnabrück Von den feinen Freuden des Geschmacks: Was ist eine Gaumenfreude?
Hauptsache viel? Wenn es um das Essen geht, zählen Geschmack und Genuss. Die verfeinerte Gaumenfreude scheint aber ebenso aus der Mode zu kommen wie das alte Wort.
Nein, die Pommes-Schranke ist nicht mein Leibgericht. Auch um Imbissstände, die die angeblich schärfste Currywurst der Stadt anbieten, mache ich lieber einen großen Bogen. Und wenn ich sehe, was manche Leute auf Stadtfesten oder Jahrmärkten so in sich hineinschaufeln! Aber lassen wir das. Auch deftiges Essen kann schmecken.
Eine Gaumenfreude ist allerdings etwas Anderes. Die lebt nicht von scharfen Reizen, sondern von milden Freuden des Geschmacks. Ich finde es schade, dass das Wort Gaumenfreude inzwischen seltener im Sprachgebrauch zu finden ist. Das sagt mir jedenfalls der Eintrag im Online-Duden. Liegt in diesem Faktum nicht ein Fingerzeig?
Wer alte Wörter mag, der hat oft auch etwas für den Begriff Gaumenfreude übrig. Das Wort findet sich in vielen Listen alter Wörter, die Liebhaber der Sprache wie seltene Naturschönheiten sammeln. Solche Wörter klingen deshalb besonders gut, weil sie eine besonders verfeinerte Bedeutung mitteilen, auf diese Weise besonders sprechend sind.
Das Wort Gaumenfreude gehört für mich unbedingt dazu, weil es eine Körperregion mit einer Sinnesempfindung verbindet. Das Essen ist keine bloße Nahrungsaufnahme, sondern auch ein Moment der feinen Empfindung. Der Gaumen steht dabei sprachlich im Zentrum, auch wenn Geschmack auf der Zunge empfunden werden kann. Was uns auf der Zunge zergeht, muss eine wahre Köstlichkeit sein.
Aber was vermag die Zunge gegen den Gaumen, wenn es um guten Geschmack geht? Wir erleben wahren Gaumenkitzel, wenn eine Speise besonders mundet. Oder eben Gaumenfreuden, wenn wir feinste Geschmacksnuancen wahrnehmen. Zum Menü gehört, was in Deutschland Gruß aus der Küche heißt, in Frankreich Amuse-Gueule – die kleine Köstlichkeit, mit der ein Koch beim Gast seine Visitenkarte abgibt.
Es gibt viele andere Situationen, die Gaumenfreuden bescheren. Es ist der Wein, der überraschend gut schmeckt, oder ein im Urlaub genossenes Gericht, das gerade unter südlicher Sonne einfach wundervoll mundet. Wer für solche Erlebnisse offen ist, wird Gaumenfreude auch ohne Sterne-Restaurant genießen.
Für mich beschert das Wort übrigens selbst schon eine Gaumenfreude – in sprachlicher Hinsicht. Es klingt wundervoll und bezeichnet echten Lebensgenuss. Wenn das kein Grund ist, sich dieses alte Wort auf der Zunge zergehen zu lassen.