Ernte in Ostfriesland  Trockenheit kann die Erdbeerpreise in die Höhe treiben

| | 19.05.2025 12:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Noch ist ein bisschen Geduld gefragt: Die ersten Freiland-Erdbeeren zum Selberpflücken gibt es erst im Juni. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd/Archiv
Noch ist ein bisschen Geduld gefragt: Die ersten Freiland-Erdbeeren zum Selberpflücken gibt es erst im Juni. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd/Archiv
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Eigentlich ist das sonnige Mai-Wetter super für die Erdbeeren aus Ostfriesland. Wenn es aber noch länger trocken bleibt, wird es für Freiland-Früchte eng – mit Folgen für den Geldbeutel.

Oldenburg/Ostfriesland - Das anhaltend trockene und sonnige Wetter ist für Norddeutschlands Erdbeer-Bauern Fluch und Segen zugleich. In den Gewächshäusern gedeihen die Früchte prächtig; die Preise können stabil gehalten werden. Den Freiland-Erdbeeren mangelt es hingegen an Wasser. Sollte es weiter trocken bleiben, dürfte das auf die Preise durchschlagen.

„Die Erdbeeren aus dem Gewächshaus haben eine Bombenqualität“, sagte Janno Schmid, Chef vom Hofladen Großwolde, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aber draußen haben wir Probleme mit der Trockenheit.“

3 Euro für 400 Gramm

Erdbeeren aus dem Gewächshaus gibt es seit Anfang Mai. Das Schälchen à 400 Gramm kostet in dieser Woche im Hofladen Großwolde 3 Euro. Von dort kommen auch die frischen deutschen Erdbeeren in den Multi-Märkten.

„Die ersten Freiland-Erdbeeren gibt es spätestens in zwei Wochen“, sagte Bauer Schmid. Die Felder würden zwar bewässert, das sei aus technischen Gründen aber nicht überall möglich. „Wenn es weiter trocken bleibt, wird’s teurer.“ Wie viel die 400-Gramm-Schale in zwei Wochen kosten wird, ist also noch offen. Es hängt schlicht vom Wetter ab - aber natürlich auch vom Markt.

Früchte aus dem Ausland günstiger

Kurze Transportwege, hohe Anforderungen beim Pflanzenschutz und gute Arbeitsbedingungen für die Pflücker zeichneten die heimischen Beeren aus, sagte dazu Felix Koschnick, Beerenobst-Experte bei der Landwirtschaftskammer in Oldenburg, der Deutschen Presse-Agentur. „Damit haben wir eigentlich ein absolut konkurrenzfähiges Produkt.“ Aufgrund niedriger Lohnkosten in anderen EU-Ländern könnten Anbauer dort allerdings noch günstiger produzieren als in Deutschland. Viele Erdbeeren kommen derzeit aus Spanien, aber auch aus Griechenland.

Schmid vom Hofladen Großwolde baut Erdbeeren auf einer Fläche von 6 Hektar an. Er rechnet damit, dass es in der zweiten Juni-Woche mit dem Selberpflücken losgeht. Wie viel das Kilo Erdbeeren dann kosten wird, ist ebenfalls noch unklar. Nach der Erfahrung von Schmid sind die Früchte zum Saisonstart immer etwas teurer. Günstiger wird es im Juni. Die Saison läuft bis Ende August.

Neue Erdbeersorten im Angebot

Nach Angaben von Beeren-Experte Koschnick werden auf den Höfen zunehmend neue Sorten angebaut, so dass es aktuell ein größeres Sortenspektrum wohlschmeckender, qualitativ hochwertiger Erdbeeren gebe. „Natürlich müssen auch wir, besonders nach so einem trockenen Frühjahr, die Kulturen bewässern, um die vom Handel sowie von den Verbrauchern geforderten Qualitäten zu liefern“, wird Koschnick in einer Pressemitteilung der Landwirtschaftskammer zitiert. „Dies geschieht heute in der Regel mit Tropfenbewässerung, bei der die Tropfleitung direkt unter den Pflanzen an der Wurzel liegt. So können die Erdbeeren gezielt, wassersparend und angepasst bewässert werden, um Verdunstungsverluste zu vermeiden.“

Das niedersächsische Landvolk verweist zusätzlich auf die biologische Schädlingsbekämpfung. Der ressourcenschonende Umgang mit Wasser und Dünger sowie der gezielte Einsatz von Nützlingen wie Schlupfwespen und Raubmilben, die gegen Schädlinge wie Blattläuse, Spinnmilben und weiße Fliegen eingesetzt würden, seien derzeit die wichtigsten pflanzenbaulichen Themen im Erdbeeranbau, so der Bauernverband.

Mehr Gewächshaus, weniger Freiland

Nach Erhebungen des Landesamts für Statistik wurden 2024 in Niedersachsen auf einer Fläche von 2132 Hektar (ha) Erdbeeren angebaut (2023: 2371 ha). Insgesamt wurden 24.309 Tonnen (t) Freiland-Erdbeeren geerntet (2023: 26.060 t), der Ertrag pro Hektar summierte sich auf 114 Dezitonnen (dt), 2023 waren es 109,9 dt.

Die Fläche mit geschütztem Anbau – in der Regel sind dies Folientunnel – betrug 2024 252 ha (2023: 229 ha). Dort ernteten die Betriebe 6009 t Erdbeeren (2023: 6.119 t). Den Hektar-Ertrag im geschützten Anbau beziffert die Statistik mit 237,9 dt (2023: 267,5 dt).

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