Gastgewerbe in Ostfriesland Besuch im Restaurant wird wohl noch teurer werden
Ostfrieslands Gastgewerbe klagt über hohe Personalkosten. Das hat bisher schon die Preise für Schnitzel, Pommes & Co. in die Höhe getrieben. Jetzt wird‘s wohl noch teurer. Erste Zahlen werden genannt.
Ostfriesland - Wer gern mal mit der Familie essen geht, wird demnächst in vielen Restaurants wohl noch tiefer in die Tasche greifen müssen. Ein wesentlicher Grund dafür sind gestiegene Arbeitskosten. Das hat die am Freitag vorgestellte Saisonumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg ergeben.
„Die hohen Kosten machen den Betrieben weiter zu schaffen. In der Gastronomie spielen die Arbeitskosten eine größere Rolle, im Beherbergungsbereich vor allem die Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise“, so Kerstin van der Toorn, Tourismus-Expertin der IHK Ostfriesland. Das Gastgewerbe sei insgesamt eine sehr personalintensive Branche. Kostensteigerungen im Personalbereich würden hier viel mehr durchschlagen als in anderen Branchen. „Die angekündigte Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Euro und steigende Kosten für Sozialversicherungen gepaart mit allgemeinen Kostensteigerungen bereiten den Betrieben große Sorgen“, sagte van der Toorn. Auch kommunale Steuern wie Bettensteuer und Verpackungssteuer würden nicht zu einer Erleichterung für die Branche beitragen. In der ostfriesischen Gastronomie erwartet jeder zweite befragte Betrieb eine Verschlechterung.
Um so viel Prozent steigen die Preise
Die Sorgen könnten sich der Umfrage zufolge auch auf die Preise im Gastgewerbe auswirken. Zwar geht jeder zweite Betrieb von gleichbleibenden Preisen für die nächste Saison aus (50,5 Prozent), 42,5 Prozent der Unternehmer aber erwarten, dass sie ihre Preise werden anheben müssen. Nur 7 Prozent der Betriebe im ostfriesischen Gastgewerbe gehen von Preissenkungen aus.
Das überrascht allein schon deshalb, weil die neue Bundesregierung angekündigt hat, die Mehrwertsteuer auf Speisen zum 1. Januar 2026 dauerhaft von 19 auf 7 Prozent senken zu wollen. „Die Gastronomie-Betriebe haben die Wiedererhöhung auf 19 Prozent Anfang 2024 auch nicht komplett an die Kunden weitergegeben“, sagte die IHK-Expertin zur Erläuterung im Gespräch mit unserer Redaktion. Zusätzlich müsse man wissen, dass die Umsätze bei 40 Prozent der Betriebe in der letzten Saison gesunken seien. Und auch die Gewinnmarge sei geschrumpft; sie liege bei Speisen teilweise bei nur 5 Prozent. Die IHK rechnet nun für die nächste Saison mit „moderaten“ Preiserhöhungen von bis zu 10 Prozent.
Bei diesen Speisen sparen die Gäste
Anders ausgedrückt: Die Restaurants sind augenscheinlich zwar gut gefüllt, die Leute lassen beim Essengehen aber offenbar weniger Geld. „Häufig wird auf den Nachtisch verzichtet“, bringt es van der Toorn auf den Punkt. Laut IHK Ostfriesland gaben vor allem heimische Gäste weniger Geld aus, aber auch Urlaubs- und Geschäftsreisende.
Insgesamt ist die Stimmung im Gastgewerbe also eher verhalten. Der Konjunkturklimaindex in Ostfriesland liegt bei dieser Branche laut IHK-Umfrage bei 86 Punkten; die Skala reicht von 0 bis 200 Punkten.
Das verlangt die Branche von der neuen Regierung
Wie zurzeit üblich, sucht auch das Gastgewerbe sein Heil in einigen Forderungen an die sich gerade zusammenraufende neue Bundesregierung. „Die neue Bundesregierung hat nun erste Erleichterungen angekündigt“, so van der Toorn. Dies allein sei aber noch nicht der Befreiungsschlag, den die Branche jetzt dringend brauche. „Wir erwarten von der neuen Bundesregierung deutliche Erleichterungen für die Betriebe durch Digitalisierung, Abbau von Bürokratie und steuerliche Anreize für Investitionen.“
Das gilt übrigens für die ganze Tourismusbranche in Niedersachsen. Für etwas Zuversicht in der Branche sorgten zwar einige angekündigte Änderungen der neuen Bundesregierung, erklärte auch Monika Scherf, die Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen. Dazu zähle etwa die im Koalitionsvertrag vereinbarte Senkung der Umsatzsteuer auf Speisen in Restaurants ab 2026 sowie die Flexibilisierung der Arbeitszeit. „Da ist ein bisschen was in Bewegung. Aber bei weitem noch nicht das, was diese Branche und anderen Branchen brauchen“, sagte Scherf.