Neuer Name? Politik diskutiert über Hindenburgstraße in Leer
Bekommt die Hindenburgstraße in Leer-Loga einen neuen Namen? Die Anwohner konnten Stellungnahmen abgeben. Jetzt sprach darüber die Politik. Das war das Ergebnis.
Leer - Sollte eine Straße in der Stadt Leer weiterhin nach Paul von Hindenburg benannt werden? Diese Frage wird derzeit diskutiert. Nachdem der zuständige Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Kultur (WTKA) beschlossen hatte, die Anwohnerinnen und Anwohner zu befragen und einen Bürgerdialog durchzuführen, hatte der Verwaltungsausschuss den Bürgerdialog wieder gestrichen.
Die Anwohner wurden von der Verwaltung angeschrieben. Darin wurde kurz über das Wirken von Hindenburg und den Hintergrund der Straßennennung im Jahr 1927 informiert sowie darauf hingewiesen, dass die Verwaltung ein Hinweisschild vorgeschlagen hatte. Die Anwohner wurden schließlich um eine Rückmeldung gebeten, wie sie zu einer Umbenennung stehen. Die meisten Ergebnisse lagen jetzt vor, als am Mittwochabend, 15. Mai 2025, erneut über das Thema im WTKA diskutiert wurde.
Die Meinung der Anwohner
Es wurden laut Verwaltung insgesamt 52 Schreiben an Privatpersonen und ein Schreiben an das Pfarramt der lutherischen Friedenskirche, die an der Straße liegt, geschickt. Bis zur Sitzung waren 34 Antworten eingegangen. Die Kirchengemeinde hatte noch keine Rückmeldung gegeben, da der Kirchenvorstand erst am 22. Mai wieder tage.
Vier Anwohnerinnen und Anwohner haben sich für eine Umbenennung ausgesprochen. Als Begründung wurde beispielsweise angegeben: „Unsere schöne Straße muss ihren ursprünglichen Namen zurückbekommen, nach allem, was Hindenburg im historischen Rückblick alles möglich gemacht hat!“
Gegen die Umbenennung und für die Installation eines Hinweisschildes haben sich 18 Personen ausgesprochen. Dies wird unter anderem damit begründet, dass der Name Hindenburg zur Geschichte dazu gehöre. „Die Straße ist ein Teil meiner persönlichen Identität. Mein Haus steht seit 1892 in dieser Straße und wurde immer von meiner Familie und Vorfahren bewohnt.“ „[...] Gerade derzeit neigen wir dazu, zu vergessen, was vor 70 Jahren passiert ist“, ist eine andere Meinung. Mehrfach wird auf die Kosten hingewiesen: „Im Zuge der Umbenennung gehen nicht zu vernachlässigende Kosten und zeitlicher Aufwand für alle Anwohner einher!“
Zwölf Personen lehnen die Umbenennung ab. Drei von ihnen führen auch eine Begründung auf. „Überflüssig“, heißt es beispielsweise. Oder die „nicht unerheblichen Kosten“ werden genannt. Eine Antwort lautet unter anderem: „Paul von Hindenburg hat falsch oder richtig gehandelt im Ermessen der damaligen Zeit. Gleichwohl wird in der heutigen Zeit eine Propaganda der Links, Grünen woken Szene in Sachen Kriegstüchtigkeit und Aufrüstung herbeigeredet.“
Die Beteiligungsquote liegt somit bei etwa 64,15 Prozent. Für eine Umbenennung sprechen sich bislang 7,54 Prozent aller Angeschriebenen aus. 33,96 Prozent sind für ein Hinweisschild und 22,64 Prozent lehnen einen neuen Straßennamen ab.
Das sagt die Politik
Erwartet worden war zunächst, dass die Politik an diesem Mittwoch in der Sitzung des WTKA einen Beschluss fasst, was mit der Hindenburgstraße passieren soll. Doch es kam anders. Die SPD sprach sich zu Beginn gleich dafür aus, den Beschluss zu verschieben. Wie Heinz Dieter Schmidt sagte, fehle seiner Fraktion noch die Meinung der Kirchengemeinde. Diese solle man noch abwarten. Zudem schlug er vor, dass die Stadt eine Liste mit fragwürdigen Straßennahmen zusammenstellt.
Ursula Stevens-Kimpel, die mit der SPD eine Gruppe bildet, betonte: „Wir haben die Anwohner und uns selbst nicht gut genug informiert.“ Andere Städte hätten im Vorfeld Referenten eingeladen, die Hintergründe über Hindenburg vorgetragen hätten. „Wir hätten die Anwohner auch mehr informieren müssen, wie die Stadt die Anwohner beim Zeitaufwand und dem finanziellen Aufwand unterstützen kann.“
Die CDU zeigte sich überrascht vom Vorstoß der Gruppe SPD/Stevens-Kimpel. „Wir sollten den Willen der Bewohner berücksichtigen“, sagte Thomas Bruns. Man hätte sich auch gewünscht, dass die Kirchengemeinde schon geantwortet hätte. Dennoch sprachen sich die Christdemokraten dafür aus, einen Beschluss zu fassen – gegen eine Umbenennung und für Hinweisschilder mit QR-Code wie es auch in der Bavinkstraße umgesetzt wurde.
Weiterhin klar für eine Umbenennung der Hindenburgstraße sprachen sich die Grünen aus. „Uns überzeugen die Argumente nicht“, sagte Bruno Schachner. Es gebe eigentlich nur eins: „Das macht mir Mühe, den Personalausweis umschreiben zu lassen.“ Das sei aber keine unzumutbare Sache. Schachner verwies noch einmal auf die „unrühmliche Rolle“ Hindenburgs hin, auch schon vor und während des Ersten Weltkrieges. „Es ist unsere Aufgabe als Rat darüber zu entscheiden, wie eine Straße heißt“, betonte er.
Fritz-Hannes van Beckum, beratendes Mitglied der CDU, stimmte zwar zu, dass die Politik das Recht dazu habe, über den Straßennamen zu entscheiden. Er wies aber darauf hin, dass die Politik beschlossen hatte, die Anwohner zu befragen. „Wenn man jetzt mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, und es trotzdem umsetzt, ist es Verarsche.“
Mechthild Tammena, beratendes Mitglied der Grünen, sah das anders. Man sei sich überwiegend einig gewesen, die Straße umzubenennen. „Ein Schild reicht nicht aus“, betonte sie. Es sei für jede Person, nach der eine Straße benannt wurde, eine Ehrung. „Es geht nicht darum, sich mit dem Namen kritisch auseinanderzusetzen“, betont sie. „Dann hätten wir auch noch eine Adolf-Hitler-Straße.“
Günter Podlich (FDP/Moin) verwies darauf, dass man die Anwohner entscheiden lassen wollte. Er war der Auffassung: „Wenn Hindenburg aus dem Straßenbild getilgt wird, verhindert man das Sich-Gedanken-machen.“ Er plädierte dafür, sich auf das Votum der Anwohner zu unterstützen und den Beschluss nicht zu vertagen.
So geht es weiter
Die SPD hatte angekündigt, dass sie eine Umbenennung in dieser Sitzung definitiv nicht zustimmen würde. Somit sprachen sich SPD/Stevens-Kimpel, Grüne und FDP/Moin für eine Vertagung aus. Die CDU enthielt sich. Der Antrag der Gruppe SPD/Stevens-Kimpel, die Verwaltung zu beauftragen, eine Liste mit fragwürdigen Straßennamen aufzuführen, fand keine Mehrheit. Die SPD stimmte dafür, Stevens-Kimpel enthielt sich, alle anderen lehnten ihn ab. Nun wird über eine mögliche Umbenennung der Hindenburgstraße im nächsten WTKA beraten. Der nächste reguläre Termin wäre am 9. September 2025.