Kolumne „Digital total“  Glasfaser für alle – ist das wirklich nötig?

Fabian Scherschel
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Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 13.05.2025 08:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
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Über die Vorteile von Glasfaseranschlüssen wird immer wieder geschrieben. Doch viele Menschen sehen gar keine Notwendigkeit zum Umstieg. Verkennen Politik und Technik-Nerds die Realität?

Seit 2012 ist für mich eine unverrückbare Voraussetzung für die Wahl einer neuen Wohnung, dass Glasfaser für meinen Internetanschluss bis in meinen Wohnraum liegt. Das erst mal vorweg, damit Sie wissen, aus welcher Ecke die Meinung in dieser Kolumne kommt. Ich persönlich kann ohne Glasfaseranschluss weder arbeiten noch leben.

Zur Person

Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.

Trotz alledem habe ich mich etwas geärgert, als ich vor einiger Zeit das Titelthema zur DSL-Abschaltung bei meinem ehemaligen Arbeitgeber, dem Magazin „c’t“ für Computertechnik, gelesen habe. Da wurde zuerst das, in typischer EU-Manier etwas größenwahnsinnige, Datum zur Abschaltung der DSL-Anschlüsse als unverrückbare Tatsache präsentiert und dann später moniert, dass aber trotzdem viele Kunden in Deutschland zwar Glasfaseranschlüsse haben könnten, aber keinen Grund zum Umstieg sehen.

Ich muss sagen, da bin ich mal wieder auf der Seite des Kunden. Was interessiert es mich, dass die EU-Kommission in ganz Europa bis 2030 alle Kupfernetze abschalten will? Was interessiert es mich, was die Schweden machen? Wer das so toll findet, kann ja nach Schweden ziehen – geht ja in der EU ohne Probleme. Wenn mein ehemaliger „c’t“-Kollege staunt, dass der Ottonormalbürger in Deutschland trotz verlässlicherer Verbindungen, höherer Datenraten, geringer Latenzen und geringerem Energieverbrauch nicht auf Glasfaser umsteigen will, sollte er sich mal fragen, woran das liegt. Vielleicht liegt es nicht am Verbraucher. Vielleicht liegt es daran, dass die Netzbetreiber dem Verbraucher einfach nicht erklären können, wofür er oder sie die höheren Datenraten und geringeren Latenzen denn eigentlich braucht. Vielleicht braucht er sie ja auch gar nicht?

Nicht jeder Mensch in Deutschland ist Technik-Nerd wie ich und mein ehemaliger Kollege. Vielleicht interessiert es manche Menschen einfach nicht, wie das Internet in die Wohnung kommt, solange es einigermaßen funktioniert. Da sollten EU und Tech-Magazine mal drüber nachdenken.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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