Berlin Vier Comic-Tipps für Kinder, die nicht gern lesen
Mit diesen vier Buchtipps machen Sie Ihre Kinder zu Leseratten. Es geht um absurde Komik, Erinnerungen an eine Kindheit im Jahr 1983 und um Cyber-Mobbing.
Der logische Übergang vom Bilderbuch zum Roman ist, klaro, das Comic. Mit ihrem visuellen Erzählen erleichtern die Geschichten Kindern das Selberlesen. Wir stellen vier Neuerscheinungen vor, die sich lohnen.
Den ersten Gag liefert „Die Mumpitz Show“ schon auf dem Cover. Aus einem Theatervorhang hervor verkündet hier ein Impresario: „Leider sind wir noch nicht ganz fertig hier. Würdest du bitte für einen Moment etwas anderes lesen?“ Natürlich sind dann trotzdem alle da: Verrückte Wissenschaftler, Aliens, sprechende Steine und Frösche, die sich als Kühe ausgeben, alles in knackigen Sketchen von wenigen Seiten erzählt. Mit der Idee des Comic-Kabaretts demonstrieren Patrick Wirbeleit und Andy Matthews: Auch Leseanfänger sind schon Buchexperten, die genau verstehen, was hier eigentlich alles nicht geht – zum Beispiel, dass ein Räuber ankündigt, gleich in Richtung von Seite 32 zu verduften. Mit sehr wenig Text und richtig guten Witzen ist diese Vorstellung, Pardon, dieses Buch ein echtes Virtuosenstück.
Patrick Wirbeleit, Andy Matthews: „Die Mumpitz Show“. Kibitz Verlag, 88 Seiten, 15 Euro.
Kaum etwas fasziniert Kinder mehr als der Umstand, dass ihre Eltern auch mal klein waren. Wie eine westdeutsche Kindheit in den 1980er Jahren aussah, erzählen die Bücher der Illustratorin Anke Kuhl. Ihr Band „Manno“, der autobiografische Geschwistergeschichten sammelt, wurde vor fünf Jahren mit Preisen überhäuft. Mit „Pferde, Tränen, Lachanfälle“ liegt jetzt eine Fortsetzung vor. Diesmal fährt Anke mit ihrer Schwester und zwei Freundinnen auf den Reiterhof – in den ersten Urlaub ohne Eltern. Kürzer, aber genauso hinreißend wie das letzte Buch. Unbedingt lesenswert!
Anke Kuhl: „Pferde, Tränen, Lachanfälle.“ Klett Kinderbuch, 104 Seiten, 16 Euro.
Als das Mädchen Feli nach Kitty City zieht, hat sie ein riesiges Problem: Sie ist der einzige Mensch in einer Stadt, die nur von Katzen bewohnt wird. Und sie kann die Pfotenschrift nicht lesen! Weder die Speisekarte, noch Straßenschilder und wichtige Textnachrichten schon gar nicht. Wer nicht lesen kann, hat’s schwer: Diese Erfahrung aller Grundschüler versetzt die Autorin Inga Steinmetz in eine märchenhafte Manga-Welt. Und weil sie die Sprechblasen ihres Comics auf knappe Sätze beschränkt, ermutigt das Buch auch Leseanfänger, sich an die Entzifferung des Alphabets zu wagen.
Inga Steinmetz: „Felis Geheimnis“. Carlsen, 140 Seiten, 9 Euro.
Mireille ist empört. Beim Hässlichkeitswettbewerb, den ihre Mitschüler im Internet veranstalten, schafft sie es trotz ihres bemerkenswerten Wabbelhinterns nur auf Platz 3. Unverschämtheit! Wenn sie schon als Wurst des Jahres gemobbt wird, dann will sie auch die Goldmedaille. Gemeinsam mit der Erst- und Zweitplatzierten macht Mireille eine Tour zu Frankreichs Präsidentin in den Élysée-Palast – und beweist, dass man auch dann Großes schaffen kann, wenn alle anderen einen kleinmachen wollen. Magali Le Huches Comic-Fassung eines preisgekrönten Jugendromans ist ein tolles Buch – nicht nur, aber auch für Kinder, die unbedingt ein Handy haben wollen und nicht ahnen, was für Abgründe das mit sich mitbringt.
Magali Le Huche, Clémentine Beauvais: „Die kleinen Königinnen“. Reprodukt Verlag, 156 Seiten, 29 Euro.