Vatikan Konklave im Vatikan: Was aus der Symbolik der Papstwahl zu lesen ist
Die Papstwahl ist Pop. Edward Bergers Film „Konklave“ stürmt die Streaming-Charts und Trump macht sich per KI selbst zum Papst. Was sagt die Symbolsprache rund um das Weltereignis in Rom?
Der Schneider der letzten zwei Päpste hat dem „Tagesspiegel“ gerade ein Interview gegeben. Sein Leben klingt kompliziert. Franziskus’ Maßgewänder musste er nähen, ohne dass er Maß nehmen durfte. Und weil der Papst es nüchtern liebte, hat der Schneider den paradoxen Look der bescheidenen Pracht entwickelt. Vorbild waren Giottos Fresken. Der Schneider ist übrigens schwul. Für Päpste nähen darf er trotzdem. Zum Abendmahl, sagt er, soll er aber nicht. Immerhin nimmt man hin, dass er nebenbei Parfüms mit Namen wie „Cybersex“ komponiert.
Wer mit dem Vatikan zu tun hat, muss enorme Widersprüche aushalten. Und damit wären wir beim Konklave. Mit dem neuen Papst wird gerade Christi Stellvertreter auf Erden bestimmt. Wahlberechtigt sind 135 Männer, deren Weltbild mehrheitlich in den 50er- und 60er-Jahren geprägt wurden. Das ist länger her, als Jesus überhaupt alt wurde. Keine gute Voraussetzung, für die Vertretung eines so wirkmächtigen Reformers.
Und obwohl „katholisch“ auf Deutsch „jeden betreffend“ heißt, schließt die katholische Kirche auch im Konklave die Hälfte der Menschheit aus: die Frauen. Die Symbolsprache ist ohnehin deutlich. Schon das Wort „Konklave“ bezeichnet die Abgeschlossenheit der Wahl. Und für die Klarheit am Ende sorgt – ausgerechnet – Rauch. Kein Wunder, dass Donald Trump sich mit einem KI-Bild selbst als neuer Papst inszeniert: Die undurchsichtigen Hinterzimmer des Vatikans müssen einem Mann gefallen, dem demokratische Regeln suspekt sind.
Gerade weil es so anachronistisch ist, löst das Zeremoniell Faszination aus. Edward Bergers Oscar-Film „Konklave“ steht in den Streaming-Charts ganz oben. Was im Vatikan passiert, fesselt wie ein Dan-Brown-Roman. Womöglich sagt das weihevolle Setting aber auch etwas darüber aus, wie abgekoppelt der Klerus vom Alltag der Gläubigen ist. Je tiefer man in diese Geheimwissenschaft abtaucht, desto ferner scheint die Welt da draußen. Und die ist groß: Am Ende sind die Widersprüche der Kirche auch die ihres globalen Wirkungsbereichs - vom liberalen Westen bis in den konservativen Süden.
Der Schneider des Papstes steht immer noch zu seiner Kirche. Auch nachdem ein Denunziant ihn als schwul geoutet hat. Diese Resilienz bringen in unseren Breiten nur noch wenige auf. Allein in Deutschland verlassen jedes Jahr Hunderttausende die katholische Kirche. Man darf gespannt sein, wie ein neuer Papst darauf reagiert. Die Faszination der alten Rituale wird den Trend nicht beenden.