Geeste Reizüberflutung bei Babys: Was Hebammen in Geeste jungen Eltern raten
Für ein traditionelleres Wochenbett plädieren die Hebammen der neuen Praxis „Nestleben Geeste“. Ein Rückschritt aus dem hektischen Alltag falle jungen Eltern oft schwer. Was Babys und Eltern in den ersten Wochen wirklich brauchen, erklären Michaela Bruns und Anne Kley.
Beim Einkaufen oder wenn die ersten Besuche anstehen, wirken Neugeborene ruhig – abends und nachts beginnt dann, was viele Eltern fürchten: Minutenlanges Schreien, von dem sich das Kind durch nichts abbringen lässt. „Wie das Nervensystem von Babys Reize verarbeitet, ist tatsächlich eines der häufigsten Beratungsthemen im Wochenbett“, sagt Hebamme Anne Kley. Auch wenn Babys scheinbar schlafen, nähmen sie viele Einflüsse aus der Umgebung wahr, die sie oft abends durch das Schreien verarbeiten.
Kley und ihre Kollegin Michaela Bruns haben mit Sozialpädagogin Sabine Rziha die Praxis „Nestleben Geeste“ eröffnet. Zuvor arbeiteten die drei in der Familienpraxis Osterbrock. Nach einem Wasserschaden in dem Gebäude an der Teglinger Straße gewährte die Freiwillige Feuerwehr Osterbrock Unterschlupf und stellte den Seminarraum ein halbes Jahr zur Verfügung. Das zunächst als Übergangslösung gefundene Haus an der Varloher Straße ist seit März der neue Standort der Praxis.
Dort fanden die drei Frauen ausreichend Platz für ein umfangreiches Angebot von der Schwangerschaft bis zum Kleinkindalter, zu dem unter anderem Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse, Babymassage, Pekip-Kurse sowie Still-Café und Krabbelgruppe gehören.
Ergänzt wird das Angebot der Praxis durch Jenny Außel, die Yoga-Kurse leitet und Christina Kathmann, die in einem Kurs „Baby-Gebärden“ vermittelt. Dabei handelt es sich um eine nonverbale Kommunikation, die eine Verständigung mit Kleinkindern erleichtern soll.
Der Bedarf an Begleitung für junge Familien sei groß, sagen die Hebammen. „Durch soziale Medien haben Eltern oft ein Überangebot an Informationen“, berichtet Kley aus dem Alltag. Den richtigen Weg für sich selbst zu finden, sei dadurch schwierig. „Es gibt so viele Meinungen und auch Anforderungen, da ist der persönliche Kontakt für die Eltern besonders wichtig. Dass wir sie darin bestärken, auf den eigenen Instinkt zu vertrauen“, führt Kley aus.
Das bedeutet für manche Eltern auch, die eigene Erwartungshaltung zu hinterfragen, beziehungsweise die Ansprüche von anderen zurückzustellen. Vor allem in den ersten Wochen brauchen Babys und Mütter nicht viel, hebt Bruns hervor: Kuschelzeit, Nahrung und nur wenig Aktivitäten. „Deutlich länger ist die Liste mit Dingen, die man nicht braucht“, unterstreicht sie. Wobei ein Rückschritt aus dem hektischen Alltag aus nachvollziehbaren Gründen nicht einfach sei.
Für die Babys bedeuten ständig aufeinander folgende Eindrücke allerdings schnell eine Reizüberflutung. „Immer wieder neue Geräusche und Gerüche müssen dann verarbeitet werden“, erklärt Kley. Ein Lied zu singen oder einen Spaziergang zu unternehmen, sei aufregend genug.
Gerade im Wochenbett bräuchten nicht nur die Babys mehr Ruhe. Die Hebammen plädieren für ein traditionelleres Verständnis des Wochenbetts als Phase der Regeneration. Die Realität sehe häufig anders aus: Schon kurz nach der Geburt beginne die Beschäftigung mit dem Ende der Elternzeit, mit der Sorge um einen Betreuungsplatz und dem Bewusstsein, dass die Zeit zu Hause mit dem Kind nicht von großer Dauer ist.
Hinzu kommen Besuchswünsche und die Vorstellungen von dem, was man gewohnt war zu tun. „Wer einen Eintopf oder frische Wäsche vorbeibringt, kann gerne kommen“, findet Bruns. Doch Mütter sollten sich häufiger zutrauen „einfach im Schlafanzug zu bleiben, keinen akkuraten Haushalt zu erwarten und auch zu sagen, wenn es gerade nicht passt“.
Weitere Infos gibt es auch bei einem Tag der offenen Tür in den neuen Praxisräumen in der Varloher Straße 1 am 17. Mai von 11 bis 14 Uhr.