Neue Erkenntnisse  Ersthelfer rettete 6-Jährige aus dem Becken des Friesenbads

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 02.05.2025 18:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei schönem Wetter ist das Friesenbad in Weener ein Publikumsmagnet. Foto: Tatjana Gettkowski/Archiv
Bei schönem Wetter ist das Friesenbad in Weener ein Publikumsmagnet. Foto: Tatjana Gettkowski/Archiv
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Nachdem am Donnerstag ein Mädchen leblos im Becken des Friesenbads gefunden wurde, gibt es neue Erkenntnisse. Ein bislang unbekannter Ersthelfer spielte dabei eine wichtige Rolle.

Weener - Dramatische Szenen haben sich am Donnerstag im Friesenbad in Weener abgespielt. Ein sechsjähriges Mädchen trieb in der Nähe der Rutsche leblos im Becken. Das Kind konnte später mithilfe eines Defibrillators erfolgreich wiederbelebt werden. Bernd Roelfs ärgert sich allerdings ein wenig über die Darstellung der Rettung des Kindes. Die sei ganz anders abgelaufen, als von Bürgermeister Heiko Abbas in einem Video in den Social-Media-Känalen der Stadt Weener dargestellt.

„Gegen 13 Uhr ist ein sechsjähriges Mädchen leblos im Kinderschwimmbecken bemerkt worden“, teilte Abbas mit. Sowohl der Bademeister als auch die assistierende Rettungsschwimmerin seien sofort tätig geworden. Glücklicherweise seien auch zwei Rettungssanitäter privat als Badegäste im Schwimmbad gewesen und halfen dem Personal. Die beiden Rettungssanitäter führten eine Wiederbelebung durch, bei dem auch ein Defibrillator zum Einsatz kam.

Ärger über Darstellung der Stadt

„Ich möchte mich nicht als Held hervortun, aber diese Darstellung ist so nicht richtig“, sagt Bernd Roelfs. Der 57-Jährige, der in Weener lebt und aufgewachsen ist, kommt nach eigenen Worten täglich ins Friesenbad. „Ich habe eine Dauerkarte und bin mitunter sogar zweimal hier.“ Am Donnerstagmittag habe er seine Runden gerade beendet. „Ich war schon auf dem Weg aus dem Wasser, als ich das Kind am Grund des Beckens sah“, erzählt er. Auch einer Frau am Beckenrand sei offenbar aufgefallen, dass etwas nicht stimmt. „Sie hat mich noch gefragt, ob das eine Übung ist.“

Daraufhin habe er das Mädchen hochgehoben und am Beckenrand abgelegt. Dort hätten sich zwei Leute als Rettungssanitäter zu erkennen gegeben und mit der Wiederbelebung begonnen. „Das lief ganz professionell“, erzählt Roelfs. Auch die Mutter sei inzwischen angekommen. „Sie war natürlich völlig aufgelöst.“ Für ihn habe es keinen Grund gegeben, sich in diesem Moment als Retter erkennen zu geben. „Ich bin einfach weggegangen.“ Einen Bademeister oder eine Rettungsschwimmerin habe er nicht gesehen.

Die Rutsche des Friesenbads ist für Kinder und Jugendliche die Hauptattraktion. Foto: Tatjana Gettkowski/Archiv
Die Rutsche des Friesenbads ist für Kinder und Jugendliche die Hauptattraktion. Foto: Tatjana Gettkowski/Archiv

Diese Zeitung hat die Verwaltung mit der Darstellung des Ersthelfers konfrontiert. „In der Tat sind wir von Herzen dankbar, dass Bernd Roelfs hier so schnell und umsichtig gehandelt hat“, sagt Bürgermeister Heiko Abbas auf Nachfrage. Durch sein beherztes Eingreifen sei es möglich gewesen, dass die beiden Rettungssanitäter, die sich privat im Bad aufhielten, sofort helfen konnten. Dabei seien sie vom Bademeister unterstützt worden.

Bürgermeister steht hinter Schwimmbadteam

„Es ist in einem so kurzem Zeitraum natürlich unmöglich, alle Einzelheiten des Ablaufs zu 100 Prozent detailliert festzustellen“, so Abbas weiter. Am Abend nach dem Zwischenfall sei der Stadt Weener noch nicht bekannt gewesen, welch wichtige Rolle Bernd Roelfs bei der Rettungsaktion gespielt habe. „Nur aus diesem Grunde wurde er in der ersten Pressemitteilung wie auch im Social-Media-Video nicht erwähnt“, erklärt Abbas. Die Stadt hat das inzwischen mit einem ergänzenden Kommentar und mit einer Erweiterung der Pressemeldung auf ihrer Homepage nachgeholt. Mit dem Video auf der Internetseite und den Social-Media-Kanälen sei man einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Dafür habe man sich aber ganz bewusst entschieden. „Wir wollten verhindern, dass es zu falschen Anschuldigungen gegenüber unserer Mitarbeiter kommt“, sagt Abbas.

Den Mitarbeitern des Friesenbads sei nichts vorzuwerfen. „Wir gehen mit unseren Kindern dort auch selbst schwimmen und vertrauen dem Team zu 100 Prozent“, so Abbas. Es gebe keinerlei Zweifel am Sicherheitskonzept und am Einsatz des Schwimmbadteams „Im Hinblick auf die Aufsichtspflicht ist festzustellen, dass sowohl der Bademeister wie auch die Rettungsschwimmerin sich zum Zeitpunkt des Vorfalls am Beckenrand im Bereich der Brücke befunden haben und sofort eingriffen, als sie den Vorfall bemerkten.“

Darüber, wie es dem wiederbelebten Mädchen geht, wurde nichts bekannt. Das Klinikum wollte eine Anfrage dazu aus Gründen des Patientenschutzes nicht beantworten.

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