Im Alter von 81 Jahren gestorben Nachruf zum Tod von Hermann-Josef Döbber aus Papenburg
Angehörige, Heimatfreunde und Vereine trauern um Hermann-Josef Döbber aus Papenburg. Er verstarb im Alter von 81 Jahren. Ein persönlicher Nachruf.
Papenburg - Als mich die Nachricht erreicht, schließt sich gewissermaßen ein Kreis. Die Situation erscheint auf zufällige Weise passend, der Anlass am vergangenen Freitagabend ist ein trauriger. Am Anstoßpunkt auf einem Nebenplatz im Papenburger Waldstadion spricht mich der Schiedsrichter unmittelbar vor dem Anpfiff der zweiten Halbzeit eines Altherrenfußballspiels an. Er will wissen, ob ich mitbekommen habe, was in der Pause die Runde machte: Hermann-Josef Döbber ist tot.
Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer
Der Heimatforscher und langjährige Mitarbeiter der Ems-Zeitung verstarb im Alter von 81 Jahren. Und obwohl er zuletzt erkrankt war, kommt die Kunde, die sich am Wochenende wie ein Lauffeuer in der Fehnstadt und darüber hinaus verbreitet, überraschend. Schließlich geht mit Döbber ein Papenburger Original.
Für mich schließt sich deshalb ein Kreis, weil auch meine erste Begegnung mit Döbber mit Fußball zu tun hat. Ende der 1970er-Jahre bin ich ein F-Jugendkicker des TuS Aschendorf. Bei irgendeinem Hallenturnier bittet er zum Mannschaftsfoto. Der entsprechende Zeitungsausschnitt samt Bildnachweis ziert das Privatalbum. Dass wir jemals zusammenarbeiten würden, kann damals niemand ahnen. Vorerst haben die weiteren Begegnungen immer mit Fußball zu tun. „Trikot in die Hose!“, heißt es freundlich, aber bestimmt, wenn die pubertierenden Jugendlichen es vor dem Ablichten mit der Kleiderordnung nicht so genau nehmen.
Begegnung in Mailand: Hermann-Josef Döbber scheint überall
Döbber scheint derweil überall zu sein: Als die A- und B-Jugend des TuS im Jahr 1990 bei der Fußball-WM in Italien ein Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft in Mailand besucht, läuft er ihnen vor dem Giuseppe-Meazza-Stadion buchstäblich über den Weg. Die Überraschung hält sich in Grenzen. Wo Fußballer aus Papenburg und Umgebung sind, ist Hermann-Josef Döbber eben nicht weit.
Ihn darauf zu reduzieren, würde ihm jedoch nicht gerecht, im Gegenteil. Neben seiner Tätigkeit als Anzeigenberater dokumentiert Döbber durch seine lokale Berichterstattung als freier Mitarbeiter für die Ems-Zeitung, den EZ- (heute EL-)Kurier das Leben zahlreicher Vereine und seiner Protagonisten. Das macht den Papenburger in Form eines Tausendsassas auf Jahrzehnte hinaus zu einem Gesicht der Redaktion. Er wird eine Institution. Wie sehr der Verstorbene für die Zeitung gelebt hat, zeigt ein Beispiel aus der vordigitalen Ära: Wenn es darum ging, dass ein Foto von einem schweren Verkehrsunfall am Nachmittag oder frühen Abend unbedingt noch in der Ausgabe für den nächsten Tag erscheinen sollte, war oft er es, der sich mit dem Auto auf den Weg machte. Ziel war das etwa 120 Kilometer entfernte Fotolabor nahe dem Druckzentrum in Osnabrück.
Eine Google-Suchmaschine aus Fleisch und Blut
Kurzum: Hermann-Josef Döbber und die Ems-Zeitung waren nahezu zeitlebens eng miteinander verbunden. Denn auch als (Un-)Ruheständler blieb er aus freien Stücken eine Art „Mädchen für alles“ und guter Geist.
Waren zum Beispiel historische Themen oder Jahrestage redaktionell neu zu bearbeiten, gab er nicht nur wertvolle Anregungen, sondern schleppte zugleich den betreffenden Zeitungsband aus dem Archiv an. Und er schlug ihn an der betreffenden Stelle auf und servierte sie dem Redakteur auf den Tisch. Kein Zweifel: Was die Geschichte der und die Geschichten in der Ems-Zeitung betrifft, war Döbber wie eine Google-Suchmaschine aus Fleisch und Blut.
Nirgends werde mehr gelogen und geheuchelt als in Nachrufen, behauptet der Volksmund. Tatsächlich konnte Hermann-Josef Döbber auch stur sein. Mitunter eckte er damit auch an und schoss in seiner Eigenwilligkeit manchmal übers Ziel hinaus.
Döbber gab Anregungen für viele Straßennamen in Papenburg
Sein Lebenswerk schmälert das allerdings nicht. Viele Straßen in Papenburg bekamen ihre Namen erst durch seine Anregung. Sie drücken aber nur einen Teil der Arbeit eines fleißigen Heimatforschers aus. Diese schlägt sich überdies in einer Reihe von Buchveröffentlichungen nieder. Die letzte erfolgte erst kurz vor Weihnachten 2024. Das Gespräch darüber für eine redaktionelle Berichterstattung für das Werk über fast 400 Jahre Papenburger Wirtschaftsgeschichte sollte unsere letzte längere Begegnung sein.
Auch danach rief Döbber gelegentlich an, wenn er – ganz mit der Zeit gegangen – einen orthografischen Fauxpas oder ein fehlendes Wort in einem unserer Online-Artikel entdeckte oder eine Themenidee hatte. Und er hatte selbst weiter viel vor. Ende 2030 sollte ein weiteres Buch erscheinen. Doch die Anrufe wurden irgendwann weniger. Schließlich blieben sie ganz aus. Niemand wird diese stumme Lücke füllen.