Neues Quartier für Jemgum Millionen für die „Ziegelstadt“ – was ist und wie es weitergeht
Jemgum baut für die Zukunft: Auf dem Ziegeleigelände soll ein neues Quartier entstehen. Was bislang geschehen ist und wie es weitergeht, darum ging es bei einer Informationsveranstaltung.
Jemgum - In der Gemeinde Jemgum soll auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Reins ein neues Quartier entstehen. Doch nicht nur das: Auch angrenzende Areale im Ortskern wie etwa das auch historisch bedeutsame Sieltief, der versiegelte Marktplatz und weitere Leerstände sollen im Rahmen der Städtebaufördermaßnahme „Ziegelstadt“ entwickelt und aufgewertet werden. Rund 15 Jahre wird das zukunftsweisende Projekt die Gemeinde beschäftigen, annähernd zehn Millionen Euro werden dafür ausgegeben.
Was ist die Grundlage für das Projekt?
Eine städtebauliche Erneuerung in dieser Größenordnung ist für eine Gemeinde wie Jemgum ohne finanzielle Förderung durch Bund oder Land nicht zu stemmen. Aus diesem Grund wurde bereits im Frühjahr 2022 ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept von der Oldenburger re.urban Stadterneuerungsgesellschaft mbH erarbeitet, das als Grundlage diente, um Fördergeld für den Stadtumbau zu beantragen. Dargestellt wurden in diesem Konzept nicht nur die vorhandenen städtebaulichen Missstände. Aufgestellt wurden auch Ziele, die die Gemeinde Jemgum erreichen will, und Vorschläge, wie diese auch erreicht werden könnten.
Was sind die Ziele des Projekts?
Entstehen soll ein Ortskern mit moderner Mischnutzung, erläuterte Karen Strack, Geschäftsführerin der re.urban Stadterneuerungsgesellschaft mbH bei einer Bürgerinformationsveranstaltung am Dienstagabend, 22. April 2025, im Dörfergemeinschaftshaus in Jemgum. Der Schwerpunkt soll dabei auf dem Wohnen auch mit neuen Wohnformen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen liegen. Soziale Infrastruktur, Dienstleister und Einzelhandel können ebenso Teil der Ortsmitte werden wie auch Gewerbebetriebe. Die touristische Infrastruktur soll attraktiver und ergänzt werden, Frei- und Grünflächen aufgewertet und vernetzt. Um die Aufenthaltsqualität zu verbessern, ist auch die Entlastung des Straßenraums von parkenden Fahrzeugen vorgesehen.
Was ist zu tun, um die Ziele des Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes zu erreichen?
Ein Meilenstein und Grundvoraussetzung für das Projekt war der Erwerb der Flächen des ehemaligen Ziegeleigeländes im vergangenen Jahr. Nachdem ein Schadstoffkataster erstellt wurde, muss jetzt der Abriss der Gebäude folgen. In einem folgenden Schritt muss dann die Bauleitplanung erfolgen. Erhalten bleibt die denkmalgeschützte Villa – das Helgenhaus –, die saniert werden muss. Was dann noch fehlt, sind Straßen und Wege sowie der Verkauf der Grundstücke an einen oder mehrere Investoren. Wer zum Zuge kommt, könnte in einem Vergabeverfahren anhand passender Konzepte ausgewählt werden. In der Deichschutzzone sind öffentliche Grünanlagen und ein Regenrückhaltebecken denkbar.
Verändern soll sich auch der öffentliche Raum rund um den alten Hafen. Vorgesehen ist hier, sowohl den Marktplatz als auch den Bereich des alten Hafenbeckens neu zu gestalten. Auf dem Grundstück des Milch- und Molkereimuseums schwebt den Planern der Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses durch einen privaten Investor vor. Westlich der Ziegeleistraße könnte eine Lohne entstehen. Auch privater Neubau und die Sanierung denkmalgeschützter Häuser in diesem Bereich werden angesprochen.
Was kostet das Ganze die Gemeinde Jemgum?
Derzeit gehen die Planer von einem Gesamtvolumen in Höhe von rund 9,7 Millionen Euro aus. Nicht durch Einnahmen – etwa aus Grundstückverkäufen – gedeckt sind etwa 8,4 Millionen Euro. Bisher wurden Bruttokosten von 2,81 Millionen Euro durch die Städtebauförderung bewilligt. 90 Prozent dieser Summe kamen als Zuschuss vom Bund oder vom Land Niedersachsen.
Wie können sich die Bürger in das Projekt einbringen?
Zwar gibt es bereits eine Planung, da dies eine Voraussetzung war, um überhaupt in den Genuss einer Städtebauförderung zu kommen. Aber noch sei „nichts in Stein gemeißelt“, wie Bürgermeister Hans-Peter Heikens betonte. Die Bürger sollen bei der weiteren Planung durchaus mitreden. Gelegenheit dazu soll es in offenen Formaten bei mehreren Schritten geben. Dabei könnten sich die Teilnehmer ohne verbindliche Verpflichtungen je nach Interessenslage einbringen. Bereits im Juni könnte es eine erste Beteiligungsversammlung geben, bei der über das Konzeptvergabeverfahren zur Entwicklung des Ziegeleigeländes diskutiert werden soll. Dort sollen bereits durch ein Planungsbüro entwickelte Ideen diskutiert und ergänzt werden. Diskutiert werden könnte dort etwa über die Art oder das Maß der baulichen Nutzung oder über architektonische Vorgaben. Weitere solcher Beteiligungsversammlungen seien möglich, wenn es etwa um die Anbindung und Erschließung des neuen Quartiers oder um die Gestaltung des alten Hafens und des Marktplatzes gehe. Allerdings, mahnte Heikens, müssten sich die Wünsche am Ende auch im Rahmen des wirtschaftlich Sinnvollen und für mögliche Investoren Machbaren bewegen. „Ich glaube nicht, dass wir jemanden finden, der uns eine Wellness-Oase baut“, sagte der Bürgermeister.