Osnabrück Nichts für Perfektionisten: Was bedeutet der Spruch „Aus der Lamäng“?
Früher war diese Redewendung oft zu hören: Man machte etwas aus der Lamäng? Heute wissen nur noch wenige Leute, was der Spruch bedeutet und woher er kommt. Wir erklären die Hintergründe.
Unter dem Label „Wortklauber“ finden Sie immer eine fein ziselierte Kolumne, genau vorbereitet, bestens durchdacht. Eine Kolumne, einfach so, aus der Lamäng? Gibt es bei mir nicht. Oder vielleicht manchmal doch? Zumindest insoweit, dass mich ein altes Wort wie eine Inspiration anwehen muss, damit ich es interessant finde und zu schreiben beginne.
Wer etwas aus der Lamäng machte, der handelte einfach drauflos, der improvisierte, fing an, ohne lange nachzudenken. Das konnte etwas Befreiendes haben – oder einfach aus der Not geboren sein. Ganz gleich wie – aus der Lamäng zu handeln, hatte nichts Anrüchiges.
Warum schreibe ich in der Form der tiefsten Vergangenheit? Weil die Redewendung zu den aussterbenden Sprüchen zu gehören scheint. Ich finde das schade, weil das Wort Lamäng ganz unterschiedlich gebraucht werden konnte. Wer etwas aus der Lamäng, also aus dem Handgelenk machte, konnte als genial und begabt gelten – oder als wurstig und schlampig.
Letztere Bedeutung passt zum Wort selbst. Lamäng? Was soll das heißen? Das Wort klingt, als sei es aus einer ganz anderen Vokabel hastig adaptiert, allzu schnell gedrechselt worden. Und das trifft in diesem Fall auch zu. Eigentlich muss es heißen: Jemand macht etwas à la main, aus der Hand heraus. Das französische Wort für Hand, la main, ergibt phonetisch deformiert das deutsche Lamäng.
Dieses Wort gehört in eine Gruppe mit Wörtern wie den Fisimatenten oder Schisslaweng. Sie alle sind aus dem Französischen entlehnt und dabei so adaptiert worden, dass das französische Original noch ein wenig durchschimmert. Ist es ein Zufall, dass diese Wörter allesamt unmodern werden? Leider nein. In diesem Prozess spiegelt sich der abnehmende Einfluss der französischen Sprache auf das Deutsche.
C´est très dommage, das ist sehr schade, möchte ich da spontan sagen. Es ist noch gar nicht so lange her, da machte man immer wieder einmal etwas aus dem Lamäng, auf Zuruf, wie man heute sagen würde. Ich finde diese Ausdrucksweise charmant, weil sie die Improvisation adelt, den schnellen Einfall würdigt. Nur der „Wortklauber“, der ist nie aus der Lamäng gemacht. Kein Gedanke!