Ärger in Moormerland Kleine Baustelle – große Folgen im Zentrum
Die Königsstraße in Moormerland ist wegen Brückenbauarbeiten für Monate gesperrt. Die Umleitungen gefallen nicht jedem – darauf hat die Gemeinde reagiert. Das löst neuen Ärger aus.
Warsingsfehn - Eine der wichtigsten Verbindungsstraßen im Zentrum von Moormerland, die Königsstraße, ist zwischen der Einmündung Rudolf-Eucken-Straße und dem Kreisverkehr in Veenhusen für den Durchgangsverkehr gesperrt. Der Grund sind Sanierungsarbeiten an der Brücke über den Sauteler Kanal, die bis Oktober dauern sollen. Eine Umleitung ist ausgeschildert über die Friesenstraße, Dr.-Warsing-Straße und Hemme-Janssen-Straße – aber die befolgen nicht alle.
Denn Anlieger dürfen natürlich auch dort weiterfahren, wo die Absperrbaken stehen. Das haben offenbar viele andere Auto- und Lastwagenfahrer ausgenutzt und sich einen Weg abseits der eigentlichen Umleitung durch die Siedlungen südlich des Kanals gesucht. Anwohner dieser Straßen waren genervt davon: „Bei uns stand das Telefon ab dem ersten Tag der Sperrung nicht mehr still“, sagt Jörg Lorenz, Erster Gemeinderat und allgemeiner Vertreter von Bürgermeister Hendrik Schulz. Die Beschwerden ans Rathaus hätten kein Ende genommen – und nicht immer sei der Tonfall sachlich gewesen.
Situation in der Emsstraße zu riskant?
Betroffen war offenbar vor allem die Emsstraße, der letzten Abbiegemöglichkeit vor dem Kanal. Durch diese Straße kommt man von der Königsstraße geradenwegs in die Dollartstraße und von dort weiter zur Mühlenstraße – also ins Zentrum mit den Geschäften und Arztpraxen. Das Problem: „Diese Straße ist aber für solchen Verkehr nicht ausgelegt“, sagt Lorenz. Anwohner hätten gefährliche Situationen beschrieben, aber auch die Gemeinde hielt die Situation für zu riskant. „Teilweise wurde wohl auch zu schnell gefahren“, so der Erste Gemeinderat.
Deshalb griff die Gemeinde Moormerland durch und sperrte die Emsstraße und die Dollartstraße ab. Seither kann man diese „Abkürzung“ nicht mehr nehmen, vorläufig bis zum 6. Oktober. Aber das gefällt auch nicht jedem. Ein Anrufer monierte die Sperrung bei einem Anruf in unserer Redaktion. Er wohnt westlich der Königsstraße und muss nun die offizielle Umleitung benutzen. „Das bedeutet, dass ich ins Zentrum statt 1,4 Kilometer nun 5,5 Kilometer fahren muss“, schildert er. Mit seiner Kritik sei er im Rathaus aber auf „taube Ohren“ gestoßen.
Emsstraße in Warsingsfehn ist gesperrt
Die Gemeinde will laut Lorenz die Sperrung der Ems- und Dollartstraße jedoch beibehalten, um die Sicherheit dort zu gewährleisten, wie Lorenz sagt: „Es gibt auch die Sorge, dass die Straße beschädigt wird, wenn dort schwere Lastwagen durchfahren.“ Er verweist außerdem auf die massiven Beschwerden von den Anwohnern der Emsstraße. „Mit den Umwegen durch die Baustelle muss man bis Oktober leben“, sagt er. Von den Bauarbeiten an der Brücke und die Sperrung der Königsstraße sei die Gemeinde „überrascht worden“, wie Lorenz sagt.
Beides liegt in der Hand des Landkreises Leer. Dieser hatte Ende März angekündigt, dass die Betonbrücke saniert werden soll. Dort bestreitet man, die Gemeinde nicht informiert zu haben: „Dass der Landkreis die Brücke über dem Sauteler Kanal sanieren will, war der Moormerländer Verwaltung seit Sommer 2024 bekannt. Insofern können wir nicht ganz nachvollziehen, dass die Gemeinde sich jetzt überrascht zeigt“, teilt Landkreissprecher Philipp Koenen mit.
Umgekehrt habe die Gemeinde den Landkreis „leider nicht über ihre Absicht informiert, ihre Radfahrer- und Fußgängerbrücke über dem Kanal zu sanieren, so dass der Landkreis dieses Vorhaben nicht in die eigene Planung einbeziehen konnte“, so Koenen weiter. Die Sanierungsarbeiten an der Brücke Königsstraße umfassen laut Landkreis den Abriss und Neubau der Betonkappen, die Erneuerung des Abdichtungssystems sowie des Asphalts auf dem Überbau. Außerdem wird das östliche Geländer erneuert und die Betonabplatzungen am Stahlbetonträger werden saniert.
Umwege auch für Radfahrer
Ärgerlich ist, dass die Arbeiten an der Brücke zusammenfallen mit der Sanierung der Fußgänger-/Radfahrerbrücke an der Ilmenaustraße, die die Gemeinde ebenfalls jetzt begonnen hat. Sonst wäre der Weg zumindest für Radfahrer und Fußgänger ins Zentrum deutlich kürzer gewesen. Doch der Auftrag war bereits erteilt, die Arbeiten haben begonnen. Bei einer früheren Information an die Gemeinde hätte sie die Arbeiten in der Ilmenaustraße anders terminieren können, so der Erste Gemeinderat.
Welche Probleme bei einer Brückensanierung auftreten können, hat die Gemeinde Moormerland selbst erfahren. Sie hatte 2022 bis 2023 eine ähnliche Brücke über den Sauteler Kanal an der Mühlenstraße sanieren lassen. Das erwies sich als weit aufwändiger als erwartet. War man anfangs davon ausgegangen, dass die Brücke nach wenigen Wochen wieder frei wäre, dauerte die Sanierung fast ein Jahr.