Bau in Warsingsfehn  Das neue Gesundheidshuus überragt alles

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 23.04.2025 08:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Von oben werden die Ausmaße des Gebäudes deutlich: Das Gesundheidshuus hat vier Etagen und ein Staffelgeschoss. Real-Geschäftsführer Michael Otto hat uns den Rohbau gezeigt. Foto: Klaus Ortgies
Von oben werden die Ausmaße des Gebäudes deutlich: Das Gesundheidshuus hat vier Etagen und ein Staffelgeschoss. Real-Geschäftsführer Michael Otto hat uns den Rohbau gezeigt. Foto: Klaus Ortgies
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Das Gesundheidshuus in Warsingsfehn wächst heran und wird mit seiner Größe und Ausstattung das Zentrum Moormerlands prägen. Wir zeigen, was dort entsteht.

Warsingsfehn - Bisher haben das Rathaus und das Fehntjer Zentrum die Mitte von Warsingsfehn dominiert. Aber dazwischen ist in den vergangenen Monaten das Gesundheidshuus in die Höhe gewachsen und lässt das Einkaufszentrum klein aussehen. Mit vier Stockwerken und einem Staffelgeschoss sowie einer Nutzfläche von mehr als 8000 Quadratmetern wird das Gebäude das größte Wohn- und Geschäftshaus in Moormerland sein. Gebaut wird es von Real Immobilien aus Moormerland, und Geschäftsführer Michael Otto hat uns über die Baustelle geführt.

Insgesamt mehr als 8000 Quadratmeter Nutzfläche wird das größte Gebäude Moormerlands bekommen. Ende des Jahres soll alles fertig sein. Foto: Klaus Ortgies
Insgesamt mehr als 8000 Quadratmeter Nutzfläche wird das größte Gebäude Moormerlands bekommen. Ende des Jahres soll alles fertig sein. Foto: Klaus Ortgies

Dort wird noch an allen Ecken und Enden gearbeitet. Aber: „Von draußen sieht alles noch sehr nach Baustelle aus. Drinnen sind aber viele Räume schon so weit, dass in zwei Wochen Fliesenleger und Maler kommen können“, sagt Otto. Wir stehen im ersten Obergeschoss vor einer Tür, hinter der später vielleicht ein Arzt praktizieren wird. Tatsächlich ist hier der Estrich schon drin, aber Türen fehlen noch. Wer wird hier mal einziehen?

Viele Praxisräume schon vergeben

Das wird Otto uns nicht verraten. Namen der künftige Mieter darf er noch nicht preisgeben. Von den 13 Praxen seien acht bereits vergeben, weitere drei Objekte seien reserviert, sagt er. „Es sind einige interessante Felder vertreten“, sagt der Geschäftsführer, neben Allgemeinmedizinern oder Fachärzten könnten zum Beispiel Physiotherapeuten und andere Gesundheitsdienstleistungen dabei sein. Die Mieter konnten sich entscheiden, ob sie 130, 180 oder 360 Quadratmeter brauchen.

Überall wird noch gearbeitet: Hier fließt in einer künftigen Praxis der frische Estrich über die Schläuche für die Fußbodenheizung. Foto: Klaus Ortgies
Überall wird noch gearbeitet: Hier fließt in einer künftigen Praxis der frische Estrich über die Schläuche für die Fußbodenheizung. Foto: Klaus Ortgies

Was unter dem Estrich liegt, können wir ein paar Meter weiter sehen: Labyrinthisch wirken die Kunststoffschläuche, die auf dem Fußboden verlegt sind. Sie werden später für Wärme sorgen. Arbeiter sind dabei, die frische Masse darüber zu verteilen und zu glätten. Die Estrichmischung fließt aus einem dicken Schlauch, der von außen durchs Treppenhaus kommt, die Pumpe unten vor dem Haus ist bis hier zu hören. Noch ist alles offen. So hell werde es aber bleiben, sagt Otto.

Gemeinde Moormerland fördert Ärzte

In das Gesundheidshuus werden mehrere Arztpraxen einziehen. Aus diesem Grund hat die Gemeinde Moormerland ihren Förderetat für die Neuansiedelung von Ärzten oder Praxisübernahmen für das Jahr 2025 erhöht. In anderen Jahren wurden dafür jährlich 60.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Dieser Betrag wurde laut Bürgermeister Hendrik Schulz meistens komplett abgerufen.

Weil mit dem Bau des Gesundheidshuus damit zu rechnen sei, dass gleich mehrere Ärzte dort eine Praxis neu öffnen, wurde der Förderbetrag auf 200.000 Euro für dieses Jahr hochgesetzt. Die Förderung können die Ärzte auf Antrag in Anspruch nehmen. Sollte der höhere Betrag nicht abgerufen werden, verfällt er.

Wohnungen für Senioren

Denn die Front vor dem Treppenhaus, die vom Marktplatz aus zu sehen ist, wird aus Glas bestehen. Die Treppe und zwei Aufzüge werden für Patienten zugänglich sein. Wir steigen die Treppen hinauf bis ganz nach oben. Dieses Staffelgeschoss ist etwas hinter die Fassade versetzt. Die Wohnungen, die hier entstehen, werden eine großzügige Dachterrasse haben. „Von diesen Penthäusern aus hat man eine gute Aussicht“, sagt Otto. Das gilt ebenso für den Gemeinschaftsraum, der zur Marktplatzseite entsteht.

Er kann später von allen Mietern genutzt werden. „Wer eine Wohnung hat, kann seine Familie zum Geburtstag einladen“, nennt Michael Otto ein Beispiel. Die Ärzte könnten den Raum für Mitarbeiterschulungen oder Vorträge buchen. In der übrigen Zeit können Bewohner sich rund um die Uhr dort aufhalten. Bis zu 60 Personen haben dort Platz. Der Raum wird komplett möbliert und hat ebenfalls eine Dachterrasse. „Dieser Raum ist eigentlich das Herzstück des Gesundheidshuus“, sagt Otto.

Dieses wird der Gemeinschaftsraum, der von Mietern und Praxisinhabern genutzt werden kann – mit Blick auf den Marktplatz, sagt Michael Otto. Foto: Klaus Ortgies
Dieses wird der Gemeinschaftsraum, der von Mietern und Praxisinhabern genutzt werden kann – mit Blick auf den Marktplatz, sagt Michael Otto. Foto: Klaus Ortgies

Es wird mit Eisspeicher geheizt

Er will uns aber von hier oben noch etwas anderes zeigen und führt uns an die Seite, von der aus man auf die Kinderarztpraxis und das Bistro Tandour herabsieht. Wo früher, als dort noch die Sparkasse war, der Parkplatz lag, blicken wir auf einen riesigen Zylinder, der im Boden versenkt ist. Zwölf Meter Durchmesser und eine Höhe von fünf Metern hat er. Was ist das? Die Antwort ist verblüffend: Es ist ein Eisspeicher.

Dieser Eisspeicher mit einem Durchmesser von zwölf Metern ist Kernstück des Heizsystems. Er wird später komplett unter der Einfahrt zur Tiefgarage verschwinden. Foto: Klaus Ortgies
Dieser Eisspeicher mit einem Durchmesser von zwölf Metern ist Kernstück des Heizsystems. Er wird später komplett unter der Einfahrt zur Tiefgarage verschwinden. Foto: Klaus Ortgies

Noch verblüffender: Dabei handelt es sich um das Heizsystem. Es funktioniert CO2-frei und nutzt die Kristallisationsenergie, die beim Gefrieren und Auftauen von Wasser freigesetzt wird. Im Winter wird das Gebäude erwärmt, im Sommer gekühlt. Über Wärmetauscher wird einer in dem Speicher zirkulierenden Flüssigkeit die Wärme entzogen, die sich zum Heizen und für warmes Wasser nutzen lässt. Der gewaltige Zylinder im Boden wird später nicht mehr zu sehen sein. „Darüber verläuft die Einfahrt zur Tiefgarage“, sagt Otto.

Das Gesundheidshuus ist das größte Projekt, das Real Immobilien bisher umgesetzt hat. Foto: Klaus Ortgies
Das Gesundheidshuus ist das größte Projekt, das Real Immobilien bisher umgesetzt hat. Foto: Klaus Ortgies

Wir schauen uns nun Wohnungen an, die in dem rückwärtigen Gebäudeteil entstehen. Real Immobilien ist frisch in die Vermarktung eingestiegen: „Auf der Gewerbeschau Moormerland am vergangenen Wochenende haben wir das Angebot erstmals öffentlich vorgestellt.“

Ein Blick in den Flur des Trakts mit den Wohnungen. Foto: Klaus Ortgies
Ein Blick in den Flur des Trakts mit den Wohnungen. Foto: Klaus Ortgies

Die Appartements sind für das Wohnen im Alter gedacht, die Größen reichen von 30 Quadratmeter Ein-Zimmer-Wohnungen bis zu 85 Quadratmeter mit zwei Zimmern. Letztere sind für Paare gedacht, die kleinen eher für Pflegebedürftige. Real arbeitet mit dem Senioren- und Pflegezentrum Eben-Eser zusammen, über das Leistungen angeboten werden und das ein eigenes Büro bekommt.

Real-Geschäftsführer Michael Otto hat den Bau des Gesundheidshuus' von Anfang an betreut. Er hat bereits viele Aufnahmen mit dem Handy davon gemacht. Foto: Klaus Ortgies
Real-Geschäftsführer Michael Otto hat den Bau des Gesundheidshuus' von Anfang an betreut. Er hat bereits viele Aufnahmen mit dem Handy davon gemacht. Foto: Klaus Ortgies

Garage für Autos, Fahrräder und Seniorenmobile

Alle Wohnungen haben eine Loggia oder ein Dachterrasse sowie ein Bad. Die Etagen sind dabei vom Grundriss gleich, es führt jeweils ein langer Flur zu den Eingängen. Wer vorne durch den Haupteingang kommt, kann übrigens nicht einfach in den Wohnungstrakt gelangen. „Dazu bekommen nur die Bewohner einen Zugang“, versichert Otto.

Die Tiefgarage. Sie wird später nur den Nutzern des Gebäudes zur Verfügung stehen. Foto: Klaus Ortgies
Die Tiefgarage. Sie wird später nur den Nutzern des Gebäudes zur Verfügung stehen. Foto: Klaus Ortgies

Die Tiefgarage, in die wir inzwischen hinabgestiegen sind, steht ebenfalls nur den Nutzern des Gebäudes zur Verfügung, also Mietern, Ärzten und Personal. 52 Pkw können dort abgestellt werden, außerdem gibt es einen separaten Fahrradkeller sowie eine Ladestation für Elektro-Seniorenmobile. Wir kommen wieder ins Erdgeschoss und zum Haupteingang.

So sieht der Blick in eine Praxis aus. In diesen Räumen werden in wenigen Tagen schon Fliesenleger und Maler tätig. Foto: Klaus Ortgies
So sieht der Blick in eine Praxis aus. In diesen Räumen werden in wenigen Tagen schon Fliesenleger und Maler tätig. Foto: Klaus Ortgies

Mehrere Arbeiter kommen uns entgegen, sie grüßen freundlich. Wann kommen denn die ersten Mieter und Kunden durch diese Tür? Geschäftsführer Otto sagt, dass die Arbeiten leicht im Verzug sind. „Die Arztpraxen werden voraussichtlich im Juli fertig sein“, sagt er, die Wohnungen wohl zum Ende des Jahres. Wir betreten noch einen großen Raum: „Hier kommt ein besonderes Angebot aus dem Bereich Gesundheit hinein“, sagt Otto geheimnisvoll – mehr verrät er nicht.

Höher hinaus kommt man in Warsingsfehn bisher nicht: der Blick von der Dachterrasse auf den Platz hinter dem Rathaus und das Fehntjer Zentrum. Foto: Klaus Ortgies
Höher hinaus kommt man in Warsingsfehn bisher nicht: der Blick von der Dachterrasse auf den Platz hinter dem Rathaus und das Fehntjer Zentrum. Foto: Klaus Ortgies

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