Osnabrück NS-Weihnachtsringsendungen: Propaganda unterm Festbaum
Die NS-Weihnachtsringsendungen verbanden Front und Heimat – eine Mischung aus Sentimentalität und Propaganda. Doch hinter der festlichen Fassade steckte pure Manipulation.
Unter der Überschrift: „90 Millionen feiern gemeinsam - 40 Mikrophone verbinden Front und Heimat“ wurde am 24. Dezember 1940 von 16 bis 17 Uhr die erste Weihnachtsringsendung in Deutschland ausgestrahlt. Ohne Frage eine rundfunktechnische Meisterleistung in Berlin, mit vielen Liveschaltungen, genau geplant, Zufälle unerwünscht.
Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda von Joseph Goebbels hatte klare Vorgaben gemacht: „Herzerfrischende, keineswegs sentimentale Grüße von einigen sorgfältig ausgewählten Kameraden...“ Diese deutschen Soldaten meldeten sich von Norwegen bis Afrika, von Frankreich bis Polen.
Hier zwei Beispiele: „Hier in Narvik ist das Weihnachtsfest für uns, die wir die Polarnacht zum ersten Mal erleben von ganz besonderem Reiz.“ Oder: „Wir feiern hier Weihnachten zusammen mit den Kameraden der Luftwaffe. In der kleinen Hütte, von der fast nur noch das Dach aus dem Schnee hervorlugt, ist es ganz mollig warm.“ Ausgesuchte und linientreue Soldaten mit zum Teil vorformulierten Statements.
Das galt auch für die Antworten der Familien in der Heimat: „Mein lieber Sohn Georg, ich wünsche dir ein gesundes Weihnachtsfest. Und auch Frau Bojanowski.“ Oder einfach nur: „Hallo Papa, Dein Goldtöchterchen wünscht dir frohe Weihnachten“. Und der Moderator bedankte sich brav, „dass uns der Führer gesandt ward, das deutsche Volk aus tausendjährigem Schicksal zu erlösen.“
Im Dezember 1940 war Adolf Hitler auf dem Höhepunkt seiner Macht. Polen und Frankreich waren besiegt, viele Länder besetzt. Gekämpft wurde nur vereinzelt. So lautete eine weitere Vorgabe des Ministeriums: „Weihnachtliches Brauchtum nur in Verbindung mit Bekenntnissen zu Volk und Führer“. Denn mit Religion und Christentum hatten die Nazis nichts am Hut.
Das galt auch für die Weihnachtringsendungen 1941 und 1942. Darin gab es noch mehr Propaganda als Weihnachtslieder. Live-Schalten zum Beispiel in den Kessel von Stalingrad waren gar nicht mehr möglich. Viele Grüße wurden aufgezeichnet und geschnitten. Zwar hatte das Nazireich im Dezember 1942 seine größte Ausdehnung, doch der Krieg war längst an einem Wendepunkt. In der Heimat begannen die Bombenangriffe der Alliierten auf deutsche Städte.
Kurz vor der letzten Ringsendung Heiligabend 1943 war das Funkhaus in Berlin durch britische Bomben sehr stark beschädigt worden, sodass die Sendung komplett vorproduziert werden musste. Bald schon galt der Schlusssatz von 1940 „… damit ist unsere Sendung beendet“ auch für den Krieg und Nazi-Deutschland.