Onabrücker Bunt wie das Programm: Diese Menschen trifft man beim Osnabrücker Popsalon
Wer besucht eigentlich den Popsalon in Osnabrück? Und warum? Was macht den besonderen Reiz des Club-Festivals aus? Wir haben uns beim Auftakt am Donnerstag umgesehen und umgehört.
Weitgereist aus dem hessischen Hinterland, kurzzeitig geflohen aus Münster oder von ihren Töchtern animierte Familienväter: Der Osnabrücker Popsalon bringt musikbegeisterte Menschen unterschiedlichen Alters und aus unterschiedlichen Regionen zusammen. Schon beim Auftakt am Donnerstag, 10. April, wurde deutlich: Das Publikum ist ähnlich bunt gemischt wie das Programm.
„Bei der großen Menge an Musikern ist immer für alle etwas dabei“, sagt Norbert aus Osnabrück. Der ehemalige Berufsschullehrer ist seit drei Jahren in Rente und genauso lange treuer Besucher des Festivals. Auf den Geschmack gebracht haben ihn die Kinder, die bereits noch sehr viel länger Popsalon-Fans sind. Zum ersten Mal ist aus diesem Grund auch Ansgar dabei, dessen Tochter mit der von Norbert befreundet ist.
Während die jüngere Generation sich gezielt Konzerte ausgesucht hat, lassen sich die beiden Väter, die wir in der Botschaft treffen, einfach treiben – ganz bewusst ohne die Kinder. Zu Hause sieht man sich dann irgendwann wieder und tauscht sich aus. Zum Beispiel über das Konzert von „Steintor Herrenchor“ in der Lagerhalle, das die Väter wegen des Bandnamens „irgendwie angesprochen“ hat, wie sie augenzwinkernd sagen.
Von Ort zu Ort fahren sie mit dem Fahrrad. Genau wie die beiden Schülerinnen Mayra und Leonie, die sich vom gemeinsamen Hip-Hop-Tanzen kennen. Für die eine ist es bereits der vierte, für die andere der erste Popsalon. Sie freuen sich besonders auf das Eröffnungskonzert von Nichtseattle im Haus der Jugend, aber auch auf den Deutsch-Pop von Wilhelmine am Samstagabend in der Osnabrück-Halle.
Der Reiz des Festivals besteht für die Freundinnen vor allem darin, neue Künstler kennenzulernen. Sie sind offen für Unbekanntes – und das sind auch die drei Osnabrücker Damen eine oder zwei Generationen darüber, die wir ebenfalls vor dem Haus der Jugend antreffen. Melanie, Sigrid und Birgit aus Osnabrück sind Wiederholungstäterinnen, wie sich herausstellt, als sie von diversen Entdeckungen aus den vergangenen Jahren berichten – von Kat Frankie über Anna Depenbusch bis zu Bilderbuch.
In diesem Jahr sind Melanie, Sigrid und Birgit „Team Buntspecht“ und sich einig, dass sie die Band aus Wien interessant finden. Ebenfalls aus der österreichischen Hauptstadt kommen „Endless Wellness“, eine Formation, die Patrick aus Münster bereits kennt. Mit seiner Partnerin Laura hat er sich ein Tagesticket und eine Kinderbetreuung besorgt, um endlich mal ein bisschen Popsalon-Luft zu schnuppern. „In Münster gibt es nichts Vergleichbares“, sagt der Sonderpädagoge.
Über gleich zwei Landesgrenzen führte der Weg von Ergotherapeut Stefan und Lehramts-Studentin Emma nach Osnabrück. Die beiden Endzwanziger aus dem hessischen Marburg, die „gern Indie-Zeug“ hören, sind schon im vergangenen Jahr auf das „tolle Line-up“ des Festivals aufmerksam geworden, hatten aber da noch nicht die Zeit dafür gefunden. Nun sind sie nicht nur zum ersten Mal beim Popsalon, sondern auch in Osnabrück – und wollen sich noch das Museumsquartier, die Altstadt und den Schlossgarten angucken.
„Ein Festival dieser Art gibt es sonst nur in Metropolen“, sagt Klaus Fiehe. Als 1Live-Radiolegende und Ex-Geier-Sturzflug-Saxofonist lebt er seit rund drei Jahren in Osnabrück und ist seitdem jedes Mal beim Popsalon dabei. Als „ausnehmend charmant“ und „angenehm fußläufig“ charakterisiert er das Club-Festival für alle Generationen und Geschmäcker.
Es biete ein „gut zusammengestelltes Programm für alle, die ihre Neugier noch nicht verloren haben“ – damit bringt Fiehe auf den Punkt, was so viele unterschiedliche Menschen zum Popsalon nach Osnabrück treibt.