Berlin  25 Jahre ETF – und Deutschland spart immer noch wie 1950

Hannah Petersohn
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Von Hannah Petersohn
| 11.04.2025 05:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bereits seit einem Vierteljahrhundert ist der ETF-Handel an der Deutschen Börse möglich – Deutsche bleiben jedoch Anlegermuffel. Foto: dpa/Arne Dedert
Bereits seit einem Vierteljahrhundert ist der ETF-Handel an der Deutschen Börse möglich – Deutsche bleiben jedoch Anlegermuffel. Foto: dpa/Arne Dedert
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Vor 25 Jahren startete der erste ETF an der Deutschen Börse – und machte das Investieren plötzlich einfach, transparent und günstig. Doch noch immer meiden viele Deutsche den Aktienmarkt aus Angst vor Verlusten. Dabei ist Abwarten viel riskanter als Anlegen.

Lange war der Aktienmarkt ein exklusiver Club. Deutsche Anleger, die sich in den 90ern aufs Börsenparkett wagten, brauchten entweder Expertenwissen – oder zahlten hohe Gebühren für Fondsmanager, deren Renditen oft nicht einmal den Markt schlugen. Hinzu kamen Ausgabeaufschläge. Zumal komplexe Börsenprodukte nur wenig Transparenz versprachen.

Erst mit dem Start des ersten europäischen ETFs („Exchange-Traded Fund“, zu Deutsch: börsengehandelter Fonds) am 11. April 2000 an der Deutschen Börse änderte sich das grundlegend. Indexfonds machten den Zugang zu Aktien einfacher, günstiger – und vor allem demokratischer.

Zwar haben ETFs zuletzt während Corona einen wahren Boom erfahren, doch auch nach 25 Jahren hat die Revolution nur bedingt gezündet: Noch immer investiert nur etwa jeder fünfte Deutsche in Aktien oder Fonds. Die einen atmen angesichts aktueller Börsensinkflüge jetzt womöglich erleichtert auf – weil ihr Geld scheinbar sicher auf dem Girokonto liegt. Die anderen blicken mit tiefen Sorgenfalten auf ihr Depot.

Beides ist irrational. Denn das Geld auf dem Konto verliert durch die Inflation real an Wert. Und ein breit aufgestelltes, globales ETF-Portfolio bedarf keiner Panik – sondern eines kühlen Kopfes und einer gewissen stoischen Gelassenheit. Denn bisher hat sich der Markt noch von jeder Krise erholt. Abwinken können vor allem jene, deren Portfolio nicht nur US-Giganten abbildet, sondern auch Schwellenländer und kleinere Unternehmen berücksichtigt.

Selbst wer „nur“ in den amerikanischen Markt investiert hat, sollte wissen: Läuft es dort dauerhaft schlecht, wird der ETF automatisch umgeschichtet. Der Markt sortiert sich selbst. Merke: Aktien sind kein Spielcasino – sie sind das Eintrittsticket zur Teilhabe an wirtschaftlichem Fortschritt. Wer draußen bleibt, zahlt trotzdem. Nur eben anders.

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