Badbergen/ Hamburg Von Doktorspielen keine Rede mehr: Kita in Badbergen veröffentlicht neues Sexualkonzept
Nach heftigen öffentlichen Reaktionen hat die Kita St. Georg in Badbergen ihr sexualpädagogisches Konzept vorübergehend von ihrer Website genommen. Jetzt ist es wieder online und einige viel kritisierte Sätze fehlen.
Als „pervers” bezeichnete die AfD-Politikerin Vanessa Behrendt das sexualpädagogische Konzept der Kita in Badbergen im Landkreis Osnabrück. Die Landtagsabgeordnete störte sich unter anderem an dem Satz „Die Kinder entdecken ihre Genitalien als Lustquelle und deren Stimulation durch eigene Berührung”.
Behrends Kritik in den sozialen Netzwerken erreichte hunderttausende Menschen. Die Kita nahm das Konzept, das ursprünglich als Arbeitspapier für Mitarbeiter gedacht war, aufgrund des öffentlichen Drucks zwischenzeitlich von der Website. Nun ist es in überarbeiteter Form wieder zurück und tatsächlich fehlt der von Behrend kritisierte Satz. Das ist nicht alles.
So ist etwa nicht mehr von Doktor-, sondern von Körpererkundungsspielen die Rede. Die Aufgabe der Erzieher wird im neuen Konzept klar benannt: „Die pädagogischen Fachkräfte haben das Spiel der Kinder im Blick und schreiten ein, wenn Grenzen überschritten werden.”
Auch der Punkt „Masturbation” sorgte für hitzige Debatten im Netz. Im überarbeiteten Konzept heißt es, dass nur einige Kinder im frühen Alter beginnen, zu masturbieren und dies längst nicht alle tun, wie es zuvor geheißen hatte. Grenzen werden klar benannt. So heißt es: „Andererseits muss das Kind lernen, dass Masturbation in Gegenwart anderer Menschen Befremden auslöst und Schamgrenzen verletzen kann.“
Trotz dieser Veränderungen bleibe die inhaltliche Ausrichtung unberührt, betont Joachim Cierpka, Superintendent des Kirchenkreises Bramsche und damit zuständig für die Kitas. Kitas haben die gesetzliche Pflicht, Gewaltschutzkonzepte vorzuweisen und dem werde nachgekommen. „Die Überarbeitung konzentriert sich auf die sprachliche Darstellung, um das Konzept auch ohne spezifische pädagogische Vorkenntnisse verständlich zu machen”, teilt er mit.
Das niedersächsische Kultusministerium hebt die Bedeutung eines solchen Konzepts für Kitas hervor: „Die Konzepte geben den pädagogischen Fachkräften Handlungssicherheit im Umgang mit Kindern, um alle relevanten Entwicklungsschritte bei den Kindern durch kompetente Beobachtungen empathisch zu begleiten und untereinander kontinuierlich zu reflektieren”, teilt Sprecher Ulrich Schubert auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Kinder können zudem Übergriffe nur artikulieren, wenn man ihnen beibringt, sich auszudrücken und eigene Grenzen zu artikulieren.“