Dürre-Sorgen  Keine Löschflugzeuge mehr in Leer – was nun?

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 10.04.2025 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Spektakulär sah es aus, wenn das Löschflugzeug seine Ladung von gut 3000 Liter Löschwasser ablässt. Foto: Ortgies/Archiv
Spektakulär sah es aus, wenn das Löschflugzeug seine Ladung von gut 3000 Liter Löschwasser ablässt. Foto: Ortgies/Archiv
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Auf dem Flugplatz Leer-Papenburg hätten Löschflugzeuge stationiert werden können, wenn der Nordwesten brennt. Das ist passé. Wie sehen die Alternativen aus?

Leer - Das Thema Dürre treibt derzeit viele um: Landwirte haben Sorge, Feuerwehren sind immer wieder auch in der Region bei Flächenbränden im Einsatz. Keine Besserung in Sicht. Für Katastrophen, wie der Moorbrand nahe Meppen 2018, wollte man mit zwei Löschflugzeugen gewappnet sein. Die blaugelben Maschinen wurden dieser Zeitung auf dem Flugplatz Leer/Papenburg vorgestellt. Ihre Dienste hatte sich das Land Niedersachsen zunächst für zwei Jahre – 2022 und 2023 – gesichert. Sie waren auf dem Flughafen Braunschweig-Wolfsburg stationiert. Der Flugplatz in Nüttermoor, sollte als Nebenstandort genutzt werden, wenn ein Einsatz im Norden Niedersachsens ansteht. Nun ist diese Möglichkeit passé.

Die Feuerwehrleute befüllten bei einer Vorführung die Flugzeuge mit Wasser. Foto: Ortgies/Archiv
Die Feuerwehrleute befüllten bei einer Vorführung die Flugzeuge mit Wasser. Foto: Ortgies/Archiv

„Die Vorhaltung von Löschflugzeugen in Niedersachsen war von Beginn an auf einen zweijährigen Zeitraum für die Jahre 2023 und 2024 begrenzt“, sagt der Sprecher des Niedersächsischen Innenministeriums, Oliver Grimm. Nun fehlt das Geld: Um die Löschflugzeuge weiter als deutsche Ressource im europäischen Katastrophenschutz bereit zu halten, wäre war immer die Mitfinanzierung des Bundes notwendig gewesen, so Grimm. Der habe aber die Mitfinanzierung ab 2025 mit dem Hinweis auf fehlende Haushaltsmittel zurückgezogen.

Nicht nur das Geld ist ein Grund – Wie oft waren die Flugzeuge im Einsatz?

Dass die Flugzeuge alleine für und durch das Land Niedersachsen betrieben werden, sei nicht nur finanziell unsinnig, sondern „vor allem aus fachlicher Sicht“, so Grimm. So seien die Flugzeuge in 2023 und 2024 lediglich einmal bei einem Brand im Harz und sonst ausschließlich im europäischen Ausland zum Einsatz gekommen.

Sie waren seltene Gäste in Leer: Die Löschflugzeuge waren eigentlich in der Stadt Braunschweig stationiert. Foto: Ortgies/Archiv
Sie waren seltene Gäste in Leer: Die Löschflugzeuge waren eigentlich in der Stadt Braunschweig stationiert. Foto: Ortgies/Archiv

Niedersachsens Ministerin für Inneres und Sport, Daniela Behrens, erklärt: „Das Land Niedersachsen ist aufgrund der Investitionen in unsere Einsatzmittel zur Vegetationsbrandbekämpfung auch ohne Löschflugzeuge sehr gut aufgestellt. Die Vorhaltung der Flugzeuge in den vergangenen zwei Jahren hat uns dennoch wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen gebracht. Sollte sich der Bund zukünftig entschließen, wieder Löschflugzeuge über den europäischen Katastrophenschutzmechanismus in Deutschland zu stationieren, stünden wir in Niedersachsen bereit, uns mit den bereits gesammelten Erfahrungen erneut einzubringen.“

Wie schützen wir uns denn nun ohne die Flugzeuge im Ernstfall?

Bei den derzeitigen Warnungen vor Dürre und Bränden scheint es ungünstig, keine großen Wassermengen mit Flugzeugen abwerfen zu können. Gerade bei schwer zugänglichen Gebieten wie Wäldern. Aber es gibt nach Ansicht des Innenministeriums bessere Varianten: „Die Flugzeuge vom Typ AT802 benötigen geeignete Landeplätze mit einer Tragkraft von rund 7000 Kilogramm. An diesen Landeplätzen müssen dann geeignete Einsatzmittel zur Verfügung stehen, um die Flugzeuge schnell wieder zu befüllen, damit ein zügiger Umlauf erreicht wird.“ Für Hubschrauber dagegen sei man sehr viel flexibler, was Landeplätze und Löschwasser-Befüllung angehe. Für die Erfordernisse in Niedersachsen habe sich so herausgestellt, dass Hubschrauber besser für die auftretenden Einsatzszenarien geeignet sind.

Wo sind denn Helfer stationiert?

Das Land Niedersachsen hat vier Spezialeinheiten zur Vegetationsbrandbekämpfung (Ground Forest Firefighting) aufgestellt, so Grimm. Diese bestehen aus jeweils vier Tanklöschfahrzeugen und einem Kommandowagen und stehen „ab diesem Jahr in den hochwaldbrandgefährdeten Gebieten zur Verfügung.“

Die Einsatzkräfte am Boden hielten engen Blickkontakt. Foto: Ortgies/Archiv
Die Einsatzkräfte am Boden hielten engen Blickkontakt. Foto: Ortgies/Archiv

Laut der Internetseite des Niedersächsischen Landesamtes für Brand und Katastrophenschutz sind die Standorte der Einheiten auf mehrere Ortswehren in je zwei Landkreisen verteilt: In Celle und Heidekreis, Goslar und Göttingen, Uelzen und Gifhorn – die vierte Einheit ist dort noch nicht aufgeführt.

Außerdem sei ein sogenanntes „Fachmodul Vegetationsbrandbekämpfung“ an vier Stellen stationiert worden. Das könne im Einsatz das Arbeitsmaterial für die Einsatzkräfte am Boden bringen. Sprich: Löschwasserfaltbehälter oder Füllrohre. „Die Einsatzkräfte können dann innerhalb kürzester Zeit Behelfslandeplätze für Hubschrauber aufbauen.“ Den Aufbau dieses Fachmoduls habe das Land Niedersachsen mit insgesamt 2,4 Mio. Euro unterstützt.

Wer hilft denn noch?

Seit 2020 sei auch die Polizeihubschrauberstaffel Niedersachsen in der Brandbekämpfung aus der Luft im Einsatz, so Grimm. „Zwei Maschinen der derzeitigen Flotte sowie Personal der Staffel sind in für die luftgebundene Einsatzunterstützung bei Vegetationsbränden nutzbar.“

Außerdem würden gerade Hubschrauber für die Landespolizei angeschafft und dabei die Anforderung der Vegetationsbrandbekämpfung berücksichtigt. „Bei größeren und länger dauernden Lagen können die Hubschrauber der Bundespolizei und der Bundeswehr mit größeren Traglasten angefordert und eingesetzt werden.“ Zusätzlich stünden von 1. April bis 30. September jeden Jahres Hubschrauberkapazitäten von Drittanbietern mit sogenannten Bambi-Buckets (Löschmittelvolumen von 1000 Liter) und Lastennetz für das Land Niedersachsen zur Verfügung.

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