Miami Traumschiff-Gaststar Judith Williams: „In meiner Kindheit war ich nur einmal im Urlaub“
Die Unternehmerin Judith Williams hat in ihrer Kindheit nur einmal Urlaub gemacht – an der Ostsee, im Winter. Als Gaststar im ZDF-Traumschiff trifft sie es am Ostersonntag auch nicht besser: Ausgerechnet ihre Figur bleibt an Land. Ein Interview.
Wenn das ZDF-„Traumschiff“ am Ostersonntag (20.15 Uhr) Miami anpeilt, ist ein Überraschungsstar mit dabei: Als Mutter einer Ausreißerin gibt Geschäftsfrau Judith Williams ein TV-Gastspiel. Im Interview spricht sie über ihre Kindheit in einfachen Verhältnissen, Austernbuffets und die Lust an Riesen-Schokolade aus dem Duty-Free-Shop.
Frage: Frau Williams, Schauspieler lieben das „Traumschiff“, weil man da auf ZDF-Kosten nach Miami oder Phuket kommt. Sie allerdings bleiben an Land.
Antwort: Ist das nicht gemein? Ich sitze im kalten Stockholm, bin die besorgte Mutter – und in See sticht nur meine Filmtochter. Trotzdem: Das Traumschiff ein toller Ausflug zu meinen Theaterwurzeln und fast ein Familientreffen. Barbara Wussow ist eine enge Familienfreundin, Florian Silbereisen auch, und mit Harald Schmidt haben wir jetzt auch wieder mal angestoßen. Den kennen wir, seit er mit meinem Mann einen Pilcher-Film gedreht hat.
Frage: Ihre Opern-Karriere haben Sie vor vielen Jahren aus gesundheitlichen Gründen beendet. War das „Traumschiff“ Ihr Debüt in einem TV-Film?
Antwort: Fast – in der Sat.1-Comedy-Märchenstunde habe ich vor einigen Jahren schon mal an der Seite von Uwe Ochsenknecht Aschenputtels Stiefmutter gespielt. Ich schlüpfe gerne in andere Rollen. Als Unternehmerin muss man nicht immer der harte Typ sein. Kreativität ist ganz, ganz wichtig bei uns.
Frage: Als das „Traumschiff“ zum ersten Mal lief, waren Sie zehn Jahre alt. Verbinden Sie nostalgische Erinnerungen mit dem Format?
Antwort: Ja, total! Ich bin in eher bescheidenen finanziellen Verhältnissen aufgewachsen. In meiner gesamten Kindheit ist meine Familie nur ein einziges Mal in den Urlaub gefahren: nach Kiel. Und das auch noch im Winter, über Weihnachten, es war eiskalt. Meine Eltern konnten sich Reisen nicht erlauben. Also habe ich mich inspirieren lassen. Alle Traumschiff-Häfen kamen auf meine Liste der Orte, an die ich unbedingt wollte. Viel fernsehen durfte ich als Kind nicht, aber das Traumschiff haben wir wirklich alle zusammen geguckt. Genauso wie das amerikanische Original: „Love Boat“.
Hier sehen Sie den Trailer zum „Traumschiff: Miami“ mit Judith Williams:
Frage: Hat Ihr Leben sich dann so entwickelt, wie sie es sich als Kind vor dem Fernseher vorgestellt haben?
Antwort: Als Kind hätte ich nie daran gedacht, Unternehmerin zu werden. Ich wollte Künstlerin werden. Wenn ich beim Traumschiff etwas gelernt habe, war es nicht das Leben in der High Society. Es war eher ein Sinn für Abenteuer. Das Leben ist aufregend und immerzu passiert etwas Unvorhergesehenes, egal, in welchen Kreisen man sich bewegt.
Frage: Was wäre auf einer Kreuzfahrt Ihre größte Versuchung? Das Austernbuffet? Die hübschen Eintänzer und Heiratsschwindler? Oder der zollfreie Kiosk mit 5 Kilo schweren Schokoladentafeln?
Antwort: Definitiv die Schokolade. Aus Austern mache ich mir nichts.
Frage: Warum haben wir auf Schiffen überhaupt Lust auf Süßigkeiten in Verpackungsgrößen, die kein Mensch essen kann? Was sagen Sie als versierte Verkaufspsychologin?
Antwort: Wahrscheinlich hat das mit dem entspannten Leichtsinn des Reisens zu tun. Mir geht es auch so. Ich fliege viel und sobald ich im Duty-Free-Shop stehe, denke ich: Ich muss was kaufen. Natürlich muss ich gar nichts kaufen. Ich habe alles, was man sich nur vorstellen kann. Aber es sieht einfach alles so toll aus. So eine riesige Schokolade kriegt man woanders nicht. Und dann gibt’s natürlich die Sparfüchse, die für 180 Euro literweise Parfüm kaufen – weil man da fünf Euro spart und gar kein schlechtes Gewissen haben muss!
Frage: Die neue Traumschiff-Folge führt nach Miami, das Ihre Filmtochter als Ort der Kunst beschreibt. Ich denke bei Florida eher an Rentner, Betrunkene und Alligatoren. Sie sind Amerikanerin: Welches Florida-Klischee stimmt?
Antwort: Es stimmt beides. Im Landesinneren von Florida, in den Everglades, finden sie wahrscheinlich wirklich Betrunkene, die sich mit den Crocodiles anlegen. Und in Miami gibt es dann Tanzbars, Clubs, Konzerte und eine hervorragende Küche. Der kubanische Einfluss ist überall zu spüren. Amerika versteht man nur über seine Gegensätze.
Frage: Europa blickt gerade angstvoll in die USA, wo mit Trump und Musk zwei Geschäftsleute den Staat umkrempeln. Beide folgen der Idee, wonach Unternehmer die besseren Politiker seien. Was sagen Sie als Unternehmerin dazu?
Antwort: Ich würde niemals sagen, dass Unternehmer keine Politiker werden dürfen. Im Gegenteil: Von unseren Politikern wünsche ich mir (eigentlich) viel mehr wirtschaftliches Verständnis. Vielleicht hat es die Entwicklung in den USA gebraucht – damit Europa endlich aufwacht und zusammenfindet. Dass wir immer noch nicht mit einer Stimme sprechen, finde ich unglaublich. Je übler es auf der anderen Seite des Atlantiks wird, desto mehr schweißt es Europa hoffentlich zusammen. Vielleicht beschäftigen wir uns dann alle nicht mehr mit unseren eigenen Eitelkeiten, sondern mit der Frage, wie wir Europa sicherer machen.