Osnabrück  „Bei Trump hat Gott seine Hand im Spiel“: Woran der Bibellehrer des Weißen Hauses glaubt

Lucas Wiegelmann
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Von Lucas Wiegelmann
| 13.04.2025 08:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 16 Minuten
„Das Attentat hat ihn verändert. Er ist gnädiger geworden“: Donald Trump kurz nach dem Anschlag vom 14. Juli 2024 in Pennsylvania Foto: AP/dpa/Evan Vucci
„Das Attentat hat ihn verändert. Er ist gnädiger geworden“: Donald Trump kurz nach dem Anschlag vom 14. Juli 2024 in Pennsylvania Foto: AP/dpa/Evan Vucci
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Der ultrakonservative Pastor Ralph Drollinger gibt jede Woche einen Bibelkurs für Mitglieder des Trump-Kabinetts. Hält er Donald Trump für auserwählt? Kommt der Messias, wenn Israel Gaza erobert? Und welche Pläne hat Drollinger für Deutschland? Ein exklusives Gespräch.

So sieht er eigentlich ganz normal aus, gar nicht besonders groß. Als junger Mann hat Ralph Drollinger, ein Hüne von 2,18 Metern, Basketball in der amerikanischen Profiliga NBA gespielt. Auf Fotos, die ihn neben seinen Mitarbeitern zeigen, wirkt er auch heute noch, mit 70 Jahren, auf geradezu unwirkliche Weise riesig. 

Aber wie er jetzt so im Videocall auf dem Bildschirm erscheint, kommt das natürlich nicht zur Geltung. Nur die Initialen RKD, Ralph Kim Drollinger, die auf die Brust seines blauen Button-Down-Hemdes gestickt sind, lassen die Sonderanfertigung ahnen: Ehemalige NBA-Spieler finden in ihrer Größe ja keine Hemden von der Stange.

Ralph Drollinger, der sich nach seiner Sportlerkarriere zum evangelikalen Pastor ausbilden ließ, führt seit fast dreißig Jahren mit seiner Frau eine Organisation namens Capitol Ministries (CapMin). Sie bietet ultrakonservative Bibelkurse für Politiker an. Vor wenigen Wochen nun ist CapMin der Sprung auf die höchste Ebene gelungen, die sich dabei denken lässt: Drollinger gibt künftig wieder jede Woche in Washington einen Bibelkurs für Donald Trumps Kabinett, so wie bereits in Trumps erster Amtszeit. Eine Einrichtung, wie es sie davor in Amerika seit mindestens zweihundert Jahren nicht gab, womöglich sogar noch nie.

Anders gesagt: Wenn gerade die ganze Welt herauszufinden versucht, wie diese erstaunliche Trump-Regierung wirklich tickt, können wahrscheinlich wenige Menschen so gut weiterhelfen wie Ralph Drollinger.

 „Ich habe ein Signal, dass die Internetverbindung nicht so gut ist“, sagt Drollinger, „es regnet so stark“. Er läuft mit seinem Laptop durch sein Haus in Kalifornien und lässt sich schließlich in einem dielenartigen Wohnzimmer mit Holzbalken an der Decke nieder, wo der Empfang besser ist. Ob er gerade viele Interviewanfragen hat? „Yeah“, sagt Drollinger. „Die amerikanischen Medien sind gerade ganz schön hinter uns her.“

Frage: Mr. Drollinger, zu Beginn der Fastenzeit hat der amerikanische Außenminister Marco Rubio ein Fernsehinterview gegeben. Dabei trug er ein übergroßes Aschekreuz auf der Stirn, nach dem katholischen Brauch zu Aschermittwoch. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie das sahen?

Antwort: Normalerweise rede ich nicht über Personen, mit denen ich als Pastor persönlich zu tun habe. Aber sagen wir es so: Ich weiß, dass Marco eine Mischung aus verschiedenen Konfessionen hat. Er galt schon mal als Mormone, auch als Evangelikaler, und nun heißt es eben, er sei Katholik. Er tanzt also viel herum, und das ist ziemlich gut, wenn man Wahlen gewinnen will. So kann man jeden ansprechen. Aber er ist ein Freund, und ich glaube, dass er aufrichtig ist in seinem christlichen Glauben. Und eine ausgezeichnete Besetzung als Außenminister. 

Frage: Von Deutschland aus wirkt es, als würde Amerikas Politik immer religiöser. Ist das so?

Antwort: Es gab immer schon eine Menge Leute in Washington, die am Aschermittwoch mit Asche auf der Stirn vor dem Kapitol herumlaufen. Das ist nicht so ungewöhnlich. Trotzdem sehe ich einen gewissen Wandel. Die amerikanischen Protestanten bestanden schon immer aus zwei Strömungen, einer fundamentalistisch-evangelikalen und einer liberalen. Beide Gruppen haben „Christentum“ auf ihren Trikots stehen, verstehen darunter aber ganz unterschiedliche Dinge. Was ich in den vergangenen Jahren beobachte, ist, dass viele liberale Christen aus der Politik ausscheiden und in den Ruhestand gehen. Dafür rücken evangelikale Leute nach, die eine hohe Meinung von der Heiligen Schrift haben. Sie erkennen die Bibel als irrtumslos, unfehlbar und unveränderlich an, statt selber auswählen zu wollen, was davon göttlich inspiriert ist und was nicht. Diese Leute haben natürlich auch ein entsprechendes Interesse an gutem Bibelunterricht. Deshalb wachsen wir gerade stark.

Frage: Seit fast drei Jahrzehnten bieten Sie Bibelkurse für Politiker an. Wozu?

Antwort: Was Sie eigentlich sagen wollen, ist doch: „Was ist los mit Ihnen, Ralph?“

Frage: Oder so, ja.

Antwort: Nun, die Sache ist einfach: Ich finde, unsere Idee von christlicher Mission, unsere „missiology“, sollte sich an dem orientieren, was die Bibel selbst zu diesem Thema sagt. Und dort schreibt zum Beispiel Paulus an den künftigen Gemeindeleiter Timotheus, er solle vor allem Könige und Machthaber erreichen (Drollinger bezieht sich auf 1 Tim 2, 1-4; d. Red.). Der Gedanke kommt im Neuen Testament noch an mehreren anderen Stellen vor. Also mache ich das: Es steht so in der Heiligen Schrift. Es kommt mir übrigens auch schlicht vernünftig vor: Wenn man politische Führer erreicht, beeinflussen sie die gesamte Kultur mehr als jeder andere. 

Es ist eine der Cheerleaderinnen beim Basketball, die Ralph Drollinger zur Bibel führt, so jedenfalls erzählt er es heute. Er ist gerade 18, als sie ihn, den Schüler aus einem Vorort von San Diego, zu einem Treffen der evangelikalen Organisation Youth for Christ mitnimmt. Nach dem Treffen ist Drollinger so begeistert, dass er zu Hause gleich die Bibel aufschlägt, zum ersten Mal überhaupt. Und in einem Rutsch das Matthäusevangelium durchliest. 

Als er den Sprung in die College-Mannschaft der University of California in Los Angeles schafft, geht er nach dem Training immer zur Bibelschule. Später unterschreibt Drollinger bei den Dallas Mavericks, da ist er 26. Doch wegen Knieproblemen muss er seine Profikarriere nur ein knappes Jahr später schon wieder beenden. Also tut Ralph Drollinger das Naheliegende: Er lässt sich zum Pastor ausbilden. 

1997 gründet er mit seiner Frau Danielle in Kalifornien Capitol Ministries. Eine Körperschaft, die heute in 34 Bundesstaaten vertreten ist, in rund 80 weiteren Nationen auf der ganzen Welt – und die sich nach eigenen Angaben allein aus Spenden finanziert. CapMin ist eine Non-Profit-Organisation. Drollinger selbst bekommt ein Gehalt von CapMin, das er aber nach eigenen Angaben selten ganz abruft. „Wenn Sie in der NBA gespielt und Ihr Vermögen gut angelegt haben“, sagt er, „brauchen Sie kein Geld“. 

Frage: Im März haben Sie auf Ihrer Website bekannt gegeben, dass Ihre Organisation Capitol Ministries nach einer mehrjährigen Unterbrechung auch wieder einen Bibelkurs für Donald Trumps Kabinett und die Gouverneure der USA veranstaltet, neben den wöchentlichen Kursen für das Repräsentantenhaus und den Senat. Wie kam das?

Antwort: Die eigentliche Pionierarbeit fiel in die Zeit der ersten Trump-Regierung. Damals wurden mehrere Jungs, die regelmäßig an meinen Kursen für den US-Kongress teilnahmen, in das neue Kabinett berufen. Die sagten mir: Ralph, wir lieben deine eiweißreichen Rationen vom Wort Gottes, mit denen du uns immer nährst – also warum kommst du nicht auch hierher und machst dasselbe? Also tat ich es. Diesmal sind wieder zwei Leute, die schon damals zu Trumps Führungszirkel gehörten und uns mögen, Minister im neuen Kabinett geworden, Russ Vought und Brooke Rollins. Russ wurde erneut zum Haushaltsdirektor des Weißen Hauses ernannt, Brooke ist die neue Landwirtschaftsministerin. Die beiden waren unsere entscheidenden Insider. Sie haben die anderen eingeladen. Und nun treffen wir uns wieder jede Woche.

Frage: Warum haben Sie unter Joe Biden keinen Kurs für das Kabinett gemacht?

Antwort: Gewünscht hätte ich es mir. Aber Biden hatte die Regel, keine Evangelikalen in sein Kabinett zu berufen. Es gab also auch niemanden, der für das, was ich zu bieten habe, empfänglich gewesen wäre.

Frage: Wo finden Ihre Kurse für die Regierung statt?

Antwort: Wir treffen uns im Büro eines der teilnehmenden Minister, das ist ein Haus mit einem ausreichend großen Parkplatz. Jedes Kabinettsmitglied fährt ja üblicherweise mindestens mit drei schwarzen SUVs vor.  

Frage: Wer sind die Teilnehmer?

Antwort: In der ersten Sitzung für die neue Trump-Administration kam ich mir vor, als würde ich eine Bibelstunde für Schönheitsköniginnen geben. Justizministerin Pam Bondi war da, Kelly Loeffler, Chefin der Small Business Administration, oder Kristi Noem, Ministerin für Heimatschutz – alle sehr hübsch und feminin, aber zugleich natürlich echte Abrissbirnen, ich nenne sie meinen Abrissbirnen-Kurs. Russ und Brooke haben wir schon besprochen. Pete Hegseth war auch dabei, der Verteidigungsminister, oder auch Scott Turner, Trumps neuer Bauminister. Per Zoom waren noch etwa zehn Gouverneure zugeschaltet.

Frage: Sie haben vor Jahren einmal in einem Interview gesagt, Sie hätten auch eine Art Brieffreundschaft mit Donald Trump: Sie schicken ihm eine Druckfassung ihrer Bibeleinheiten, und er schickt sie Ihnen mit einem Kommentar zurück. Ist das immer noch so?

Antwort: Seit seinem neuen Amtsantritt habe ich noch nichts wieder von ihm gehört. Er muss sehr beschäftigt sein. Aber bis zur Wahl haben wir es so gemacht, ja. 

Frage: Was schreibt Donald Trump für Notizen?

Antwort: Sowas wie: „Ralph, du hast einen hervorragenden Ruf, und dein Paper hat mir diese Woche sehr gut gefallen“. Er schreibt alles immer mit Filzstift.

Frage: Glauben Sie, er liest, was Sie ihm schicken?

Antwort: Nach dem, was er öffentlich sagt, klingt es so. Und ich weiß von Leuten, die schon mit ihm im Flugzeug unterwegs waren, dass er wirklich ein unersättlicher Leser ist.

Frage: Haben Sie ihn schon mal persönlich getroffen?

Antwort: Noch nicht. Das ist aber wahrscheinlich auch gut so. Es gibt schon jetzt viele Kritiker in Amerika, die meiner Organisation vorwerfen, eine Gottesherrschaft oder so etwas in Amerika errichten zu wollen. Das ist natürlich Unsinn. Im Neuen Testament steht kein Wort davon, dass die Kirche die Regierung übernehmen soll. Im Gegenteil, sie soll sich ihr unterordnen: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“ (Mt 22,21).  

Frage: Donald Trump hält sich für auserwählt von Gott, weil er ein Attentat überlebt hat. Glauben Sie das auch?

Antwort: Ich würde nicht sagen, dass er Jesus persönlich kennt oder so etwas. Ich bin aber überzeugt, dass Gott bestimmte Menschen auswählt, um seine Pläne zu verwirklichen. War der amerikanische General George Patton ein Christ? Ich weiß es nicht, aber es war sicherlich hilfreich, dass er im Zweiten Weltkrieg die Deutschen besiegt hat: Gott hat ihn in besonderer Weise gebraucht. Im Alten Testament finden Sie ganz viele solcher Beispiele. Und nun hat Gott offensichtlich beschlossen, Donald Trump zur Gestaltung der Weltgeschichte zu benutzen – in sehr interessanter Weise.

Frage: Ist es nicht eher so, dass Trump einfach Glück hatte, als ihn die Kugel verfehlte? 

Antwort: Mir fällt es schwer, es so abzutun. Ich meine, wenn die Kugel deutlicher am Kopf vorbeigeflogen wäre, mit mehr Abstand, dann wäre Trump mit seiner Interpretation einer göttlichen Rettung nicht weit gekommen. Das wäre völlig unglaubwürdig gewesen. Wenn die Kugel wiederum nur einen Hauch näher Richtung Kopf geflogen wäre, als sie es tat, wäre Trump jetzt nicht mehr hier. Aber dass sie eben exakt so haarscharf an seinem Ohr entlang schrammte, dass das Ohr zu bluten anfing, lässt mir keine Wahl. Ich bin überzeugt, dass Gott seine Hand im Spiel hatte.

Frage: Kommt es Ihnen gar nicht anmaßend vor, das beurteilen zu wollen?

Antwort: Womöglich wäre es das, wenn Trumps politische Entscheidungen ansonsten im Widerspruch zur Heiligen Schrift stünden. Aber ich stelle fest: Gott rettet seine Haut, und dann macht er, jedenfalls überwiegend, eine Politik, die zu Gottes Wort passt. Für mich klingt das stimmig. 

Frage: Donald Trump gilt als aggressiv, sexistisch, fremdenfeindlich, all diese Dinge. Würden Sie ihn als einen guten Christen beschreiben?

Antwort: Das vielleicht nicht, aber ich würde sagen, dass all die Dinge, die Sie gerade erwähnt haben, viel weniger geworden sind, seit die Kugel ihn gestreift hat. 

Frage: Sie glauben, es hat ihn verändert? 

Antwort: Enorm. Er war früher sehr bissig und herb, aber er ist viel gnädiger geworden. Man sieht ihn nicht mehr so oft schimpfen. Und seine gute Laune geht durch die Decke, er ist einfach die ganze Zeit total happy. Von mir als Pastor erwartet man vielleicht etwas biblischere Ausdrücke dafür. Also, ich sehe viele Früchte des Geistes bei ihm: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung. Viel mehr als früher.

Wer sich ein Bild von Ralph Drollingers theologischen Ideen machen will, muss kein Senator, Gouverneur oder Trump-Minister sein. Drollinger lädt seine Meditationen jede Woche auf der Website seiner Organisation hoch. Darin legt er die Bibel wörtlich aus.

Die Evolutionstheorie hält er für eine Irrlehre, weil sie unvereinbar mit dem biblischen Schöpfungsbericht sei. Auch die Vorstellung eines vom Menschen verursachten Klimawandels samt den allseits prognostizierten Folgen lehnt er ab. Gott habe laut Bibel doch nach der Sintflut versprochen: „Nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben“ (Gen 9,11).

Pastoren, die solche Thesen vertreten, gibt es in Amerika viele. Nur haben die wenigsten von ihnen die Möglichkeit, einmal die Woche in Washington hochrangige Vertreter der US-Regierung auf ihr Weltbild einzuschwören.

Die ließen es sich sogar gefallen, dass Drollinger im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie als „Strafe Gottes“ interpretierte und mit der Homosexualität in Amerika in Verbindung brachte. Menschenrechtler reagierten entsetzt, und selbst das Weiße Haus ließ mitteilen, das sei „sicher nichts, woran der Präsident glaubt“.

Seine wöchentlichen Kurse für das Kabinett des Präsidenten durfte Drollinger trotzdem fortsetzen.

Frage: Würden Sie sich innerhalb des evangelikalen Spektrums als gemäßigt betrachten oder als Hardliner?

Antwort: Es gibt vor allem drei große Irrtümer der evangelikalen Theologie, die auch in den säkularen Medien scharf kritisiert werden: Die Dominionisten sagen, Christen müssten die Kontrolle über die staatliche Regierung übernehmen. Die christlichen Rekonstruktionisten sagen, dass die allermeisten Gründerväter der Vereinigten Staaten Christen gewesen seien und die USA als „christliche Nation“ gegründet hätten, ja sogar, dass die amerikanische Verfassung göttlich inspiriert sei, ähnlich wie die Bibel. Die Theonomisten schließlich wollen alle amerikanischen Gesetze neu schreiben, und zwar basierend auf dem Recht des Alten Testamentes. Alle drei Strömungen sind biblisch in keiner Weise zu rechtfertigen, also lehne ich sie ab. Damit bin ich aber nicht alleine, sondern das ist aus meiner Sicht der evangelikale Mainstream. Ich kenne auch keinen einzigen Politiker, der zum Beispiel einen amerikanischen Gottesstaat anstrebt.

Frage: Trotzdem ist Amerikas Gesellschaft tief gespalten: Wie rechtfertigen Sie es als Christ, dass ausgerechnet das Christentum zu dieser Spaltung beiträgt?

Antwort: Das Christentum baut auf biblischen Absolutheiten auf, den Zehn Geboten etwa. Also gibt es zwei Möglichkeiten. Sie können daran glauben, dass diese in der Heiligen Schrift verankerten Grundsätze absolut richtig sind. Oder Sie können auf Ihre Überzeugungen notfalls verzichten, weil für Sie das höchste Gut nicht eine absolute Wahrheit ist, sondern Einheit: Sie opfern also Ihre moralischen Grundsätze, um mit jemandem auszukommen, der moralisch nicht die gleichen Ansichten hat wie Sie. Wir alle stehen vor dieser Entscheidung. Jesus selbst nimmt im Matthäusevangelium ziemlich eindeutig Stellung dazu, wenn er sagt: „Ich bin gekommen, den Menschen mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit der Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter“ (Mt 10,35). Als Donald Trump in seiner Rede zur Lage der Nation neulich zum Beispiel sagte, es gebe nur das männliche und das weibliche Geschlecht, mögen woke Kritiker das für spaltend halten. Ich würde sagen, er ruft Amerika halt zu dem zurück, was biblisch eindeutig ist. 

Frage: Als Trump und sein Vizepräsident JD Vance den ukrainischen Präsidenten Selenskyj im Weißen Haus angegangen sind, war die ganze Welt geschockt. Wie fanden Sie das, als Pastor?

Antwort: Offen gestanden musste ich an die Fähigkeiten von Vätern denken. Man konnte in dem Moment ahnen, warum Trumps Kinder zu dem geworden sind, was sie sind, und warum im Gegensatz dazu Joe Bidens Sohn Hunter eine andere Entwicklung genommen hat. Trump ist ein strenger Vater. Er behandelte Selenskyj wie ein Kind, weil er ihn dazu bringen wollte, Frieden zu wollen statt unser Geld. Trump und JD wollen einfach nicht, dass noch mehr Menschen in der Ukraine sterben. Auch die russischen Soldaten haben Frauen und Kinder zu Hause, mit denen wir in einem pastoralen Sinn Mitgefühl haben müssen. Egal, wer schuld ist an diesem Krieg.

Frage: Wer ist denn schuld Ihrer Meinung nach?

Antwort: Versetzen wir uns in Putins Lage. Wenn man es der Ukraine erlaubt, der Nato beizutreten, hat er die Nato plötzlich direkt vor seiner Haustür. Das gibt ihm ein unsicheres Gefühl. Außerdem glaubt er, dass die vielen Russen, die in der Ukraine leben, ihm gegenüber loyaler sind als gegenüber Kiew. Von daher kann ich mir vorstellen, wie er moralisch über die Angelegenheit denkt. Aber eine Invasion? Eine souveräne Nation wird von einer anderen überfallen? Das halte ich nicht für gerechtfertigt. Ich bin also auf der Seite der Ukraine. Es gibt sicher andere Möglichkeiten, Putins Unsicherheit zu lindern, als Krieg. Und ich denke, Trump sieht das auch so. 

Frage: Über den Nahost-Konflikt haben Sie in einem Interview 2024 gesagt: „Ich frage mich, ob Israel nach der Verjagung der Hamas aus dem Gazastreifen auch den nächsten Schritt geht und den gesamten Gazastreifen für Israel zurückerobert. Denn es gibt Bibelstellen, die besagen, dass die endzeitliche Uhr für die Rückkehr des Messias erst dann in Gang gesetzt wird, wenn Israel das ganze Land zurückerhält.“ Heißt das, Sie befürworten die Idee, dass Israel die Kontrolle über Gaza übernimmt, weil Sie in der Bibel etwas über den Messias gelesen haben? 

Antwort: Nein. Ich formuliere keine prophetischen Bedingungen. Es ist eher eine Art von Neugier, die ich bei dem Thema habe. Viele Evangelikale in Amerika glauben, dass wir uns in der Endzeit befinden. Wenn nun also Israel den Gazastreifen zurückerobert, wird das dann wirklich dabei helfen, die Uhr für die endzeitliche Wiederkehr Christi in Gang zu setzen? Ich persönlich finde diese Frage einfach total interessant. Aber ich würde niemals sagen: Netanjahu, tu dies oder das, damit Jesus wiederkommen kann.

Frage: Ihre Organisation Capitol Ministries ist auch in Europa auf Expansionskurs. Streben Sie auch Bibelkurse in Deutschland an?

Antwort: Wir befinden uns in Recherchen für Berlin. Die Idee ist, ein, zwei wirklich gute deutsche Bibelexperten zu finden, die sich dort auskennen und unser Wasser dorthin tragen können. So wie mein moldauischer Kollege Valeriu, der in Brüssel einen CapMin-Bibelkurs für EU-Parlamentarier macht.

Frage: Übersetzt der einfach Ihre Kurse aus Washington, oder hat er ein eigenes Programm?

Antwort: Er schreibt seine eigenen Studien, und wir ermutigen alle unsere Dienstleiter in anderen Hauptstädten, das zu tun. Wir geben ihnen sozusagen nur ein paar Zutaten und die Küchengeräte an die Hand, damit sie ihre eigenen Gourmetgerichte zubereiten können, mit lokalen Gewürzen, entsprechend den Geschmacksnerven der Leute vor Ort. Das ist besser, als wenn sie einen tiefgekühlten Hamburger aus Amerika auftauen.

Frage: Wie oft bekommen die Europaparlamentarier Bibelunterricht? 

Antwort: Wir glauben, dass man das Wort Gottes mindestens einmal in der Woche in der Tiefe lehren muss, das gilt für all unsere Kurse in der ganzen Welt. Man kann nicht sagen, man macht vielleicht einmal im Jahr ein Gebetsfrühstück oder so etwas, und das war es dann. So wird Ihnen jedenfalls nicht das gelingen, was unser Ziel ist: das Leben der Politiker so zu beeinflussen, dass sie echte Nachfolger Christi werden.

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