Fahrradkonzept geplant  Fahrradfahren in Weener – nicht überall ein Vergnügen

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 28.03.2025 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Entlang vieler Straßen gibt es nur auf einer Seite einen Fahrradweg. Kurz vor dem Kreisel in Möhlenwarf wird er in beiden Richtungen befahren. Foto: Gettkowski
Entlang vieler Straßen gibt es nur auf einer Seite einen Fahrradweg. Kurz vor dem Kreisel in Möhlenwarf wird er in beiden Richtungen befahren. Foto: Gettkowski
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Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer kommen sich in Weener oft in die Quere. Geplant ist daher ein Fahrradkonzept. Davon sollen nicht nur das Klima und die Radfahrer profitieren.

Weener - Das Rheiderland ist bei Fahrradfahrern beliebt. Nicht nur bei Urlaubern. Viele Weeneraner fahren mit dem Rad zum Einkaufen, zur Arbeit oder zur Schule. Und das, obwohl die Radwege an vielen Stellen wenig komfortabel oder gar nicht vorhanden sind. SPD und Grüne im Rat der Stadt Weener haben daher einen Antrag auf ein Fahrradkonzept gestellt.

Was ist Ziel des Fahrradkonzepts?

Das Konzept soll nach Vorstellung von SPD und Grünen einen Beitrag leisten, dass die Stadt ihre Klimaziel erreicht und mehr Menschen zum Umsteigen auf ein umweltfreundliches Verkehrsmittel zu motivieren. Außerdem könne das Fahrradkonzept Problembereiche angehen und damit das Fahrradfahren attraktiver machen.

Vermisst werden in Weener auch bessere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder wie in Bunde. Am künftigen Bahnhaltepunkt gibt sogar abschließbare Fahrradboxen. Foto: Gettkowski
Vermisst werden in Weener auch bessere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder wie in Bunde. Am künftigen Bahnhaltepunkt gibt sogar abschließbare Fahrradboxen. Foto: Gettkowski

Wo liegen die Hauptprobleme?

In der Stadt Weener müssen sich entlang der meisten Straßen Fahrradfahrer und Fußgänger den Gehweg teilen. Das sorgt immer wieder für Ärger und Missverständnisse. Was viele nicht wissen: Radfahrer sind auf dem Gehweg nur „Gast“. Sie dürfen dort maximal Schritttempo fahren. Die schwächeren Verkehrsteilnehmer haben hier Vorrang und dürfen nicht einfach zur Seite geklingelt werden.

Dass die Realität oft anders aussieht, beschrieb SPD-Fraktionschef Helmut Geuken jetzt in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung. So könne man Pedelecfahrer auf den für Radfahrer freigegebenen Gehwegen beobachten, die mit Tempo 25 unterwegs seien. Andererseits würden Autofahrer mit aggressivem Hupen und Drängeln reagieren, wenn Fahrradfahrer neben solch einem Gehweg mit Zusatzzeichen Radfahrer frei auf der Straße fahren. Dass das vollkommen korrekt sei, wüssten viele nicht. Hier könnten laut Geuken Piktogramme und Farbmarkierungen auf den Straßen kenntlich machen, dass Fahrradfahrer dort erlaubt und erwünscht seien.

Wie ist der Ist-Zustand?

„Die bauliche Ausführung der Radwegen ist stellenweise extrem ungünstig“, so Geuken. Als negatives Beispiel führte der Ratsherr die Tichelwarfer Straße an. „Das ist ein ständiges Auf und Ab wie in der Achterbahn“, beschrieb er seine Erfahrungen. Beim Fahrradkonzept sollte nach seinen Worten die Expertise der Ortsgruppe Rheiderland des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) genutzt werden. „Sie sitzen die meiste Zeit im Sattel und kennen die Problembereiche.“

Die SPD kritisiert die Bedingungen für Fahrradfahrer in Tichelwarf, die den Gehweg mitbenutzen. Foto: Gettkowski
Die SPD kritisiert die Bedingungen für Fahrradfahrer in Tichelwarf, die den Gehweg mitbenutzen. Foto: Gettkowski

Der SPD-Ratsherr Dieter Frikke machte noch auf eine andere Entwicklung aufmerksam. „Die Fahrradwelt hat sich verändert. Die E-Bikes sind nicht nur schneller, ihre Lenker sind auch breiter als bei herkömmlichen Fahrrädern.“ Das berge Unfallgefahren. Im Begegnungsverkehr benötigen sie eine gewisse Fahrbahnbreite.

Was sagt die Verwaltung?

„Wenn wir solch ein Konzept machen, bedeutet das einen erheblichen Eingriff in die Infrastruktur“, sagt Bürgermeister Heiko Abbas. Für viele Straßen sei der Landkreis Leer zuständig. Die Stadt kümmere sich nur um die Unterhaltung. Doch auch bei Wegen im Zuständigkeitsbereich der Stadt sieht Abbas immensen Handlungsbedarf. „Wir werden sehr, sehr viel Geld ausgeben müssen“, machte er deutlich.

Wie geht es weiter?

Die Stadtverwaltung hat den Auftrag erhalten, Möglichkeiten der finanziellen Förderung für die Erstellung und Umsetzung eines Fahrradkonzepts zu ermitteln und zu nutzen. Ein erster Entwurf soll bis zum 30. Juni 2025 vorgelegt werden. Nach Vorstellung von SPD und Grünen sollen auch die Einwohner in die Planung eingebunden werden. Wie bei der Erarbeitung des Verkehrskonzepts für den Landkreis Leer sollen sie über eine Online-Plattform Verbesserungsvorschläge machen sowie auf Gefahren und Probleme aufmerksam machen können.

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