Vereinsjubiläum in Rhauderfehn Zehn Jahre „Rückenwind“ für Menschen in Not
Erfolgsgeschichte des Vereins in Rhauderfehn: Seit einem Jahrzehnt bietet „Rückenwind“ Unterstützung für Menschen in Notlagen. So sieht die Vereinsarbeit aus – und warum der Verein überflüssig werden will.
Rhauderfehn - Vor zehn Jahren begann die Geschichte des Vereins „Rückenwind“ mit einer klaren Mission: Menschen in akuten Notlagen schnell und unbürokratisch zu helfen. Was 2015 mit 25 Mitgliedern begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einer wichtigen Stütze für viele Bedürftige im Kirchenkreis Rhauderfehn entwickelt. Heute zählt der Verein 120 Mitglieder. Er hat das Ziel, weiter zu wachsen und sich langfristig überflüssig zu machen.
Ein Junge bläst mit vollen Backen in die Segel eines gezeichneten Bootes, begleitet vom Slogan: „Mit wenig viel bewegen.“ Mit diesem Plakat möchte der Verein „Rückenwind“ neue Mitglieder gewinnen. 150 Mitglieder werden angestrebt. „Unser Verein ist eine Erfolgsgeschichte, getragen von Menschen, die dafür stehen. Wir haben viel erreicht, aber wir brauchen weiterhin Unterstützung“, erklärt Andreas Engel, 1. Vorsitzender und Gründungsmitglied. Beim Eintritt in den Verein winken Gutscheine lokaler Unternehmen. Der Motor der Vereinsarbeit ist aktive Nächstenliebe. Dabei werde weder ein Denkmal noch ein Verdienstkreuz angestrebt.
Schnelle Hilfe von heute auf morgen
„Wir leisten unbürokratische Hilfe von heute auf morgen. Entscheidungen werden schnell getroffen, und unsere Förderung ist lokal“, beschreibt Engel die Vereinsarbeit. Unterstützung erhalten alle Menschen im Kirchenkreis Rhauderfehn, die sich an die Sozial- und Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes wenden.
Der Verein
Im vergangenen Jahr konnte der Verein „Rückenwind“ 16.242,69 Euro auf 73 Fälle verteilen. Knapp 80 Prozent der Unterstützung ging an Menschen aus Rhauderfehn und Ostrhauderfehn. Die größten Ausgaben betrafen Energie und Kühlgerätetausch. Auch Mietzahlungen und der Kauf von Elektrogeräten wurden unterstützt. Zudem wurden 220 Lebensmittelgutscheine im Wert von 5.390 Euro ausgegeben. Die Hilfe kommt auch Menschen aus Westoverledingen, Uplengen, Bunde/Weener und dem Jümme-Gebiet zugute. Mehr Infos unter www.rueckenwind-rhauderfehn.de. Kontakt unter Tel. 04952/952013 oder per Mail an rueckenwind.rhauderfehn@gmail.com.
Helmut Hartema, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, fungiert als „Flaschenhals“, durch den alle Anfragen gehen. Das Diakonische Werk stellt dann einen Förderantrag an „Rückenwind“, der Verein entscheidet abschließend. Der gesamte Prozess folgt dem Subsidiaritätsprinzip, das prüft, ob es andere Unterstützungsmöglichkeiten gibt. „Es gibt kein Abo bei uns. Wir heißen auch nicht Motorboot. Man muss auch etwas dazu beitragen. Mit Rückenwind spürt man, es geht leichter“, ergänzt Uwe Tellkamp, 2. Vorsitzender. Mehrfache Unterstützung sei nicht die Regel, sondern eine Ausnahme.
Der Verein wurde am 3. Februar 2015 gegründet, inspiriert durch einen Vortrag von Prof. Dr. Annelie Keil. Die Gründungsmitglieder, darunter Heike Schäfer und Andreas Engel, wollten aktiv werden, da der Diakoniefond oft früh im Jahr erschöpft war. Eine der treibenden Kräfte, Anke Rodemeier, erlebte den Erfolg des Vereins nicht mehr, da sie 2015 bei einem Autounfall verstarb.
Drei Säulen der Finanzierung
Finanziell steht der Verein auf drei Beinen – wie ein ostfriesischer Melkschemel, erklärte Engel: Mitgliedsbeiträge als einzig verlässliche Größe sowie Spenden und Kollekten aus den Kirchen, die zweimal jährlich durch den Kirchenkreis für „Rückenwind“ gesammelt werden. Die Spenden variieren dabei zwischen kleinen Beträgen von fünf Euro bis hin zu größeren Summen. Durch eine Weihnachtsaktion in dieser Zeitung beispielsweise spendeten Leserinnen und Leser fast 12.000 Euro für „Rückenwind“. Auch Veranstaltungen im Kirchenkreis bringen regelmäßig Unterstützung. Eine besondere Geste: Bei Sterbefällen bitten Angehörige statt um Blumen um Spenden für den Verein. Die tausenden kleinen Spenden hier und da seien schon sehr toll, betonte der erste Vorsitzende.
White Dinner am 15. August geplant
„Unser Wunsch für die nächsten Jahre ist, dass es uns gar nicht mehr geben muss. Wir müssen uns überflüssig machen. Das werden wir selbst nicht erleben“, beschreibt der 1. Vorsitzende die Situation. Aufgabe sei nun, ein Netzwerk von Spendern zu schaffen. Jeder aus dem Vorstand müsse gucken, wen man noch mit ins Boot holen könne.
Zur Unterstützung des Vereins findet am 15. August 2025 im Museumsgarten des Fehn- und Schiffahrtsmuseums Westrhauderfehn über Sponsoren zum dritten Mal ein White Dinner statt. Das Eintrittsgeld wird wie eine Spende gehandhabt. Weitere Informationen dazu werden in der Presse bekannt gegeben.