London  „Wir erfahren nie die ganze Wahrheit“: Warum musste König Charles III. ins Krankenhaus?

Susanne Ebner
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Von Susanne Ebner
| 28.03.2025 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der britische König Charles III. wird mit dem Auto von Clarence House, seinem Londoner Wohnsitz, entlang der Mall zum Buckingham Palace in London gefahren. Foto: DPA/Yui Mok
Der britische König Charles III. wird mit dem Auto von Clarence House, seinem Londoner Wohnsitz, entlang der Mall zum Buckingham Palace in London gefahren. Foto: DPA/Yui Mok
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Seit über einem Jahr wird König Charles III. aufgrund seiner Krebserkrankung behandelt. Nun musste er aus medizinischen Gründen Termine absagen. Laut der Royal-Expertin Pauline Maclaran zeigt dies, dass unklar ist, wie lange er das Amt in diesem Tempo weiterführen kann.

König Charles III. hat sich in letzter Zeit so oft in der Öffentlichkeit gezeigt, dass die Briten fast vergessen haben, dass er immer noch an Krebs erkrankt ist – so beschäftigt präsentiert sich der 76-Jährige. Erst am Mittwoch besuchte er eine Ausstellung im Somerset House, einem Kulturzentrum in London. Er wirkte fit, schüttelte viele Hände und unterhielt sich lange mit den Gästen. Doch am späten Donnerstagabend rüttelte eine Nachricht die Insel auf.

Wie der Buckingham-Palast mitteilte, litt er so stark unter den Nebenwirkungen der Krebsbehandlung, dass er zur Beobachtung in ein Krankenhaus musste. Dem Palast zufolge sei der Monarch noch am Donnerstag nach Clarence House, seinem Wohnsitz in London, zurückgekehrt. Aus medizinischer Vorsicht und auf ärztlichen Rat hin wurden seine Termine sowohl am Donnerstag, 27. März, als auch am Freitag jedoch verschoben. 

Die Nachricht zum Krankenhausaufenthalt des Königs rückte sofort ganz oben auf die Agenda der britischen Fernsehsender und beherrschte auch am Freitagmorgen die Titelseiten – vom Boulevard bis zu den seriösen Tageszeitungen gab es kaum ein Medium, das sich nicht fragte: Wie ernst ist die Lage? Daniela Relph, BBC-Royal-Korrespondentin, bezeichnete die Ereignisse als „bump in the road”, einen kleinen Zwischenfall also, und gab damit die gewohnt beschwichtigende Darstellung des Königshauses an die Öffentlichkeit weiter.

Der Genesungsprozess verläuft weiterhin positiv, hieß es aus Palastkreisen. Der Monarch hoffe, die Termine nachholen zu können und auch die für Anfang April geplante Italienreise von Charles und Camilla solle – nach derzeitigem Stand – wie geplant stattfinden. Nebenwirkungen während einer Krebsdiagnose seien normal, versicherten von den Sendern und dem Boulevard eilig hinzugezogene medizinische Experten.

Doch auch wenn Charles unmittelbar nach seinem Krankenhausaufenthalt wieder an den Schreibtisch zurückgekehrt sei, so Pauline Maclaran von der Royal Holloway University of London, habe der Vorfall deutlich vor Augen geführt, „dass die Dauer der Regentschaft des Königs immer noch sehr ungewiss ist und es in naher Zukunft Veränderungen geben könnte“ – und sei es nur, indem sein Sohn und Thronfolger Prinz William mehr Aufgaben seines Vaters übernehme, „um ihn zu entlasten“.

Einen Rücktritt des Monarchen hält Maclaran derzeit jedoch für unwahrscheinlich. Schließlich habe er sich sehr bemüht, die Beeinträchtigung als gering darzustellen.

Klar sei aber auch: Wie es ihm tatsächlich geht, ist unklar und das sei den Briten auch bewusst. „Ich denke, die Öffentlichkeit weiß, dass der Palast die Sorgen um die Gesundheit der Royals immer herunterspielt und wir nie wirklich die ganze Wahrheit erfahren.“ Ein gewisses Mysterium zu wahren, sei Teil der monarchischen Inszenierung. 

Auch wenn bis heute nicht bekannt ist, an welchem Krebs der Monarch leidet, ging dieser bisher vergleichsweise offen mit seiner Erkrankung um. Galten detaillierte Mitteilungen zum Gesundheitszustand der Royals lange Zeit als Tabu, verkündete Charles seine Diagnose im Februar 2024 offiziell. Die Nachricht erschütterte die Briten, schließlich waren die Erinnerungen an den Tod von Charles Mutter, Königin Elizabeth II., die im September 2022 verstorben war, noch frisch.

Im März 2024 folgte dann die nächste Schocknachricht: Auch Prinzessin Catherine war an Krebs erkrankt. Während sich Kate für längere Zeit ganz aus der Öffentlichkeit zurückzog, blieb der König – trotz laufender Behandlung – aktiv. Bereits im Oktober 2024 reiste er mit seiner Ehefrau Königin Camilla nach Australien und Samoa. Das Programm war an seinen Gesundheitszustand angepasst, dennoch war die Reise ein deutliches Zeichen für seinen Willen, präsent zu bleiben.

Denn insbesondere der Monarch steht im Dienst der Öffentlichkeit. Oder wie die für ihr Pflichtbewusstsein bekannte Queen Elizabeth II. es einmal formulierte: „Ich muss gesehen werden, damit man an mich glaubt.“ Während Kate mittlerweile als krebsfrei gilt, befindet sich Charles weiterhin in Behandlung, zeigte sich aber bisher regelmäßig bei offiziellen Anlässen, ohne diese kurzfristig abzusagen. Das hat sich nun geändert.

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