Gesundheit  Ärzte-Versorgung soll in Ostfriesland besser werden

Petra Herterich
|
Von Petra Herterich
| 28.03.2025 16:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Hausarzt soll zum Lotsen durchs Gesundheitssystem werden – das planen Union und SPD. Foto: Skolimowska/dpa
Der Hausarzt soll zum Lotsen durchs Gesundheitssystem werden – das planen Union und SPD. Foto: Skolimowska/dpa
Artikel teilen:

Union und SPD wollen mehr Ärzte aufs Land locken und damit die Versorgung vor Ort verbessern. Das steht in einem ersten Verhandlungspapier. Auch weitere Verbesserungen für Patienten sind geplant.

Berlin/Leer - Union und SPD haben sich in der Arbeitsgruppe (AG) Gesundheit auf ein Papier für die Koalitionsverhandlungen geeinigt. Von den geplanten Neuerungen soll vor allem auch die medizinische Versorgung im ländlichen Bereich profitieren. Auch schnelle Arzttermine für Patienten soll es geben. Laut dem Papier, das inzwischen mehreren Medien vorliegt, wird der Hausarzt künftig die erste Anlaufstelle in der ambulanten Versorgung sein – er wird quasi zum Lotsen, der die Patienten durch das Gesundheitssystem lenkt.

Hausärztin Mareike Grebe, Vorsitzende der Bezirksstelle Aurich der Kassenärztlichern Vereinigung Niedersachsen (KVN) findet das Papier „grundsätzlich ganz positiv“.

Der Hausarzt soll zum Lotsen werden

„Eine bessere Patientensteuerung halte ich für ganz wichtig. Die Aufwertung der Hausärzte zum Primärarzt klingt ja auch so, als ob wir die Möglichkeit bekommen, die Patienten in die nächste Versorgungsstufe verweisen zu können – und dort auch Termine vorgehalten werden“, erklärt Grebe. Aber genau da sieht sie auch die Schwierigkeiten: „Man muss schauen, wo man dann die Termine herbekommt, wenn es nicht mehr Ärzte gibt.“

Dazu heißt es laut Medienberichten in dem Papier: „Künftig sollen Termine beim Facharzt innerhalb einer bestimmten Frist garantiert werden. Der Primärarzt bestimmt den spätesten Zeitpunkt. Die zuständige Kassenärztliche Vereinigung vermittelt, unter anderem unter der Rufnummer 116 117. Ist kein Termin fristgerecht im ambulanten System frei, springt ein Krankenhaus ein.“

Mehr Fachärzte für Ostfriesland?

Um Fachärzte auch in den ländlichen Bereich zu locken, ist geplant, auch für sie die Budgetierung aufzuheben. Laut dem „Deutschen Ärzteblatt“ heißt es in dem Papier: „Wir schaffen einen Fairnessausgleich zwischen über- und unterversorgten Gebieten: Wir entbudgetieren die Fachärzte in unterversorgten Gebieten.“

In dem Wort „unterversorgt“ liegt aber ein Problem, erklärt Dieter Krott, Geschäftsführer des KVN-Bezirks Aurich. „Nach dieser Formulierung wäre in unserer Region nur der Bereich Wittmund betroffen, in dem wir mit Hals-Nasen-Ohrenärzten unterversorgt sind“, erklärt er. „Das kann aber ja sicher so nicht gemeint sein, sonst gäbe es ja keine Verbesserung. Diese Begrifflichkeit muss weiter gefasst werden, um auch wirklich mehr Fachärzte verschiedener Bereiche nach Ostfriesland zu bekommen“, ist er überzeugt.

Dem stimmt auch Mareike Grebe zu: „Ich lese aus dem Papier, dass es darum geht, insgesamt die Niederlassung von Fachärzten im ländlichen Bereich zu fördern. Das betrifft sicher auch Ostfriesland“, sagt die Hausärztin aus Hesel. Einfach so direkt zum Facharzt zu gehen, sei laut dem AG-Papier aber in Zukunft wohl nicht mehr möglich. „Das hört dann auf. Das ist ja der Sinn des Primärarztes, dass der die Patienten durch das Gesundheitssystem lotst. Wir Hausärzte verweigern ja auch keine Überweisungen – aber es geht schon um die Sinnhaftigkeit“, erklärt Grebe. Man müsse jetzt aber auch erstmal abwarten, wie genau dieses erste Papier in den Koalitionsverhandlungen ausformuliert und dann umgesetzt werde.

Apotheker befürchten weitere Schließungen

Darauf warten auch die Apotheker. Sie sehen den Inhalt des Papiers nämlich äußerst kritisch. Laut der „Deutschen Apotheker Zeitung“ heißt es in den AG-Vorschlägen: „Wir erhöhen das Apothekenpackungsfixum einmalig auf 9,50 Euro. In Abhängigkeit vom Versorgungsgrad kann es insbesondere für ländliche Apotheken in einem Korridor bis zu 11 Euro betragen.“ Berend Groeneveld, Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbands (LAV) Niedersachsen und Inhaber der Norder Rats-Apotheke, ist darüber schockiert. „Das verlängert nur das Sterben der Apotheken – zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“, sagt er. Der Apothekerverband selbst hatte eine Erhöhung von 12,50 Euro gefordert. „Der Vorschlag der AG kompensiert ja nicht mal die Inflation der letzten fünf Jahre“, kritisiert er.

Ähnliche Artikel