Dreifache Mutter stellt sich vor  Von der Managerin zur Pastorin – wie eine Sögelerin „umschult“

Mirco Moormann
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Von Mirco Moormann
| 28.03.2025 11:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Seit März ist Roswitha Stürmer in Sögel in der Ausbildung zur Pastorin. Fotos: Moormann
Seit März ist Roswitha Stürmer in Sögel in der Ausbildung zur Pastorin. Fotos: Moormann
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Mit 45 Jahren schlägt Roswitha Stürmer endlich den Weg ein, über den sie schon seit Jahrzehnten nachdenkt. Sie wird in Sögel zur Pastorin ausgebildet. Zuvor war sie als Managerin tätig.

Sögel - In der Kirche hat sie sich schon immer wohlgefühlt, sagt Roswitha Stürmer. Die gebürtige Nordhornerin fängt früh an, sich zu engagieren, wird mit 16 Jahren Jugendleiterin in ihrer Heimat. Immer weitere Aufgaben kommen hinzu, bis sie nach dem Abitur vor der Entscheidung steht, Pastorin zu werden. Damals entscheidet sie sich gegen ein Theologiestudium – und heute holt sie die Ausbildung zu Pastorin in Sögel nach.

In der Zwischenzeit ist im Leben der heute 45-Jährigen viel passiert. Denn anstatt Theologie studiert sie in Marburg und später in Bonn Japanologie. Sie lebt auch in Japan, lernt dort ihren heutigen Mann Benjamin kennen, der aus den USA stammt. Nach dem Studium beginnt sie eine Manager-Laufbahn bei einem internationalen, japanischen Unternehmen.

Im Urlaub auf Island: Roswitha Stürmer mit ihrer Tochter Josephine, Sohn Elijah, Mann Benjamin und dem jüngsten Sohn Jonathan (vorne). Foto: Sammlung Stürmer
Im Urlaub auf Island: Roswitha Stürmer mit ihrer Tochter Josephine, Sohn Elijah, Mann Benjamin und dem jüngsten Sohn Jonathan (vorne). Foto: Sammlung Stürmer

Sie lebt in Düsseldorf, bekommt mit ihrem Mann zwei Kinder dort, und geht dann im Jahr 2015 in die USA. Zuvor war sie immer in Kontakt mit der Kirche. Während des Studiums in der Heimat, aber auch in Düsseldorf. Sie kümmert sich um die Arbeit mit Konfirmanden, übernimmt aber immer mehr Aufgaben in den Kirchengemeinden.

Zurück in Deutschland: Roswitha Stürmers Kirchenengagement

Sogar in den USA – die Familie lebt mittlerweile im Nordosten, im Bundesstaat Washington – ist sie in der Kirche aktiv, allerdings in der katholischen. Dort gibt sie Bibelunterricht für Kinder. Mittlerweile ist das dritte Kind geboren, als 2020 die Pandemie ausbricht. Aufgrund der aus ihrer Sicht unsicheren Lage in den USA entscheidet sich die Familie, zurück nach Deutschland zu gehen.

Mit Pastor Matthias Voss bespricht Roswitha Stürmer anstehende Termine in der Gemeinde.
Mit Pastor Matthias Voss bespricht Roswitha Stürmer anstehende Termine in der Gemeinde.

Im Sommer 2020 bezieht die fünfköpfige Familie ihr neues Domizil in Neuenhaus. Hier beginnt auch gleich wieder ein intensiver Kontakt zur Kirchengemeinde. Innerhalb von vier Jahren hat Stürmer dort etliche Aufgaben übernommen, und – wie früher – immer wieder zu hören bekommen: „Roswitha, du müsstest eigentlich Pastorin sein.“ Ein Studium der Theologie kommt für sie jedoch nicht mehr infrage, wie sie sagt. Allerdings ist für sie im Laufe der vergangen Jahre immer deutlicher geworden, „dass der nächste Schritt nur der Weg ins Pfarramt sein kann“. Nur stellte sich die Frage, wie dies möglich werden könne. Hier gibt es seit wenigen Jahren von der Landeskirche in Hannover die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Pfarrverwalter zu machen.

Pastoren-Ausbildung in Sögel öffnet neue Lebenswege

Auch wenn der Titel eher dröge daherkommt, ist „Pfarrverwalter“ die kirchenrechtlich korrekte Bezeichnung von Pfarrern, die nach einer verkürzten theologischen Ausbildung im Dienst der evangelisch-lutherischen Kirche stehen. Somit wird auch Stürmer schon im kommenden Jahr als Pastorin tätig sein, wenn auch nicht im Beamtenverhältnis. Die Ausbildung dauert eineinhalb Jahre, verbunden mit zahlreichen Seminaren zu den unterschiedlichsten Themen wie Gottesdienst-Leitung, Predigt und Seelsorge. In der Gemeinde in Sögel arbeitet Stürmer mit Pastor Matthias Voß zusammen, wird auch bald schon den ersten Gottesdienst leiten und eine Beerdigung durchführen.

In der Markuskirchengemeinde absolviert Stürmer ihre Ausbildung.
In der Markuskirchengemeinde absolviert Stürmer ihre Ausbildung.

Stürmer ist froh, eine von acht Personen zu sein, die in Niedersachsen diese Ausbildung begonnen haben. Denn eine ihrer Leidenschaften ist, wie sie es bereits im Motivationsschreiben für die Ausbildung schrieb: „Menschen die Begegnung mit Gott zu ermöglichen und für sie die Kirche zu einem Ort zu machen, an dem sie sich gesehen und geschützt fühlen können.“

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