Osnabrück Mit dem Ausdruck inniger Zuneigung: Kleines Plädoyer für das Wörtchen herzallerliebst
Das Wort kommt aus der Mode. Dabei klingt es nicht nur wundervoll: Herzallerliebst. Ein Plädoyer für ein altes Wort, das wir wieder mehr verwenden sollten.
Ob Kylie Minogue Deutsch versteht? Ich hoffe nicht. Im anderen Fall hätte sie nämlich einen solchen Satz in der Süddeutschen Zeitung lesen müssen: „Auf ihrer Deutschland-Tournee lächelt Kylie Minogue herzallerliebst und beschämt jede Gießkanne“.
Die Antwort auf die naheliegende Frage, was denn den Popstar mit einer schnöden Gießkanne im gleichen Satz zusammenbringen mag, lassen wir getrost im Nachtdunkel der deutschen Pressegeschichte versinken. Viel interessanter ist das kleine Wort herzallerliebst, das eine ganz andere Frage auslöst: Wo ist es nur geblieben?
Das ist ja reizend! Oder: Einfach zum Knuddeln! So sagt heute, wer früher das Wörtchen herzallerliebst verwendet hätte. Wird es überhaupt noch verstanden? Ich fürchte: nein. Denn die Vokabel verabschiedet sich laut Duden gerade aus dem deutschen Wortschatz, den es immerhin seit dem 15. Jahrhundert mit seinem milden Zuneigungsglanz schimmernd durchleuchtet hatte.
Warum eigentlich? Weil es heutigen Ohren vielleicht zu rosarot und zuckrig klingt? Weil Gefühle der Zuneigung einfach anders artikuliert werden? Ich finde, dass dieses kleine Wort hinreißend klingt, weil es eine Botschaft inniger Zuneigung in kürzester Form übermittelt. Was sind dagegen all die Herzchen und Küsschen, die als Emojis durch die Welt der Textnachrichten fliegen?
Ich ergreife Partei für das Wort, weil es das Herz und die Liebe in innigster Umarmung verbindet. Und das „alle“ zwischen sie schaltet. Darin liegt auch der Grund dafür, dass herzallerliebst keine Steigerungsform kennt. Wie sollte das auch möglich sein?
Aber wie gesagt: Diese feine Vokabel der Hingabe schwindet gerade aus dem aktiven Sprachgebrauch. Der eingangs zitierte Satz aus der Süddeutschen Zeitung ist vor immerhin schon 23 Jahren gedruckt worden. Ich finde diesen Rückgang bedauerlich, weil herzallerliebst ein Wort ist, mit dem sich so trefflich spontane Begeisterung artikulieren lässt.
Diese Begeisterung muss nicht allein Menschen gelten. Eine Frau kann auch ein Kleid oder eine Bluse sehen und spontan ausrufen: Das ist ja herzallerliebst! Ich fühle das mit, weil ich den Ausdruck der unverstellten Hingabe mag. Wie schrieb der Dichter Moscherosch im Jahr 1650? „Ach mein hertzallerliebster Schatz! wie ist mir dein Abschied so schmertzlich!“